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Meine Stadt Geplantes Wasserkraftwerk in Döhren erhält Dämpfer
Hannover Meine Stadt Geplantes Wasserkraftwerk in Döhren erhält Dämpfer
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16:23 15.04.2019
Das Döhrener Leinewehr. Quelle: Screenshot Google-Maps
Hannover

Schon seit 2007 unterstützt die Stadt das Vorhaben im Döhrener Leinewehr ein Wasserkraftwerk zu bauen – und trifft bei Anwohnern, Umweltverbänden und Interessensgruppen auf kräftigen Widerstand. Jetzt gibt es erneut einen Rückschlag im ohnehin schon langwierigen Verfahren: Wegen eines Formfehlers muss der Bau und Betrieb der Anlage neu ausgeschrieben werden.

Bislang galt der bayerische Investor AUF Eberlein & Co als sicherer künftiger Betreiber des Werks. Es gab bereits einen zu diesem Zweck abgeschlossenen Vorvertrag mit der Stadt, der die Überlassung der Wehranlagen und die Pflichten des Betreibers für den Fall einer erfolgreichen Genehmigung regelt. Dieser Vertrag ist nun aber für nichtig erklärt worden, wie die Stadt am Montag bekannt gab. „Grund ist ein Formfehler“, erklärt Stadtsprecher Dennis Dix. „Dies ergab eine rechtliche Überprüfung nach Einschalten der Kommunalaufsicht.“ Der Bau und Betrieb der Wasserkraftanlage soll nun schnellstmöglich ausgeschrieben werden. Die Schuld für den Formfehler liegt aber nicht beim bisher interessierten Investor, sondern bei der Stadt, die es versäumt hat, den Vorvertrag notariell zu beurkunden. „Die AUF Eberlein kann sich auch erneut auf die Ausschreibung hin bewerben“, erklärt Dix.

Schaden für Tier- und Pflanzenwelt

Der formale Rückschritt im Vorhaben ist Wasser auf die Mühlen der Gegner des Vorhabens – unter ihnen Anwohner der Leineinsel und der Wehrumgebung, der BUND und weitere Verbände. „Jeder Tag mehr, den das Kraftwerk nicht kommt, ist wichtig“, freut sich Heinz Pyka vom Anglerverband. „Die Leine ist in den vergangenen Jahren so gut geworden – ein Kraftwerk brauchen wir an der Stelle wirklich nicht“, sagt er. Wasservögel, Insekten und Fische würden unter dem Werk leiden: „Wir haben dort ein ökologisch enorm wertvolles Habitat!“, so Pyka weiter. „Es ist in weitem Umkreis die einzige große Kiesbank der Leine für kieslaichende Fische und Wasserinsekten.“ Zudem befürchtet er, dass geschützte Fische wie Lachs, Meerforelle und Aale, die das Wehr nahe der Leineinsel überwinden, in der Kraftwerkturbine enden.

Gegenwind erhält das Projekt auch aus der Politik. „Die erneute Klatsche durch die Kommunalaufsicht sollte die Stadt zum Anlass nehmen, den Bau der Anlage zu verwerfen“, fordert Maximilian Oppelt, Umweltexperte der CDU-Ratsfraktion. Ein Wasserkraftwerk schade nicht nur der Tier- und Pflanzenwelt in und an der Leine. „Ein Kraftwerk gehört auch nicht in ein Wohngebiet – allein schon wegen der Lärmbelästigung.“

Klimaziele sollen erreicht werden

Doch die Stadt hält weiter an dem Vorhaben fest, um die gesetzten Klimaschutzziele zu erreichen: Mit dem Masterplan „100 Prozent für den Klimaschutz“ wurde vom Rat der Stadt festgelegt, dass die CO2-Emissionen bis 2050 um mindestens 95 Prozent gegenüber den Werten von 1990 sinken müssen, bis 2015 konnten jedoch in Hannover nur 21 Prozent erreicht werden. „Wir werden weiterhin jede Maßnahme unterstützen, die dazu beiträgt, dass wir unsere Klimaziele erreichen können“, betont die Erste Stadträtin und Wirtschafts-und Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette.

Vor allem soll das Wasserkraftwerk mit seiner Stromerzeugung dafür sorgen, dass der Wohnpark „zero:e“ in Wettbergen den Status als Null-Emissions-Siedlung erreichen kann. Der Nutzen wird aber von einer breiten Front von Gegnern hinterfragt. 380 Einwendungen wurden im Planfeststellungsverfahren gegen das Bauvorhaben eingereicht, alle müssen gewürdigt werden. Das Verfahren läuft noch, voraussichtlich bis Oktober. Sollte jedoch am Ende pro Kraftwerk entschieden werden, könnte das ein juristisches Nachspiel haben: „Nach Beratung mit unserem Anwalt haben wir bereits entschieden, gegen das Bauvorhaben zu klagen, sollte es tatsächlich genehmigt werden“, sagt Karl-Heinz Pyka vom Anglerverband.

Von Simon Polreich

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