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Der Tanker "Marida Marguerite".© dpa

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Hannover

Hannover: Pirat zu jung für die Justiz

Seit mehreren Monaten lebt ein junger Pirat in einem Flüchtlingsheim der Landeshauptstadt - doch strafrechtlich verfolgt werden kann der Beschuldigte nicht. Der somalische Staatsbürger, wegen seiner geringen Größe auch „Buudi Gaab“ („kurze Beine“) genannt, soll vor Somalia eine entscheidende Rolle bei der Entführung des deutschen Tankers „Marida Marguerite“ gespielt haben.

Hannover. Während der knapp achtmonatigen Geiselnahme wurde die Besatzung immer wieder grausam gefoltert, es gab Scheinhinrichtungen. Doch trotz erdrückender Beweislast gegen den Somali darf die zuständige Staatsanwaltschaft Osnabrück den Asylbewerber nicht anklagen.

Hintergrund: Das Alter des Mannes, der laut Staatsanwalt Jörg Schröder „zweifellos einer der Haupttäter ist“, ist unklar. Ein Gutachten habe ergeben, dass der Somali zur Tatzeit möglicherweise erst zwölf Jahre alt war - und damit nicht strafmündig. „Buudi Gaab“ wurde 2015 von Bundespolizisten in Bayern festgenommen, weil er mit gefälschten italienischen Personalpapieren nach Deutschland eingereist war.

Auch das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen geht davon aus, „dass der Tatverdächtige eine maßgebliche Rolle bei den Folterungen gespielt hat.“ Spezialisten der Behörde aus Hannover hatten nach Ende des Geiseldramas am Horn von Afrika die Spurensicherung auf dem deutschen Schiff übernommen. Sprecher Federau: „Ein außergewöhnlicher Fall, weil unsere Experten mit ihrer gesamten Ausrüstung Tausende Kilometer geflogen sind und ein riesiges Schiff nach Spuren untersucht haben.“

Bis heute werden Ermittlungen zur Schiffsentführung von der Staatsanwaltschaft Osnabrück und dem LKA in Hannover geführt, da der Tanker einer niedersächsischen Reederei gehörte. LKA-Mann Federau weiter: „Auf dem Schiff wurde bestialisch gefoltert, es gab Scheinhinrichtungen, es wurde eine Geisel an einem Fleischerhaken ins Kühlhaus gehängt. Bei einigen Geiseln wurden zudem die Genitalien abgebunden.“

Staatsanwalt Schröder musste ein Ermittlungsverfahren gegen „Buudi Gaab“ einstellen: „So lange es keine konkreten Anhaltspunkte gibt, die die aus dem Gutachten resultierende Alterseinschätzung widerlegen würden, können wir nicht tätig werden.“

Ein mit dem Fall befasster Ermittler sagte der NP: „Es ist schon makaber, dass jemand, der Menschenrechte massiv verletzt hat, auf der anderen Seite jetzt hier in Deutschland mit seinem Asylantrag die Achtung eben dieser Menschenrechte einfordert.“

Im Frühjahr 2014 verurteilte das Osnabrücker Landgericht einen der Entführer der „Marida Marguerite“ zu einer zwölfjährigen Haftstrafe. Ein weiterer Rädelsführer der Piraten war in den USA zu einer mehrfach lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden.


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