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Der Fundort in Hemmingen.

Hemmingen

Hannover: Römerlager umfasste 20.000 Mann

Das bei Hemmingen gefundene alte Römerlager ist größer als vermutet: Mindestens 20.000 campten zwischen Wilkenburg und Arnum, gab das Landesamt für Denkmalpflege am Donnerstag bekannt.

Hemmingen. Das bedeutet, dass zwei Legionen unterwegs gewesen sind - plus Hilfstruppen. Außerdem werden weitere Lager in der Region vermutet. Vermutlich reisten die Römer, die ihr Reich bis zur Elbe ausdehnen wollten, aus logistischen Gründen entlang der Leine.

Niedersachsens Wissenschaftsministerin GabrieleHeinen-Kljajic (Grüne) sieht in der Entdeckung des ersten römischen Marschlagers in Norddeutschland einen "herausragenden Erfolg" der Archäologie. Dieser sei durch den Einsatz moderner Techniken möglich geworden, sagte sie am Donnerstag in Hannover. Archäologen der Universität Osnabrück und des Landesamtes für Denkmalpflege hatten bei Wilkenburg südlich von Hannover unter anderem einen Umfassungsgraben und eine Toranlage in typischer römischer Bauweise nachgewiesen. Der Fund gilt als wissenschaftliche Sensation.

Die Experten vermuteten nach Angaben des Landesdenkmalamtes schon seit langem die Existenz einer ganzen Reihe solche Lager. Ihr Nachweis falle jedoch extrem schwer, da die sehr kurzfristige Nutzung durch die Römer kaum Spuren hinterlassen habe. Ein Luftbild-Archäologe war bereits 1992 bei Beobachtungsflügen auf Grabenstrukturen auf einem Acker bei Wilkenburg aufmerksam geworden, die sich in Form eines besonderen Bewuchses abzeichneten. Er vermutete bereits damals ein "Römerkastell" und fertigte bei mehreren Flügen etwa 180 Aufnahmen an. Scherbenfunde ließen sich jedoch zunächst nicht zweifelsfrei der Römerzeit zuordnen.

In den vergangenen Wochen wurden an der Grabungsstätte mit einem Metalldetektor jedoch Nägel römischer Militärsandalen und Münzen aus Kupfer, Silber und Bronze gefunden, die sich als typisches "Soldatengeld" der Römer deuten ließen. Auch Bruchstücke römischer "Fibeln" zum Schließen eines Gewandes sowie eine offenbar zur Körperpflege bestimmte Pinzette kamen zum Vorschein. Weitere Testgrabungen bestätigten die typische Bauweise römischer Wehrgräben. Das Lager stammt den Angaben zufolge aus der sogenannten "Okkupationszeit" zwischen den Jahren 12 vor Chr. und 9 nach Chr. Es sei angelegt worden, als die Römer versuchten, ihre Präsenz in Germanien zu festigen.

Der Stiefsohn des Kaisers Augustus (63 vor Chr. bis 14 nach Chr.), Drusus, sei damals mit seinen Truppen bis an die Elbe vorgedrungen. Diese Epoche fand mit der Varusschlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 nach Christus ein jähes Ende. Nach den Fundstellen des Nachschublagers von Hedemünden an der Werra bei Göttingen und dem Ort der Varusschlacht bei Kalkriese sei das Lager ein weiteres Puzzleteil aus der Zeit des Mit- und Gegeneinanders von Römern und Germanen im heutigen Niedersachsen, hieß es. Der Fundort bei Hannover passe hervorragend in die Logik der römischen Strategie, da sich hier wichtige Verkehrslinien kreuzten. Das Leinetal sei als Aufmarschlinie der Römer identifiziert worden.

epd/boh


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