Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: Schüler erinnern an die Bücherverbrennungen 1933
Hannover Meine Stadt Hannover: Schüler erinnern an die Bücherverbrennungen 1933
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 17.05.2018
GEDENKEN: Im Rahmen einer Schweigeminute legten die Schüler und andere Teilnehmer gelbe Rosen am Gedenkstein ab. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
HANNOVER

Bücher bewahren und verbreiten Wissen. Doch gab es Zeiten, in denen dieses Wissen als gefährlich gebrandmarkt wurde. Im wörtlichen Sinne. Vor 85 Jahren inszenierten die Nazis in Deutschland die Bücherverbrennungen – auch in Hannover. Wie jedes Jahr erinnerten Schüler und Vertreter der Stadt am Montag an diesen Akt der Barbarei.

Zum wiederholten Mal waren es Zehntklässler der Tellkampfschule, welche die Gedenkveranstaltung an der Geibelbastion am Maschsee vorbereitet hatten. Ganz in der Nähe der Stelle, an der am 14. Mai 1933 die papierenen Scheiterhaufen loderten. Heute ist sie vom Maschsee überspült. Damals aber bot dort die Bismarcksäule als Denkmal des „eisernen Kanzlers“ für Hitlers Gefolgschaften die passende Kulisse.

Musikalisch startete der Kleine Chor des am Maschsee liegenden Gymnasiums mit der Frage „Was würdest Du tun?“ Eine gute Frage, deren Antwort „ich weiß es nicht“ zumindest ehrlich ist. Dass sich solche Ereignisse jemals wiederholen könnten, glauben die Schüler indes nicht. Auch dafür dienen Veranstaltungen des Erinnerns.

„Die Schüler sind sehr interessiert an dem Thema Nationalsozialismus“, sagt Lehrerin Barbara Schnellbach. „Sie wollen vor allem wissen, was in Hannover passiert ist.“ Und akribisch studierten sie an Hand der Unterlagen, welche die städtische Erinnerungskultur zur Verfügung stellte, den Ablauf der Ereignisse und präsentierten sie den Teilnehmern.

So berichteten sie von dem Fackelmarsch mit 700 Fackelträgern, von der Nazi-Studentenschaft organisiert, von der Hochschule über den Steintor, über Geibelstraße zur Bismarcksäule. Exemplarisch hatten sie sechs Autoren ausgewählt und mit Zitaten gewürdigt, deren Werke damals symbolisch vernichtet wurden: Erich Maria Remarque, Sigmund Freud, Heinrich Mann, Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky.

OB Stefan Schostok nannte in seinem Grußwort einen weiteren: Erich Kästner, der als einziger der geächteten Autoren bei der Verbrennung seiner Bücher in Berlin selbst dabei war. „Eine theatralische Frechheit“, nannte er es. Schostok erinnerte daran, dass die Bücherverbrennungen akribisch vorbereitete Aktionen waren, auch unter Beteiligung der Hochschulen. „Es war der Ausgangspunkt der systematischen Verfolgung der geistigen Elite, die damit mundtot gemacht werden sollte“, sagte er.

Bücher dienten auch zum Ausprägen einer eigenen Meinung, in Nazi-Deutschland höchst unerwünscht. Heute sei das geschriebene Wort in der Gesellschaft sehr präsent, so Schostok. Und Hannover trage etwa in Form von Leseförderprojekten viel dazu bei, dass dies so bleibe. Zum Abschluss der Gedenkveranstaltungen sangen alle gemeinsam „Die Gedanken sind frei.“

Von Andreas Krasselt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Montagnachmittag kam es auf der Linie 5 zu einem Verkehrsunfall mit einer Straßenbahn. Eine Person wurde leicht verletzt. Ein Schienenersatzverkehr ist eingerichtet.

14.05.2018

Wie wird eine Zeitung gemacht? Diese Frage können 24 Schülerinnen und Schüler der Montessorischule nun beantworten. Zum Auftakt des Kinderliteraturfestivals Salto Wortale besuchten sie die NP-Redaktion.

14.05.2018

Die IGS List aus Hannover wurde am Montag beim Deutschen Schulpreis mit dem 2. Preis und 25.000 Euro geehrt. Die Martinschule in Greifswald konnte sich den Hauptpreis mit 100.000 Euro Preisgeld sichern.

14.05.2018
Anzeige