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DENKMALGESCHÜTZT: Das Kraftwerk am Schnellen Graben. 2014 wurde es saniert.© Florian Petrow

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Industriedenkmäler

Hannover: Umweltstrom seit 1922

Schon seit fast 100 Jahren produziert das Kraftwerk am Schnellen Graben umweltfreundlich Strom. Ursprünglich zur Versorgung des Wasserwerkes Ricklingen errichtet, versorgt es heute 1400 hannoversche Haushalte mit Strom. Das ist wenig im Vergleich zu großen Kohlekraftwerken. Dafür ist der Strom, den der noch originale Generator von 1922 verlässlich liefert, extrem günstig. Nur eines von vielen spannenden Industriedenkmälern in Hannover.

Hannover. Er dreht sich. Und dreht sich. Und dreht sich. Schon seit fast 100 Jahren liefert der Generator des Wasserkraftwerks am Schnellen Graben Energie. Immer konstant mit 300 Umdrehungen pro Minute. Wenn es gut läuft, also viel Wasser durch den Graben strömt, schafft die Anlage fast 1000 PS. Pro Jahr macht das rund 3,5 Gigawattstunden. „Das reicht, um 1400 Durchschnittshaushalte mit Strom zu versorgen“, erklärt Stephan Schröter, der für die Stadtwerke regelmäßig Besuchern das 1922 fertiggestellte Industriedenkmal zeigt.

Das ist ziemlich wenig im Vergleich zum Kohlekraftwerk Mehrum, an dem die Stadtwerke über 80 Prozent der Anteile halten. Dieses schafft pro Jahr rund 3400 Gigawattstunden. Dafür braucht das Kraftwerk am Schnellen Graben jedoch auch nicht 1,2 Millionen Tonnen Kohle im Jahr, sondern nichts als Wasser. Billiger und umweltfreundlicher geht es kaum.

„Die Anlage ist schon lange abgeschrieben und braucht fast keinen Personaleinsatz. Dadurch sind die Kosten extrem gering“, sagt Schröter. Feste Mitarbeiter, die ständig in der Anlage präsent sein müssen, gibt es nicht. Während früher noch fünf Personen in drei Schichten rund um die Uhr im Einsatz waren, läuft seit der Modernisierung im Jahr 1983 alles vollautomatisch. Die Steuerung machen die Mitarbeiter des Kraftwerkes in Herrenhausen nebenbei. Das funktioniert auch deshalb, „weil die Anlage kaum störungsanfällig ist“, versichert Schröter.

Sogar das Treibgut im Schnellen Graben, das die Zuflüsse zu den beiden Turbinen verstopfen könnte, wird automatisch entfernt. Wenn sich davon genug angesammelt hat, erkennen das Sensoren, die wiederum Schieber in Gang setzen, die Äste und Laub durch einen dritten Durchfluss leiten, der in den tiefer gelegenen Teil des Gewässers führt. Kein Wunder, dass die Stadtwerke angesichts von so wenig Aufwand ein Interesse daran haben, dass auch in Zukunft genügend Wasser durch den Schnellen Graben strömt.

Bei den Diskussionen um das geplante Surferparadies „Leinewelle“ am Landtag machte der Energieversorger deshalb auch deutlich, dass er über vertraglich gesicherte Nutzungsrechte am Leinewasser verfüge und nicht vorhabe, zu Gunsten der Wellenreiter in wasserarmen Sommerzeiten seine Stromproduktion zurückzufahren.

Das Kraftwerk am Schnellen Graben garantiert also offenbar tatsächlich leicht verdientes Geld. Sein Strom wird heute in das allgemeine Netz eingespeist. Bei seiner Inbetriebnahme in den 1920er Jahren war das noch anders. Damals war es hauptsächlich zur Stromversorgung der neuen Elektropumpen des Wasserwerks in Ricklingen bestimmt, das 1974 stillgelegt wurde.

Der Entwurf des Wasserkraftwerkes stammt aus der Feder des damaligen Stadtbaurates Paul Wolf. 2014 wurden Sanierungsarbeiten an dem eingeschossigen Klinkerbau abgeschlossen, bei denen unter anderem Dach und Fenster erneuert wurden. „Das war nicht immer einfach. Zum Beispiel durften die Fenster nicht aus Kunststoff sein, um dem Denkmalschutz Rechnung zu tragen“, erklärt Schröter.

Der Schnelle Graben, der durch das Kraftwerk strömt, ist das älteste Wasserbauwerk Hannovers. Das daneben liegende Wehr aus glatten Sandsteinquadern entstand zwischen 1739 und 1745 als Nachfolger mehrerer älterer Anlagen. Zwar gab es in der Folge immer wieder Ausbesserungen, größere Veränderungen hatten sie aber nicht zur Folge.

Die Geschichte des Grabens selbst reicht sogar bis ins Mittelalter zurück. Er wurde gebaut, um den Mühlen einen gleichmäßigen Wasserstand zu sichern. Außerdem übernahm er bei Hochwasser die wichtige Funktion, überschüssiges Leinewasser um die Stadt herumzuführen und diese so vor Überflutungen zu schützen.

Auf Anfrage organisieren die Stadtwerke für Gruppen ab zehn Personen regelmäßig Führungen durch das Kraftwerk am Schnellen Graben. Anmeldung unter 0511/430 26 07.


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