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Meine Stadt Hannover: Tipico trickst Stadt offenbar aus
Hannover Meine Stadt Hannover: Tipico trickst Stadt offenbar aus
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09:00 05.01.2019
AUSGETRICKST? Das neue Wettbüro von Tipico ist im Obergeschoss, darunter nur eine Wettannahme. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Im Steintor-Umfeld gibt es ein neues Wettbüro. Mit der Tipico-Filiale in einem ehemaligen Schuhgeschäft an der Ecke Kurt-Schumacher-Straße/Nordmannpassage hat ein drittes Zockerlokal im Umkreis von nicht einmal hundert Metern aufgemacht. Ein paar Häuser weiter gibt es mit Bet 3000 und gegenüber mit Sportwetten Albers bereits zwei Unternehmen dieser Branche.

Eine derartige Konzentration hatten Stadt und Politik eigentlich verhindern wollen. Bereits vor zwei Jahren hatte der Rat mit einer Änderung des Bebauungsplans die Ansiedlung eines Wettbüros auf der anderen Straßenseite stoppen können. Laut dem damaligen Aufstellungsbeschluss sind weitere Spielhallen und Wettbüros dort nicht möglich, jedenfalls nicht im Erdgeschoss.

Das lässt Spielraum, den Tipico trickreich ausgenutzt hat. Das Unternehmen hat gleich zwei Etagen gemietet. Das eigentliche Wettbüro ist im Obergeschoss, im Erdgeschoss befindet sich nur eine Wettannahmestelle mit Kiosk. Die könne man genauso wenig verbieten, wie eine Lotto-Annahmestelle, erklärte Stadtsprecherin Konstanze Kalmus auf Anfrage der NP.

„Der erste Eindruck ist irreführend.“

Der Unterschied: Anders als ein Wettbüro biete eine Annahmestelle keine Aufenthaltsmöglichkeiten und keinen Getränkeausschank. Auch dürfe es dort keine Monitore geben.

„Der erste Eindruck vor Ort ist insofern irreführend, da durch die Werbeaufschriften in den Fenstern im Erd- wie auch im Obergeschoss die gleichen Farben und Aufschriften verwendet werden“, räumte Kalmus ein. Außerdem sei neben der Annahmestelle eine Gaststätte geplant, die offensichtlich die gleichen Farb- und Schriftzeichen verwende. „Die Stadt wird die weitere Entwicklung vor Ort im Auge behalten“, betonte die Sprecherin.

Das „Bet 3000“. Quelle: Nancy Heusel

Auch in der Politik ist man verwundert. Felix Semper etwa, der baupolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Rat, hat erst durch die NP von dem neuen Wettbüro erfahren, mit dem die bisherigen Bemühungen im Kampf gegen die Wett- und Spielhallenflut eigentlich konterkariert würden. „Die Stadt sollte eingehend prüfen, ob es sich nicht doch um ein einheitliches Wettbüro handelt“, sagte er. „Wenn die Etagen mit einer Treppe verbunden sind, ist das für mich eine Einheit.“ Dann könnte die Stadt vielleicht die Nutzung untersagen. „Wir werden das im nächsten Bauausschuss thematisieren“, kündigte er an.

Politiker protestieren gegen die Ansiedlung

Philipp Kreisz von der SPD findet es „höchst ärgerlich, dass diese mehr als dubiosen Anbieter jede Lücke ausnutzen, die sie finden können.“ Er erwarte nun von der Verwaltung, zu berichten, ob und wie diese Lücke zu schließen sei. „Die Frage ist, ob man die Bebauungspläne auch dahingehend ändern kann, dass Wettbüros auch in Obergeschossen ausgeschlossen werden.“

Das Albers-Wettbüro. Quelle: Nancy Heusel

Wilfried Engelke von der FDP sieht durch die Ansiedlung den Charakter der Einkaufsstraße gefährdet. „Wenn solche Büros überhandnehmen, kommt als Nächstes ein Ein-Euro-Shop. Dann wird die Einkaufsmeile allmählich platt gemacht“, befürchtet er. Er war auch überrascht, von dem Ansiedlungsplan zuvor nichts gehört zu haben. Möglicherweise sei das Büro vom Ordnungsdezernat genehmigt worden, ohne den Bauausschuss zu beteiligen.

Auch die Grünen sehen die Ansiedlung mit „großer Sorge“, so Ratsherr Daniel Gardemin. „Tipico ist gerade bei jungen Menschen sehr erfolgreich.“ Die Gefahr, sich zu verschulden, sei groß. Wegen Änderungen der Bauordnungen hätten es Wettbüros immer schwerer, irgendwo Fuß zu fassen. „Das ist auch so beabsichtigt“, betonte Gardemin. „Wir werden jetzt von der Stadt verlangen, uns die rechtliche Prüfung dieser Genehmigung vorzulegen. Wo ist der Fehler, den Tipico ausnutzen konnte?“ Die Grünen würden da nachhaken.

Von Andreas Krasselt

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