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Meine Stadt Hannover: Was Fragen an Vietnams Bauern mit globaler Erwärmung zu tun haben
Hannover Meine Stadt Hannover: Was Fragen an Vietnams Bauern mit globaler Erwärmung zu tun haben
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02:15 01.05.2017
SPRECHEN ÜBER DIE FRAGEBÖGEN: Ulrike Grote (von links), Andreas Wagener, Rattiya Suddeephong Lippe und Hermann Waibel vom Thailand Vietnam Socio Economic Panel. Quelle: Foto: Wallmüller
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Hannover

Mehr als 28 000 Studenten, 326 Professoren und neun Fakultäten – Hannover ist Universitätsstadt. In einer Serie stellt NP-Redakteur Sebastian Scherer verschiedene Institute vor. Und lässt die Professoren erklären, wie ihre Forschung die Welt ein Stückchen besser machen soll. In Folge 5 besucht Sebastian Scherer die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät.

Die Toiletten sind außerhalb, es gibt kein warmes Wasser. „Die meisten der Leute, die wir interviewen, wohnen in Hütten oder kleinen Häusern mit einem einzigen Raum, in dem gelebt geschlafen, gegessen wird“, sagt Hermann Waibel. Die Menschen, von denen er spricht, leben in Vietnam und Thailand auf dem Land, oft in Grenznähe. Ein luxuriöses Leben ist es nicht.

Waibel ist Direktor des Instituts für Entwicklungs- und Agrarökonomie und Sprecher des vierköpfigen Führungsteams eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Langzeitprojektes zur Erhebung von sozioökonomischen Daten bei ländlichen Haushalten. Das Projekt heißt Thailand-Vietnam Socio-economic Panel, kurz TVSEP. „Ziel ist es, die Ursachen der Armut und Armutsanfälligkeit in diesen beiden Ländern zu untersuchen und die für aufstrebende Entwicklungsländer typische Ungleichheit zwischen Stadt und Land zu erforschen.“ Die Besonderheit des Projekts bestehe darin, dass die Daten nicht nur vom Forscherteam in Hannover analysiert werden sondern weltweit von Wissenschaftlern im Bereich der Entwicklungsländerforschung genutzt werden können. Das Projekt soll bis zum Jahr 2024 laufen und soll dann von einer asiatischen Forschungseinrichtung weitergeführt werden.

Für die Forscher in Hannover ist es spannend, den landwirtschaftlichen Strukturwandel in Deutschland und Westeuropa mit dem in den asiatischen Ländern zu vergleichen. Während in Deutschland die Betriebsgrößen rasch angewachsen sind und nur noch wenige Bauern einem Dorf vorhanden sind bleiben die Betriebe in Thailand und Vietnam klein. „Dies liegt daran dass die Leute an ihrer Landwirtschaft festhalten, auch wenn jüngere Familienmitglieder in der Stadt arbeiten.“ Falls sie dort nichts mehr verdienen sollten, kann das zuhause noch durch Landwirtschaft abgefangen werden.

Doch warum wollte man das überhaupt wissen, hier am Conti-Campus der Leibniz Universität, tausende Kilometer entfernt. „Weil es uns alle betrifft“, sagt Andreas Wagener, Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik. Anhand der Umfragen -– 4000 Familien geben jedes Jahr wieder Auskunft – soll sichtbar werden, wie die Stadt das ländliche Leben beeinflusst, mit welcher Dynamik sich Wohlstand in aufstrebenden Ländern verteilt, wer von Wohlstand überhaupt profitiert – und wie sich Landwirtschaft verändert. „Je mehr wir über solche Entwicklungen wissen, umso besser lassen sich Politikmaßnahmen entwerfen, die auch für andere Länder anwendbar sind.“

Was nur ein Aspekt ist. Denn es betrifft auch jeden einzelnen Menschen auf der Welt – etwa bei Punkten wie der globalen Erwärmung. Die Befragten geben an, welche Früchte gerade besonders gut oder überhaupt nicht mehr wachsen. Welche Fische kaum noch gefangen werden. Welche Tiere sie immer häufiger oder immer seltener sehen. Das kann viel wert sein, um weltweite Trends sichtbar zu machen. „Je mehr wir auch über solche Dinge erfahren, umso besser wissen wir, wie sich die Erde verändert“, sagt Ulrike Grote, Leiterin des Instituts für Umweltökonomik und Welthandel, die insbesondere die vietnamesischen Forscher unterstützt.

Rattiya Suddeephong Lippe, eine thailändische Wissenschaftlerin, ist im Projekt für die Erhebung und das Management der Daten der Umweltökonomik verantwortlich. Sie organisiert und betreut die Befragungen, die von Studenten der örtlichen Universitäten aus den Ländern durchgeführt werden, seit Jahren. In ihrem Büro sind Tausende Fragebögen in Schiebern sortiert, „heute ist alles digital“, sagt sie. Sie beobachtet die Entwicklung genau – „viele gehen in die Stadt, um dort einfache Arbeiten zu machen und das Geld nach Hause zu schicken.“ Gleichzeitig würden viele in den Döfern überstürzt Teile ihres Land verkaufen, um sich etwas zu leisten – und denken dabei oft nicht langfristig. Es sei eben ein Problem, wenn sich in manchen Ecken Wohlstand oder zumindest eine Verbesserung der Lebensumstände einstelle, „das sorgt für ein soziales Gefälle“. Demnächst soll der Fragebogen auch deshalb noch mehr charakterliche Eigenschaften der Menschen abfragen, um abzusehen, wie sich verändernde Umstände auf das Entscheidungsverhalten auswirken.

Von Sebastian Scherer

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