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VONEINANDER LERNEN: Bald könnten Prothesen vernetzt sein, sich so austauschen – und schneller besser funktionieren. Sami Haddadin forscht auch daran.

VONEINANDER LERNEN: Bald könnten Prothesen vernetzt sein, sich so austauschen – und schneller besser funktionieren. Sami Haddadin forscht auch daran. © Nancy Heusel

Fakultäten-Serie

Hannover: So macht die Universität Hannover Prothesen intelligenter und nützlicher

Wer bei Robotern an Star Wars denkt, kann an der Universität Hannover noch einiges lernen. Etwa über Prothesen, die miteinander vernetzt sind und so schneller lernen, was für den Benutzer wichtig ist. Professor Sami Haddadin erklärt, wie das funktioniert.

Hannover. Mehr als 28 000 Studenten, 326 Professoren und neun Fakultäten – Hannover ist Universitätsstadt. In einer Serie stellt NP-Redakteur Sebastian Scherer verschiedene Institute vor. Und lässt die Professoren erklären, wie ihre Forschung die Welt ein Stückchen besser machen soll. In Folge 1 besucht Sebastian Scherer die Fakultät für Elektrotechnik und Informatik.

Die Mission startet im Jahr 2001. Die Discovery One ist gebaut, ein Raumschiff. Offizielle Aufgabe: Auf dem Jupiter wissenschaftliche Forschung betreiben. Nur ein hochintelligenter – gar fehlerloser! – Computer kennt die wahren Motive.

Der Film 2001 aus dem Jahr 1968 ist eine Zukunftsvision Stanley Kubricks – für eine Zeit, die inzwischen auch schon wieder 16 Jahr zurückliegt. „Und man muss dann doch sagen: Das meiste, was an technischem Fortschritt für diese Zeit erdacht worden ist, haben wir noch nicht erreicht“, sagt Sami Haddadin. Der 36-Jährige ist Professor an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik, Schwerpunkt Robotik – er ist weltweit angesehen, an seiner Bürowand hängen viele Auszeichnungen und Würdigungen. „Auf anderen Gebieten dagegen sind wir sogar schon viel weiter als in dem Film. Bei der Vernetzung und Digitalisierung zum Beispiel. Es war nicht abzusehen, mit welcher Dynamik sich diese Technologie entwickelt.“

Die Vernetzung hilft auch Haddadin entscheidend weiter auf dem Weg, die Technik voranzutreiben. Denn einer seiner Schwerpunkte ist die Prothetik, er arbeitet daran, immer intelligentere und damit auch einfacher zu nutzende Prothesen zu entwerfen und zu realisieren. „Die Marktreife ist noch nicht in greifbarer Nähe, es ist noch viel Grundlagenforschung notwendig.“ Das Ziel ist aber gesetzt.

„Mit existierenden Prothesen ist die Eingewöhnungszeit in der Regel lang. Eine neue vernetzte, feinfühlige und einfach zu bedienende Generation von Prothesen wird es möglich machen, dass die Systeme sogar voneinander lernen können.“ Das bedeutet im Grunde, dass jemand, der eine künstliche Hand bekäme, den Vorteil hätte, dass diese von vielen anderen bereits gelernt hätte, wie sie mit dem menschlichen Körper und seinen Bedürfnissen harmoniert. So wären die Grundfertigkeiten der Prothese von Beginn an vorhanden, womit die Eingewöhnungszeit minimal wäre. Danach würde die Prothese sich dann weiter an ihren Träger anpassen und somit automatisch weiter verbessern.

Eine lange Zeit waren Prothesen mechanisch geprägt, inzwischen wird in der Industrie („Die Firmen sind da naturgemäß eher konservativ, da sie dem Träger natürlich auch absolute Zuverlässigkeit garantieren müssen“) verstärkt auf die Robotik geschaut. „Es ist auch eine Forschung, die darum bemüht ist, den Menschen vollständig zu verstehen.“ Um wirklich gute Prothesen zu bauen, müsse man begreifen, wie Muskeln durch die entsprechenden Nerven angesteuert werden, also im Grunde erforschen wie und warum der Mensch sich bewegt. Wildern in fremden Gebieten? „Wir wollen nicht andere Themen lösen, wir entwickeln die methodischen Werkzeuge, um biologische Systeme besser zu verstehen, so dass wiederum bessere Prothesen und Roboter entwicket werden können.“ Etwas, das Medizinern und Neurowissenschaftlern genauso hilft wie Biochmechanikern.

Gleichzeitig ist die Robotik eine Disziplin, die sich mit vielen Erleichterungen des Lebens beschäftigt. „Wir sind noch sehr weit entfernt von voll autonomen Robotern, die alles können“ - die Science-Fiction-Fantasie eines C-3PO in „Star Wars“, ist weiterhin genau das: Fantasie. „Wir können aber sehr wohl Systeme erschaffen, die bestimmte Aufgaben übernehmen, das geschieht auch schon.“ Beispiel: Ein Roboter könnte ein Avatar, so etwas wie ein Stellvertreter, sein. Jemand sitzt weit entfernt von einem gefährlichen Gebiet und macht dem Roboter vor Ort das vor, was er zu tun hat. „Wenn wir den Mars erkunden wollen, den Mariannengraben oder strahlenbelastete Gebiete wie um das Atomkraftwerk Fukushima, brauchen wir solche Systeme.“

Die Frage, ob sich der Mensch so aus Teilen der Arbeitswelt abschafft, ist für Haddadin auch Thema. „Ich kann aber nichts gutes daran sehen, wenn eine Krankenschwester, die 50 Kilo wiegt, einen 100-Kilo-Patienten umherwuchten muss. Oder wenn Zehnjährige Sachen zusammenbauen, damit wir sie hier kaufen können.“ Natürlich ermögliche entsprechende Technik auch fragwürdige Einsätze: „Die Technologie wird von den Menschen genutzt. Die Antwort ist also der Mensch. Die Technik nur dafür, dass sie existiert, zu verurteilen, ist zu einfach.“

Von Sebastian Scherer

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