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Meine Stadt Hannover: Türken wählen in Messehalle
Hannover Meine Stadt Hannover: Türken wählen in Messehalle
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16:51 31.07.2014
In Deutschland lebende Türken können ihre Stimme abgeben. Quelle: Holger Hollemann
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Hannover

Dort wo sonst Industriemaschinen, Nutzfahrzeuge oder Computertechnik einem internationalen Publikum präsentiert werden, reihen sich dutzende weißer Wahlurnen, auf denen die türkische Flagge prangt. Die Messehalle 2 in Hannover ist seit Donnerstag bei der türkischen Präsidentenwahl zentrales Wahllokal für Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt.

Nur hier können die 182 500 wahlberechtigten Türken aus den fünf Bundesländern die erstmals geschaffene Möglichkeit nutzen, aus der Ferne an einer Wahl in der Heimat teilzunehmen. Neben Hannover gibt es sechs weitere zentrale Wahllokale in Deutschland. Aus Braunschweig hat sich Mehmet Akin schon morgens auf den Weg gemacht und wartet vor der Messehalle auf seinen online reservierten Wahltermin. Zwar läuft die Wahl für die Türken bis Sonntag, zur Stimmabgabe erhält jeder aber einen Tag und ein Zeitfenster zugewiesen.

Foto: Küpper

"In der Türkei habe ich in den letzten 20 Jahren nur einmal gewählt", sagt der Selbstständige, der seit 23 Jahren in Deutschland lebt. Zur Wahl stehen neben Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan von der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP ein von den beiden größten Oppositionsparteien nominierter Kandidat sowie ein pro-kurdischer Vertreter. Der amtierende Präsident Abdullah Gül tritt nicht mehr an. "Ich bin gegen Erdogan, deswegen bin ich gekommen", sagt der Kurde Akin. Normalerweise identifiziere er sich inzwischen eher mit Deutschland. Seine Stimme für die kurdischen Belange will auch ein Bekannter von Akin abgeben, der mit ihm im Wagen aus Braunschweig angereist ist.

Irgendetwas aber hat mit der Reservierung nicht geklappt. "Mein Termin ist morgen", hat er nach einem Blick in die Wahlregistrierung erfahren. Gemeinsam mit seinen Eltern kommt währenddessen Gurkan Akes aus der riesigen Messehalle. "Wir haben etwas gewartet, weil das System nicht anging, nach einer halben Stunde hat es geklappt", sagt der junge Mann aus Hannover. Weil alle arbeiten müssen, hatte die Familie sich um einen frühen Termin bemüht.

Dass die in Deutschland lebenden Türken erstmals auch hier an die Urnen gehen könnten sei sehr wichtig, meint er. Auch wenn er die Türkei vor allem von Familienurlauben im Sommer kenne, hat er das Geschehen dort durchaus im Blick. "Ich habe meine Stimme für die Demokratie abgegeben." Klar als Erdogan-Anhänger gibt sich der Bremer Adnan Altunok zu erkennen. "Das ist sehr schön, dass die türkische Regierung das zustande gebracht hat", meint er zu der Wahlmöglichkeit für seine Landsleute - 1,4 Millionen sind es allein in Deutschland.

"Ich werde meine Stimme für Erdogan geben." Als Kleinkind kam er nach Deutschland und lebt hier seit 45 Jahren. "Ich fahre jedes Jahr in die Türkei in Urlaub und verfolge die Politik dort." Auf Wahlplakate oder andere Werbung der Kandidaten stoßen die anreisenden Türken im Umfeld der Messehalle nicht, von einer Einflussnahme ist nichts zu sehen. In der Messehalle selber aber wachen unter anderem Vertreter der türkischen Parteien über den Ablauf der Wahl. Einblick in den Ablauf dürfen Pressevertreter nicht nehmen.

Mit Start des Urnenganges müssen sie hinter dem Einlass bleiben, wo die Wähler eine Sicherheitskontrolle samt Metalldetektor wie am Flughafen passieren müssen. Immer wieder piept es, aber es gibt keine Schlangen.

dpa

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