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DER REWE-MARKT: So sah die Fensterfront des Ladens in der Limmerstraße am Dienstag aus.© Christian Elsner

Polizei

Hannover: Scheiben von Rewe in der Limmerstraße eingeworfen

Die Fensterfront der umsatzstarken und erst kürzlich erweiterten Filiale der Supermarktkette wurde auf einer Länge von 50 Metern zerstört. Die Polizei vermutet Gentrifizierungsgegner hinter dem Anschlag. Der Filial-Erweiterung hatte vergangenes Jahr ein Kult-Kiosk weichen müssen.

Hannover.  Großeinsatz für die Glaser: Auf einer Länge von 50 Metern sind die Scheiben des Rewe-Supermarktes an der Limmerstraße eingeworfen worden. Das Glas ist zersplittert, stellenweise sind die Löcher so groß, dass man sich wundern könnte, dass niemand die dahinter stehenden Bier-Packs entwendet hat. Auf einer Tür haben die Täter die klare Botschaft hinterlassen: „Scheiß Laden“.

Die Polizei geht von einer politisch motivierten Tat aus. Offenbar haben in der Nacht zu Dienstag in Linden einmal mehr Gentrifizierungsgegner zugeschlagen. Auf die gleiche Weise, wie sie vor einigen Jahren gegen die Eröffnung der Filiale der Bio-Supermarktkette Denn’s gegenüber protestierten: mit dem Einwerfen der Scheiben. Ob sie sich damit außerhalb ihrer Szene beliebt machen, dürfte fraglich sein. Die Rewe-Filiale ist wohl eine der umsatzstärksten in der Region und täglich von sieben Uhr bis Mitternacht Uhr gut besucht.

Eine Anwohnerin war kurz vor 3 Uhr von Lärm geweckt worden. Sie habe zwei oder drei mit dunklen Kapuzenpullis vermummte Gestalten, vermutlich junge Männer zwischen 20 und 25 Jahre alt, beobachtet und die Polizei alarmiert, so eine Behördensprecherin. Die mutmaßlichen Täter hätten sich dann Richtung Selmastraße abgesetzt. Die Polizei sucht weitere Zeugen.

Der Rewe-Markt ist kürzlich erweitert worden und hatte erst am 1. Februar neu eröffnet. Im Zuge der Erweiterung hatte ein beliebter Kiosk weichen müssen, was erhebliche Proteste im Stadtteil auslöste. Kiosk-Inhaberin Esengül Türk, die den Laden erst fünf Jahr zuvor übernommen hatte, versuchte sich gerichtlich und mit Hilfe von mehr als tausend Solidaritätsunterschriften zu wehren – vergeblich. Die Aufgabe des Geschäfts war für sie der zweite Schicksalsschlag, nachdem ihr erster Kiosk durch einen Brandanschlag zerstört worden war.

In Linden wehrt sich eine aktive Szene gegen die so genannte Gentrifizierung, die Zerstörung preiswerten Wohnraums zu Gunsten teurer Eigentumswohnungen sowie der damit einhergehenden Veränderung der Infrastruktur durch große Luxusgeschäfte und der Zerstörung kleinerer, traditioneller Familienbetriebe. Sprachrohr des Protest ist die „Kampagne Ahoi“, die auf ihrer Internetseite immer wieder zu Aktionen aufruft.

So hatten etwa 50 Aktivisten im Juni 2011 das Gebäude Limmerstraße 98 besetzt, um dessen Abriss zu verhindern. Im November darauf wurde aus dem gleichen Grund das ehemalige Polizeirevier in der Gartenallee besetzt. Im Juni 2015 wurde der Schuhladen Fussstolz auf der Limmerstraße mit Farbbeuteln beworfen, und eben die Denn’s-Filiale zuvor mehrfach mit Steinen.

Von Andreas Krasselt


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