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Prozess

Hannover: Pfleger zockt Senioren ab

Mit der Pflege des Angeklagten war der Rentner (77) zufrieden. Doch der Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes nahm dem Senior die EC-Karte samt Geheimnummer ab. Anschließend leerte er das Konto. Mehr als 4000 Euro waren weg. Der Angeklagte (27) gewährte auch Einblicke in den Pflegebetrieb. Teilweise räumte sein Chef auch Versäumnisse ein.

Hannover.  Er ist um keine Ausrede verlegen. Kevin M. (27) meinte am Dienstag vor Gericht: „Ich wusste, dass der Patient sehr wohlhabend war.“ Also nahm der Hilfspfleger seinem Schützling (77) EC-Karte samt Geheimnummer ab. Im Dezember 2016 und Januar hob M. 4275 Euro ab.

Wegen Betruges in vier Fällen verurteilte Amtsrichter Ulrich den Angeklagten zu elf Monaten auf Bewährung. „Das waren schäbige Taten“, meinte der Richter. Er habe nur deshalb eine Bewährungsstrafe ausgesprochen, weil er geständig sei und einen Job habe. „Und ich möchte, dass das Opfer sein Geld wiederbekommt.“ Deshalb soll der 27-Jährige mindestens 60 Euro im Monat an den Mann im Rollstuhl zahlen.

Denn der 77-Jährige ist keineswegs wohlhabend. Der ehemalige VW-Arbeiter sagte: „Das waren meine ganze Ersparnisse.“ Derzeit lebt der Mann mit seiner dementen Frau im Heim. „Die Kosten fressen unsere Rente auf“, sagte der halbseitig gelähmte und zuckerkranke Mann.

Der Angeklagte (16 Vorstrafen) erklärte, dass er das Geld für eine Mietkaution brauchte. Er sei aus dem Gefängnis gekommen. Und der Chef eines ambulanten Pflegedienstes habe ihn angestellt. „Ich wurde als Lieferant geführt, obwohl ich als Pfleger gearbeitet habe“, erzählte er. Er habe auch Spritzen gesetzt. Nur Geld habe er nicht gesehen. „Das ist ja erschreckend“, meinte der Richter. Doch ist es auch wahr?

Der Chef des Pflegedienstes (58) bestätigte: „Der Angeklagte hat als Pflegehelfer gearbeitet.“ Ziel sei eine Ausbildung gewesen. Doch der 27-Jährige habe sich um nichts gekümmert. Es sei auch schon mal vorgekommen, dass Hilfskräfte Spritzen gesetzt hätten. Doch nach einer Prüfung habe er die Hälfte des Personals ausgetauscht. „Jetzt kommt so etwas nicht mehr vor.“

Auch das diabeteskranke Opfer erklärte, dass er sich die Spritzen selbst gesetzt habe. Auf Nachfrage wurde der Rentner unsicher: „Kann sein, dass er das gemacht hat.“ Auf jeden Fall seien in der Woche manchmal vier unterschiedliche Pfleger gekommen. Mit der Pflege des Angeklagten sei er aber zufrieden gewesen.

Warum er sich keine polizeilichen Führungszeugnisse vom Personal habe einholen lassen, wollte der Richter wissen. Der Pflegedienst-Chef meinte kleinlaut: „Bei Hilfskräften habe ich mir keine Führungszeugnisse vorlegen lassen.“ Diese Praxis habe er nun aber geändert.

Von Thomas Nagel


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