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Meine Stadt Hannover: Studenten suchen neues Zuhause
Hannover Meine Stadt Hannover: Studenten suchen neues Zuhause
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00:17 05.10.2015
Norman (23) zieht ins neue „The Fizz“, Großvater Herbert Pohl ist behilflich. Foto: Petrow
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Hannover

Am Ende war es die Resignation, die Berit ins Studentenwohnheim brachte. Die 18-Jährige aus der Nähe von Cuxhaven hatte schon länger Hannover als Traumstudienort auserkoren – „ich finde die Stadt einfach schön“. Der Traum von einer eigenen kleinen Wohnung oder einer WG zerplatzte aber schnell.

„Ich habe nichts gefunden“, sagt sie. Ihre Mutter Gunda Schulz wird deutlicher. Man habe ja Wohnungen besichtigt: „Wir waren in einer, die man nur als Drecksloch bezeichnen kann.“ Die Miete war aber nicht entsprechend, im Gegenteil: „Ich nehme an, dass da Leute mit der Not der Studenten gutes Geld machen wollen.“ Nun wohnt Berit erst einmal in „The Fizz“ am Kläperberg (Nordstadt), einem neuen, gestern erstmals von Studenten bezogenen Wohnheim (siehe Kasten rechts).

Nicht alle haben so viel Glück. Dilan T. schrieb eine Nachricht per Facebook an die NP: „Wenn Sie eine Nachricht brauchen, kann ich Ihnen etwas über die Stadt erzählen.“ Die Frau aus Duisburg beschwert sich über die Wohnsituation – und dass die Universität nicht helfen könne: „Jetzt stehe ich hier in Hannover mit meinem kleinen Koffer vor dem Studentenwerk. Hallo, ich bin obdachlos.“
Dilan T. war nicht noch einmal zu erreichen – vielleicht hatte sie genauso viel Glück wie Alexander Tack (21). Der junge Mann kommt aus Belgien und studiert ebenfalls ab diesem Semester in Hannover. Seine Suche nach einer Wohnung erschien ihm ebenfalls hoffnungslos, so sehr, dass er sich entschied, auf der Straße Passanten anzusprechen: „Ich brauche ja nun einmal dringend einen Unterkunft.“ Tatsächlich hatte er Glück: „Mittwochabend hatte ich eine Zusage.“ Allerdings auch nur, weil er eine hilfsbereite Frau kennengelernt hatte, die ihm einen Kontakt vermittelte: „Ich habe eine Wohnung bekommen, die noch nicht öffentlich angeboten wurde.“

Es ist ein Glücksspiel, das wird immer wieder deutlich. Auch Norman (23) hat ein Zimmer gefunden – im neuen Wohnheim. Gestern trug er mit seinem Opa zusammen Koffer und Umzugskisten in „The Fizz“. „Günstig ist es nicht“, sagt er, 560 Euro zahlt er für sein möbliertes Zimmer. Für den Preis gibt es in der Nordstadt durchaus Zwei-Zimmer-Wohnungen mit Einbauküche und Balkon – die muss man aber finden. Zuerst hatte der Bremer auch Hoffnung auf eine WG-taugliche Wohnung, allerdings war es ihm im Anfangsstress an der Universität zu anstrengend, Mitbewohner zu suchen.

Auch Markus (21) hat vergangenes Jahr lange gesucht, bis er etwas gefunden hatte, er lebt nun in einer Wohngemeinschaft in Linden: „Ich hatte eigentlich nicht vor, mit anderen zusammenzuleben, aber es bleibt mir nicht viel übrig.“ Vernünftige und bezahlbare Wohnungen in guter Lage habe er wochenlang gesucht: „Das war, vorsichtig ausgedrückt, demoralisierend.“ Immerhin: „Inzwischen bin ich glücklich, habe tolle Mitbewohner.“ Sebastian Scherer

Hauch Luxus:
„The Fizz“ hat 
auch Sky

Der Zugang ist noch etwas provisorisch, der Bordstein vor dem neuen, privat geführten Studentenwohnheim „The Fizz“ am Kläperberg noch nicht gepflastert. So begann gestern Morgen auch das Koordinationsspielchen zwischen einziehenden Studenten
(meist begleitet von Eltern) und Baggern und Bauarbeitern (eher ohne Eltern da). Gestern war offiziell Bezugsbeginn für den Neubau – 303 Apartments stehen zur Verfügung, alle waren vor Eröffnung bereits ausgebucht. Das überrascht nicht, mehr als 1700 junge Männer und Frauen stehen auf der Warteliste des Studentenwerkes – Unterkunft dringend gesucht.

Die Apartments in „The Fizz“ sind top ausgestattet, selbst Internet und Sky sind vorhanden, eigentlich muss man in den möblierten Zimmern nur noch Kleidung und Arbeitsmaterial verteilen. Geschenkt gibt es das nicht. Die kleinste Ausführung kostet 405 Euro. Mit Balkon ausgestattete Doppelapartments gibt es für 785 Euro.
Das verantwortliche Unternehmen International Campus nutzt das Geld privater Investoren. 2012 war das erste Heim in Bremen bezugsfertig. Die Firma ist in Ge-
sprächen mit der Stadt, möglicherweise auch für ein mitfinanziertes, günstiger zu bewohnendes Haus.

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