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Meine Stadt Hannover: Sprengel-Direktor fordert radikalere Ideen
Hannover Meine Stadt Hannover: Sprengel-Direktor fordert radikalere Ideen
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07:46 13.03.2018
Reinhard Spieler sparte am Montag nicht mit Kritik.
Hannover

Die Genossen hatten Reinhard Spieler, den Direktor des Sprengel-Museums, als Impulsgeber für die Diskussionen zur Kulturhauptstadtbewerbung eingeladen. Und der hatte viel Kritik mitgebracht. Es war wohl noch einmal der Versuch, die Politik wachzurütteln. Denn Spieler machte keinen Hehl daraus, dass bisher wenig gut lief in Sachen Kulturhauptstadtbewerbung.

Das Motto „Nachbarschaft“? Findet der Chef des Sprengel-Museums „etwas statisch und bieder“. Er schlug eine Abwandlung vor: „Neue Nachbarschaften“. Das könne mehr für einen Aufbruch stehen. Ohnehin sei der ganze Prozess „spät in Gang gekommen“. Spieler warnte auch: „Wenn die Verwaltung den Hut aufhat, wird das nichts“. Dort würden „keine Inhalte produziert“.

Er hält es für einen Fehler, dass der Prozess „bisher fast ausschließlich von Politik und Verwaltung“ gedacht worden sei, und fordert stattdessen einen kreativen, prominenten Kopf, der in Sa­chen Bewerbung vorangehen und um den sich dann ein kreatives Team von lokalen Kulturschaffenden versammeln soll. Eine „Autorität“, vom Kaliber eines Chris Dercon, dem neuen Intendanten der Berliner Volksbühne, oder eines Neil MacGregor, der das wiederaufgebaute Berliner Stadtschloss mit Leben füllen soll.

Spieler forderte auch mehr Respekt für die Kultur in der Stadt. Er hält es zum Beispiel für ein fatales Zeichen, dass sein Finanzdirektor im Sprengel-Museum ersatzlos für das Kulturhauptstadtbüro abgezogen worden sei. Sein Einkaufsetat für neue Bilder betrug 2016 etwa 50 000 Euro. Ausgerechnet als es 2017 losgehen sollte mit der Kulturhauptstadtbewerbung wurde er komplett zusammengestrichen. Ein weiterer Kritikpunkt Spielers: Es gebe nicht einmal Hinweisschilder zu den Museen in der Stadt, wenn man Hannovers Hauptbahnhof verlasse. Der Direktor forderte auch, „radikaler zu denken“ und große Projekte zu wagen. Zum Beispiel am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer den Verkehr herauszunehmen und am Maschsee Kultur und gastronomische Angebote auszubauen. Je unabhängiger gedacht werden dürfe, desto mehr werde auch dabei herauskommen, so Spieler.

Oberbürgermeister Stefan Schostok war anschließend dran. Er warnte davor, „schwierige, quengelige Diskussionen zu führen“. Schostok will nun erst einmal einen groß angelegten Beteiligungsprozess starten. Tausende Ideen sammeln, um daraus vielleicht die eine große zu finden. „Es ist entscheidend, dass die Bürger mitgehen“, sagte der Oberbürgermeister. Man dürfe „nicht nur auf Ideen von High-Performern“ setzen.

von Christian Bohnenkamp

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