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Justiz

Hannover: TiHo bildet Robbenjäger aus

Die niedlichen Meeressäuger sind ein Wahrzeichen des Wattenmeeres: verwaiste Heuler werden in Auffangstationen aufgepäppelt. Tierschützer fordern mehr Transparenz beim schleswig-holsteinischen Seehundschutz und haben deshalb Klage eingereicht.

Hannover. Weil sie die Seehundpolitik in Schleswig-Holstein für tierschutzwidrig halten, sind die Betreiber des Robbenzentrums Föhr vor Gericht gezogen. Streitpunkt sind die sogenannten Seehundjäger. Diese vom Land berufenen Jagdaufseher kontrollieren Strandabschnitte, kümmern sich um verwaiste Heuler, töten aber auch Tiere, denen aus ihrer Sicht nicht mehr zu helfen ist.

Robbenschützerin Janine Bahr erfuhr vom Umweltministerium in Kiel, dass die Seehundjäger von der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Tiho) speziell geschult werden. Auf Grundlage des Umweltinformationsgesetzes wollten die Tierärztin und ihr Mann Andrè van Gemmert von der Hochschule wissen, wann und in welchem Umfang die Jäger geschult werden. Diese Auskunft verweigerte die Tiho zunächst.

Das Paar reichte deshalb Klage beim Verwaltungsgericht Hannover ein. Nach einer mehr als zweistündigen Verhandlung am Mittwoch lenkte die Hochschule ein. Die Tiho will dem Robbenzentrum jetzt doch Auskunft über die Schulungen erteilen. Zuvor hatte der Vorsitzende Richter Ingo Behrens deutlich gemacht, dass die von der Klägerin begehrten Auskünfte durchaus unter das Umweltinformationsgesetz fallen (Az. 4 A 12473/14).

Für die Robbenschützer geht der Kampf weiter. "Es kann nicht sein, dass Laien ein Tier bewerten und über Leben und Tod entscheiden", sagte Bahr. "Uns geht es um das Wohl der Tiere." Ein Jäger könne ein Krankheitsbild nicht beurteilen. Das Land Schleswig-Holstein schätzt die Seehundjäger anders ein.

In einer Broschüre des Nationalparks Wattenmeer heißt es: "Sie beherrschen den Umgang mit den recht bissigen Tieren und können aufgrund ihrer großen Erfahrung die richtigen Entscheidungen treffen." Dies zeigten auch die Untersuchungen von Tieren, die getötet werden mussten, durch unabhängige Experten der Tiho. An Niedersachsens Nordseeküste zwischen der niederländischen Grenze und der Elbmündung gibt es dagegen keine Seehundjäger. Die 108 Ehrenamtlichen, die sich um verwaiste und verwundete Tiere kümmern, heißen Wattenjagdaufseher.

Nach Auskunft des Umweltministeriums in Hannover gibt es rund 350 Einsätze pro Jahr. Alle gefundenen Heuler werden demnach in die Seehundstation Norden-Norddeich gebracht, wo entschieden wird, welche Tiere eingeschläfert werden müssen. Seehunde werden in Deutschland seit 1974 nicht mehr bejagt, sondern unterliegen einer ganzjährigen Schonzeit. Ihr Bestand gilt als stabil. Im vergangenen Sommer zählten Experten im dänischen, deutschen und niederländischen Wattenmeer 26 435 Seehunde, minimal weniger als im Vorjahr. dpa


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