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Medizinische Hochschule Hannover

Hannover: So verteilt die MHH die Pharma-Gelder

Jetzt hat auch die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) die NP-Anfrage zu den millionenschweren Pharmazahlungen an Ärzte und Kliniken beantwortet und berichtet, was mit dem Geld passiert. Immerhin sind an die MHH selbst mindestens 370 900 Euro geflossen.

Hannover. Dabei hat die NP geholfen, einen Fehler aufzudecken: Die Datenbank Corrective (Rechercheverbund, hat die Summen zusammengetragen und für jedermann eine einfache Suche eingerichtet) wies für die MHH als solche mehr als 870 000 Euro im Jahr 2015 empfangene Pharma-Gelder aus – darunter sollten allein 500 000 Euro des Unternehmens Actelion Pharmaceuticals sein. Die MHH konnte das nicht erklären, sie hatte nur „knapp 18 000 Euro“ verbucht, doch mit Hilfe der NP stellte sich heraus: Die Summe hat das Schweizer Pharmaunternehmen auf seiner Internetseite angegeben – sie rührt allerdings aus Zahlungen für eine im Jahr 2009 geschaffene Stiftungsprofessur für „Versorgungsforschung Pulmonale Hypertonie“ (Bluthochdruck im Lungenkreislauf) an der MHH.

Sprecherin Simone Corpus: „Zuwendungsempfänger ist die Förderstiftung MHH plus, nicht die MHH; das erklärt, warum es bei uns nicht auftaucht“. An anderer Stelle taucht die Stiftung in der Datenbank mit gespendeten 100 000 Euro auf – korrekt unter derselben Adresse wie die MHH und bedacht von Novo Nordisk und Basalta mit je 50 000 Euro.

Das Adressprinzip gilt übrigens für viele weitere Empfänger, so dass an die „Carl-Neuberg-Str. 1“ insgesamt 1,633 Millionen Euro als Pharmazuwendung aufgeführt sind. Spitzenreiter unter den vielen bedachten Einzelpersonen ist Matthias Oelke (Oberarzt Urologie) mit mehr als 55 000 Euro, gefolgt von Karen Olsson (Ärztin der Pneumologie-Ambulanz), Matthias Stoll (Leitender Oberarzt Immunologie) und Georg Behrens (ebenfalls Professor an der Klinik für Immunologie) mit je um 25 000 Euro.

Die Einnahmen aus der Pharma-Industrie sollen laut MHH-Sprecherin Simone Corpus Raummieten, Honorar und Reisekosten für Redner decken, gegebenenfalls auch Bewirtungskosten und „Kosten für Flyer und andere Werbemaßnahmen“. Standardgegenleistung für die geflossenen Zahlungen seien „Informationsstände, Banner und Roll-ups“, „eigene Vorträge und Filme oder Video-Vorführungen nicht“.

Bevor die MHH Geld aus Spenden und Sponsoring annehme, werde geprüft: „Diese Verträge werden von der Drittmittelverwaltung und der Rechtsabteilung der MHH in Hinblick auf ein angemessenes Verhältnis von Leistung und Gegenleistung unter Berücksichtigung der niedersächsischen Antikorrup-
tionsrichtlinie geprüft und dann entweder freigegeben oder abgelehnt.“

Klinische Studien würden ohnehin grundsätzlich von einer Bundesbehörde genehmigt (oder eben nicht), zudem würde das Ansinnen von „einer unabhängigen Ethikkommission bezüglich Nutzen und Risiken im Sinne der Patientensicherheit bewertet. Innerhalb der MHH prüfen sowohl Rechts- als auch Drittmittelabteilung die Verträge und die Finanzierung eines Studienprojektes“.

Beispiele für Finanziertes: 5847,50 Euro gab Actelion für eine klinische Langzeitstudie, 2975 Euro für „Werbung, Catering, Mietkosten“ anteilig an vier Veranstaltungen zum Thema Lungenhochdruck. Bayer gab 20 230 Euro für Honorare, Reisekosten und Catering für einen „MRT-Arbeitskreis“. Baxter half mit 4165 Euro bei Werbekosten, Hörsaalmiete und Hotelkosten für ein Seminar zur Nephrologie.


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