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Meine Stadt Hannover: Römerlagerstreit geht weiter
Hannover Meine Stadt Hannover: Römerlagerstreit geht weiter
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07:40 06.01.2017
VIELE FUNDE: Rund 50 Münzen wurden auf dem Acker bei Hemmingen entdeckt, auf dem vor mehr als 2000 Jahren rund 20 000 römische Soldaten kampierten. Quelle: NANCY HEUSEL
Hannover

Morgen, bei der Einweihung einer weiteren Tafel mit Informationen zum Römerlager, wollen sie den Fachstreit erneut zum Thema machen. Veranstalter sind die Römer AG Leine, der Experten aus unterschiedlichen Bereichen wie Bodenkunde, Chemie, Grafik und Luftbildarchäologie angehören, die Münzkenner von der Numismatischen Gesellschaft Hannover sowie die Bürgerinitiative gegen den Kiesabbau in Wilkenburg.

„Die Untere Denkmalschutzbehörde scheint die Zerstörung dieses Bodendenkmals zu fördern, trotz fachlichen Einspruchs des Landesamtes für Denkmalpflege und mehrerer Universitäten“, kritisiert Robert Lehmann, der am Institut für Anorganische Chemie der Leibniz-Universität die Metallfunde aus dem Römerlager genau untersucht. Für ihn hat dieses zweifelsfrei eine „überragende Bedeutung als größtes römisches Bodendenkmal Niedersachsens“.

Die Region hingegen hatte im Rahmen ihrer Stellungnahme verkündet, dass in Europa bereits hunderte solcher Marschlager gefunden worden seien, auch sei die Zahl der Funde eher „spärlich“ gewesen, hieß es.

Aussagen, über die sich Friedhelm Wulf, Bezirksarchäologe beim Landesamt für Denkmalpflege, wundert. Mehr als 50 Münzen oder Teile davon seien gefunden worden. „Das ist unglaublich viel“, sagt Wulf. Im Falle des bei Hedemünden entdeckten Versorgungslagers seien es deutlich weniger gewesen. Er geht deshalb davon aus, dass die römischen Legionäre das Lager bei Hemmingen nicht nur für ein oder zwei Tage genutzt haben, wie ursprünglich angenommen.

Auch seien die Funde von enormer Bedeutung, weil bisher kein nördlicher gelegenes Lager in Deutschland entdeckt worden sei. „Gerade solche Marschlager sind schwer zu finden und vor allem östlich des Rheins absolut selten“, erklärt Wulf.

Zudem habe das Römerlager „mindestens landesgeschichtliche Bedeutung“. Auch aufgrund der Nähe zur Landeshauptstadt lohne sich der Erhalt als historischer Ort, der Besuchern zugänglich gemacht werden sollte.

Die Hoffnung, dass sich noch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur in den Streit zwischen Region und Landesamt für Denkmalpflege zu Gunsten eines Erhaltes des Lagers einschaltet, hat sich jedoch wohl zerschlagen. „Wir haben diesbezüglich keine Signale“, sagt Archäologe Wulf.

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