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Meine Stadt Schwiegermutter im Grab der Mutter beerdigt: Stadt will Hinterbliebene entschädigen
Hannover Meine Stadt Schwiegermutter im Grab der Mutter beerdigt: Stadt will Hinterbliebene entschädigen
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12:33 13.02.2019
Doris S. ist geschockt: Ihre Schwiegermutter wurde im Grab ihrer Mutter beerdigt. Quelle: Christian Behrens
Hannover

In Gedanken ist Doris S. bei ihrer gerade verstorbenen Stiefmutter, als sie Ende Mai 2018 nach einer Trauerfeier von der Friedhofskapelle zur Grabstelle geht. Ihre Schwiegermutter soll direkt neben den Grabstellen des Schwiegervaters und der Mutter von Doris S. beerdigt werden. Das hat die Badenstedterin schon lange geplant und mit dem Bestattungsunternehmen abgemacht. Sie zahlt seit 1993, dem Jahr, als ihre Mutter verstarb, für ein sogenanntes Wahlgrab für drei Personen.

„Ich war fassungslos“

Doch als das offene Grab in Sichtweite ist, muss die Badenstedterin mit entsetzen feststellen, dass die Gräber verwechselt wurden. „Das ist doch das Grab von Mutti“, entfährt der geschockten 75-Jährigen. Statt die freie Grabstelle, hat die Friedhofsverwaltung das von ihrer Mutter belegte Grab ausgehoben. „Ich war fassungslos“, versucht S. ihre Gefühle wiederzugeben. „Man hat wohl die sterblichen Überreste meiner Mutter ausgehoben und entsorgt“, glaubt sie.

Zu dem emotionalen Schaden kommt noch der finanzielle: Bis heute hat sie für die Nutzung des Familiengrabs mehr als 15 000 Euro gezahlt.

Wie kam es zur Verwechslung? Die städtische Friedhofsverwaltung war offenbar davon ausgegangen, dass es sich bei dem Grab um ein Zweiergrab handelt, einen Fehler hatte die Stadt bereits nach einem NP-Bericht im Oktober eingeräumt. Und auch eine Lösung versprochen. „Ich habe aber nie etwas gehört“, beklagt sich die Badenstedterin. „Offenbar spielt man auf Zeit.“

Nach einer NP-Anfrage meldet sich die Stadt bei Doris S.

Die NP fragte nun bei der Stadt nach – mit Erfolg: Am Dienstag meldete sich eine Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung bei S. Man wolle ein Angebot skizzieren und ihr noch diese Woche zukommen lassen. „Weshalb es in den vergangenen Monaten keinen Kontakt zu Frau S. gegeben hat, können wir leider nicht mehr nachvollziehen“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix.

In einer Sache konnte man die 75-jährige Badenstedterin zudem gleich beruhigen: Wenn die Friedhofsmitarbeiter beim Ausheben einer Grabstelle zufällig auf sterbliche Überreste stoßen, werden diese nicht entsorgt, sondern aufgenommen, erklärt Dix. „Die Grabstelle wird dann etwas tiefer ausgehoben und die Gebeine wieder eingesetzt. Dann wird die Stelle wieder mit Erde auf das übliche Grab-Niveau aufgefüllt.“ Somit befinden sich die Gebeine der Mutter immer noch in der Grabstelle.

Auch beim zuständigen Bestattungsunternehmen fragte die NP nach. Dort ist man sich jedoch keiner Schuld bewusst. Doch auch auf das Unternehmen könnte eine Forderung zukommen. S. hat einen Anwalt eingeschaltet und fordert 2500 Euro Entschädigung für die Beerdigung.

Von Simon Polreich

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