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FEUERPROBE: Mit einer  realistischen Feuerwerks- Simulation soll den jungen  Hunden die Angst genommen  werden.

FEUERPROBE: Mit einer realistischen Feuerwerks- Simulation soll den jungen Hunden die Angst genommen werden.© Fotos: Wilde

Anti-Angst-Training

Hannover: So bereiten sich Hunde auf die Silvesternacht vor

Für viele Hunde sind die Stunden in der Silvesternacht die schlimmsten im ganzen Jahr. Denn die Böllerei versetzt viele Vierbeiner in Panik. Hundehalter können dagegen aber etwas tun: Für Welpen gibt es nun ein Anti-Angst-Training auf dem Hundeplatz am Sahlkamp.

Hannover.  60 Welpen wuseln wild über die Wiese. Sie tollen umher und spielen miteinander. Es ist Hundetraining im Sahlkamp. Aber kein Gewöhnliches, sondern ein Silvestertraining.

„Die Hunde sollen lernen, dass Silvesterknaller nicht schlimm sind“, erklärt Hundetrainer Detlef Busse vom Hundesportverein PHV Hannover. Der 61-Jährige weiß, wie man Tieren die Angst nimmt. Vor seinem Ruhestand war er 45 Jahre Trainer im Zoo Hannover. „Jedes Tier hat vor etwas Angst“, weiß er. Wichtig sei es, einen guten Grundstein zu legen. Das versuchen die Trainer an diesem Sonntag auf dem Platz am Sahlkamp. Daher sind alle Hunde unter 13 Monaten – sie sollen noch keine schlechten Erfahrungen mit Knallern gemacht haben.

Aber eigentlich sind gar nicht die Hunde das Problem, sondern die Menschen: „Welpen verlassen sich auf ihre Besitzer. Oft reagieren die auf laute Knaller aber unkontrolliert, das löst beim Tier Panik aus“, weiß Busse. Auf der Wiese, die rund 250 Meter von der Hundeschule entfernt ist, sollen Herrchen, Frauchen und Welpe lernen, dass man sich vor Knallern nicht fürchten muss. Wie das geht? Am besten beim Spielen.

Charlotte (13) und ihre Mutter Kerstin Drescher (48) toben mit Welpe Ivy über die Wiese. Der Mischlingshund aus Spanien lässt sich von den Knallern im Hintergrund nicht mal ansatzweise aus der Ruhe bringen. „Unser erster Hund, der normal ist“, scherzt Kerstin Drescher. Die Hundemutter hat Erfahrung, der Welpe ist inzwischen der fünfte Hund der Familie. Ivys Vorgänger wollten die Knaller entweder fangen oder haben sich vor Angst komplett zurückgezogen. Dagegen hat die junge Hündin den Dreh raus. Mit Leckerlies und Kommandos wird sie von der Aufregung abgelenkt – das klappt. Charlotte ist mächtig stolz auf den Welpen, der schon viel hinter sich hat. „Sie wurde mit der Nabelschnur um den Hals im Müll entsorgt“, sagt die 13-Jährige.

Training hilft Welpen

Jedes Tier auf dem Platz hat seine eigene Geschichte. Das zeigt sich auch im Verhalten der Hunde. „Manche sind ängstlich, legen die Ohren an und zittern, andere sind sehr offensiv“, erklärt Busse. Damit sich alle Hunde wohl fühlen, beobachten die 14 Hundetrainer auf dem Platz genau, wie sich die Tiere verhalten. Wer Panik hat, wird sofort vom Experten bespaßt. „Das Erlebnis soll ja nicht traumatisch werden.“

Für die Deutsche Dogge Dionysos ist das Training alles andere als traumatisch. Der Welpe springt wild umher und macht den kleineren Hunden dabei schon mal Angst. Immerhin hat Dionysos schon mit neun Monaten eine stattliche Größe: Seiner Besitzerin Hayet Richi (33) geht er mit dem Kopf fast bis zur Brust. Da reichen auch keine Hundedecken mehr – der Rüde braucht eine für Pferde. Richi ist begeistert vom Training: „Dionysos hat das gut gemeistert.“ Während sie spricht, weicht ihr der Welpe nicht von der Seite – für den Wachhund ist es das Wichtigste, sein Frauchen zu beschützen.

„Das Training hilft Welpen besonders, am ersten Silvesterabend ihres Lebens mit den unerwarteten Geräuschen umzugehen“, sagt Tiertrainer Busse. Eine Garantie, dass der Hund niemals Angst vor Knallern bekommt, sei es nicht. An diesem Sonntag stehen aber zumindest die Chancen gut – alle Welpen reagieren vorbildlich auf die gezündeten Knaller. Am Ende des Trainings bleibt nur eines explosiv: Die vielen Hundehaufen auf der Wiese.

Tipps von der Expertin: Was tun, wenn der Hund sich fürchtet?

Nicht alle Hunde können mit dem Silvester-Lärm umgehen. Viele reagieren ängstlich. Doch wie verhält man sich, wenn der tierische Freund panisch wird? Hundetrainerin Tanja Schütte weiß Rat.

„Wer mit seinem Hund an Silvester spazieren geht, sollte darauf achten, den Hund nicht ohne Leine laufen zu lassen“ sagt Schütte. Viel zu groß sei die Gefahr, dass sich das Tier durch plötzlichen Lärm erschreckt. Das kann aber auch an der Leine passieren. Umso wichtiger ist es, „Halsband und Geschirr vor dem Spaziergang genau zu kontrollieren“.

Auch, wenn der Hund sich in den eigenen vier Wänden fürchtet, kann man ihm helfen: „Radio und Fernseher können die Geräusche der Feuerwerke übertönen. Wichtig ist dabei nur, dass man nicht zufällig ein Programm einschaltet, das Feuerwerke überträgt.“ Gegen die bunten Lichter helfe das Abdunkeln der Räume.

Wichtig sei es, den Hund abzulenken. Am besten funktioniere das mit Leckerlis und Spielchen. „Wenn der Vierbeiner denken muss, hat er keine Zeit, Angst zu bekommen“, weiß die Trainerin.

Auch das Verhalten des Besitzers spielt eine entscheidende Rolle: Sobald der Halter überrascht reagiere, übertrage sich das Verhalten auf das Tier.

Weiß der Hundehalter im Voraus, dass der Vierbeiner sensibel auf die Knaller reagiert, kann eine Reise eine Option sein: „Es gibt viele Städte in Deutschland, in denen das Knallen verboten ist. Klappt das nicht, kann man aber auch vor Mitternacht die Stadt verlassen und aufs Land fahren.“

Doch bei manchen Hunden helfen all die Tipps der Expertin nicht, für sie kommen nur Beruhigungsmittel in Frage. Doch bei der Verabreichung rät Schütte zur Vorsicht: „Die Medikamente dürfen nur in Absprache mit dem Tierarzt eingesetzt werden.“ Einige Mittel wirken nämlich bloß auf die Muskulatur und seien überhaupt nicht angstlösend.

Von Mandy Sarti


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