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PROBLEMFALL: Am Raschplatz soll im Oktober der Trinkraum öffnen – im Gebäude der Spielbank.

PROBLEMFALL: Am Raschplatz soll im Oktober der Trinkraum öffnen – im Gebäude der Spielbank.
 © von Ditfurth

Versuch am Raschplatz

Hannover: Trinkraum öffnet im Oktober

Neuer Versuch, die Trinkerszene am Raschplatz in den Griff zu kriegen. Schon im Oktober soll ein Trinkraum eröffnen, befristet zunächst auf ein Jahr.

Hannover.  Die Stadt geht ein Wagnis ein. Am 6. Oktober will sie in Zusammenarbeit mit der Diakonie am Raschplatz einen Trinkraum eröffnen. Ähnliche Projekte gibt es in Berlin, Hamburg, Dortmund, Kiel und Kassel. „Mangels Akzeptanz“ werden die Hessen ihren Versuch allerdings zum Jahresende einstellen.

In Hannover dürfte der zunächst auf ein Jahr befristete Versuch gar nicht erst losgehen, finden die Rechtspopulisten der AfD. Ihr Ratsherr Roland Herrmann schimpfte über „subventionierten Suff“ und die Projektkosten – immerhin 515 000 Euro.

OB Stefan Schostok, früher mal Sozialpädagoge, konterte. “Lassen Sie uns das ein Jahr lang erproben. Allein mit pädagogischen oder ordnungsrechtlichen Maßnahmen kommen wir am Raschplatz nicht klar.“ Die Trinkerszene brauche ein „zielgruppengerechtes Angebot“, und das könne ihr die Diakonie bieten.

Der Trinkraum im Gebäude der Spielbank wird von 11 bis 19 Uhr geöffnet sein. Sechs Mitarbeiter (drei Männer, drei Frauen) betreuen die Besucher. Sie bringen Erfahrung mit in der Suchtberatung und der Hilfe für Wohnungslose, sprechen Polnisch, Russisch und Englisch.

Erlaubt ist das Mitbringen und Konsumieren von leichten alkoholischen Getränken, also Wein und Bier. Herrmann befürchtet, dass es nicht dabei bleibt, sondern viele „den Flachmann auf der Toilette kippen“.

Mit diesen Bedenken war die AfD Außenseiterin in der gemeinsamen Sitzung zweier Ausschüsse. CDU-Fraktionschef Jens Seidel ist allerdings wegen des Projekt-Aus in Kassel skeptisch. Es gebe §deutliche Unterschiede“, versicherte Finanzdezernent Axel von der Ohe. Die Kasseler setzten in Zukunft auf mehr Sozialarbeit, hier werde sie gleich zum Angebot gehören. „Blasmusik zu spielen, um die Leute zu vertreiben, ist die schlechteste Lösung“, fand FDP-Mann Wilfried Engelke. Der Versuch Trinkraum sei es wert; man müsse die „typisch hannöversche Meckerkultur“ mal aufgeben.

Noch sind die Finanzmittel nicht freigeben. Die Linke haben Beratungsbedarf – wie beim Konzept „Sicherheit und Ordnung“, dessen Bestandteil der Trinkraum ist. Fraktionschef Dirk Machentanz will darüber erst nach der Landtagswahl entscheiden, damit die Diskussion „nicht im Wahlkampfgetöse untergeht“.

Geplant ist eine Art City-Polizei mit fast 50 Mitarbeitern sowie schärfere regeln für Bettler und Straßenmusikanten. Über den Trinkraum wird der Rat am 28. September entscheiden.

Von Vera König


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