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Gericht

Hannover: Tierärztin verklagt Chirurgen

Er ist ein erfahrener Neurochirurg. Und er hat bei der Operation von Martina Weiß (34, Name geändert) keinen Fehler gemacht. Dennoch verklagt die Tierärztin den Arzt. Und der Mediziner versteht die Welt nicht mehr.

Hannover. Am 24. Februar 2009 wurde die damalige Studentin wegen eines Akustikusneurinoms operiert. Das ist ein gutartiger Tumor des Hörnervs, der sehr langsam wächst. Der Eingriff verlief gut. Alle Gehirnnerven blieben unverletzt. Die Frau leidet aber seitdem auf dem rechten Ohr unter Taubheit. „Diese Nebenwirkung haben sie mir genannt, deshalb klage ich nicht“, sagte die Patientin am Donnerstag im Landgericht.

Sie fühlt sich aber von dem Arzt nicht richtig über andere Behandlungsmethoden aufgeklärt. So wäre zum Beispiel eine Bestrahlung in Frage gekommen. Dazu der Neurochirurg: „Ich hätte einer 26-Jährigen niemals eine Bestrahlung empfohlen.“ Die Nebenwirkungen könnten eine Gesichtslähmung, Taubheit oder sogar Krebs sein. Außerdem könne eine Bestrahlung allenfalls das Wachstum des gutartigen Tumors verlangsamen, ihn aber nicht heilen. Die einzige Heilungsmöglichkeit könne nur eine Operation bedeuten.

Nach der Anhörung eines Gutachters meinte die Tierärztin: „Ich hätte mich nicht für eine Bestrahlung entschieden.“ Aber sie hätte den Eingriff aufgeschoben, bis sie das Studium beendet hätte. Sie fühlte sich von dem Chirurgen zu dem Eingriff gedrängt. Nach der Operation habe sie unter Depressionen und Gleichgewichtsstörungen gelitten. An eine Fortsetzung des Studiums in Mailand (Italien) sei nicht mehr zu denken gewesen. Sie musste sich in Deutschland um einen Studienplatz bemühen. Sie habe das Examen erst viel später machen können. Sie fordert 40 000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz (zum Beispiel für Studiengebühren).

Der Arzt hält entgegen: „Ich habe solche Operationen schon oft gemacht. Ich nehme mir viel Zeit für die Patienten.“ Die junge Frau habe einen Tag vor dem Eingriff eine Erklärung unterschrieben. Darin steht, dass sie umfassend über Nebenwirkungen und andere Behandlungsmethoden aufgeklärt worden sei. Der Arzt hatte der Patientin erklärt, dass ohne Operation in den kommenden Monaten mit Hörverlust und Schwindel zu rechnen sei.
Selbstbewusst meint er: „Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“

von Thomas Nagel


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