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Meine Stadt Hannover: Straßenambulanz geht das Geld aus
Hannover Meine Stadt Hannover: Straßenambulanz geht das Geld aus
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00:20 24.09.2015
Obdachlose sind meist auf Hilfe angewiesen – das Hilfsnetzwerk kostet.Foto: Stratenschulte
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Hannover

Sie kämpft gegen psychische Störungen, Herzinfarkte, Diabetes und Läuse. Hinzu kommen gewöhnlicher Schnupfen und bald auch wieder Erfrierungen. Die Straßenambulanz der Caritas versucht, medizinische Hilfe in den sozialen Brennpunkten der Stadt zu leisten: In erster Linie Obdachlose, aber auch immer mehr alte Menschen, Arbeitslose und Einwanderer ohne festen Status werden an acht niedrigschwelligen Einsatzstandorten im Stadtgebiet behandelt – kostenlos!

Annelie Heidenreich hilft seit 2006 ehrenamtlich bei dem Projekt mit, sie sagt: „Es kommen immer mehr Menschen.“ In den vergangenen vier Jahren zählte der Caritasverband Hannover 11 265 Behandlungen.
21 Prozent der Behandelten hatten trotz gesetzlicher Pflicht keine Krankenversicherung. Zwischen 2011 und 2014 lag der Anteil der Nicht-Versicherten durchschnittlich noch bei nur neun Prozent. Weil sie auf der Straße leben, zahlten sie keine Beiträge. „Die stetig steigenden Kosten werden zunehmend zum Problem“, meint Caritas-Sprecherin Christiane Kemper.

Tatjana Makarowski, stellvertretende Abteilungsleiterin Soziale Dienste bei der Caritas, sagt: „Wir stehen vor einer Mammutaufgabe. Zu viele Menschen drängen auf den nicht vorhandenen Wohnungsmarkt.“ Somit sei zu erwarten, dass die Situation sich weiter verschärft. Vor allem, weil neben der ursprünglichen Zielgruppe der Straßenambulanz – den Obdachlosen – auch immer mehr andere Bedarfsgruppen das Angebot der Caritas in Anspruch nehmen.

Aus einer Statistik des Zentrums für Qualität und Management für Gesundheitswesen geht hervor, dass 2014 mehr als 30 Prozent der Behandelten 60 Jahre oder älter gewesen sind. Das seien vornehmlich „Rentner, deren Rente unterhalb der Grundsicherung liegt“, so Annelie Heidenreich. Zu ihnen gesellen sich Hartz-IV-Empfänger, die nicht genug Geld haben, um Zuzahlungen zu benötigten Medikamenten zu leisten: „Weil wir das, wenn möglich, übernehmen, kommen diese Menschen zu uns.“

Von den aktuell 90 000 Euro Kosten im Jahr übernimmt die Ricarda-und-Udo-Niederke-Stiftung in diesem Jahr 10 000 Euro, etwa 25 000 Euro kommen von den Krankenkassen. Darüber hinaus ist die Straßenambulanz auf Einzelspenden und Eigenmittel der Caritas angewiesen. Wie lange das Projekt so finanzierbar bleibt, sei unklar. Tobias Welz

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