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Meine Stadt Hannover: Ostrock in der Swiss-Life-Hall
Hannover Meine Stadt Hannover: Ostrock in der Swiss-Life-Hall
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23:29 29.04.2016
Hannover

Und diese Ostrock-Helden waren am Freitagabend in der Swiss-Life-Hall. Für 4000 Hannoveraner, Zugezogene, Nachgereiste ist das eine urste Schau, also total dufte. Das fetzt.
Kleines Manko: City-Frontmann Toni Krahl ist krank – Lungenentzündung. Als seine Band dran ist, singt Dieter „Maschine“ Birr von den PuhdysAmerika“ und „Am Fenster“. Und ganz am Anfang stehen nicht 15 Mann als VEB Ostrock auf der Bühne, sondern nur 14. Im Kombinat singen sie die Wende-Hymne „Sternenstunden“. Eine Zäsur, auch in der Wahrnehmung der Rocker. „Plötzlich konnten wir fliegen, zum Horizont und wieder zurück“, heißt es da: „Sind über Mauern gestiegen, und Jubelschreie waren wie Musik.“
Und Musik wiederum ist ein Katalysator für Erinnerungen. Karat machen den Anfang. „Blauer Planet“ beschwört die Einheit in der Vielfalt. Claudius Dreilich erinnert an seinen verstorbenen Vater Herbert, den er vor elf Jahren als Sänger beerbte, grüßt Mellendorf, wo er einst wohnte, lobt Sennheiser für sein rotes Mikrofon und geht mit den Fans über „Sieben Brücken“ – ein einziger Chor.
Bilder, auf Leinwände projiziert, untermalen das Konzert, von früher, damals, als das Leben noch schwerer und das Denken einfacher war. Der alte Osten als Diashow. Und doch ist das alles hier mehr retro als stumpfe Ostalgie. Nur hinten auf der Tribüne wedelt ein Einzelner mit der DDR-Flagge.
„Es war schön“, singen die Puhdys. Sie waren zuletzt im Juli 2015 zum letzten Mal da und feierten Abschied. Sie haben sich anders entschieden. Nach dieser Tour soll nun wirklich Schluss sein. Dann geht es in die Datsche. Und niemand hat die Absicht, ein Comeback zu verkünden. „Geh zu ihr“, den schlüpfrigen Song aus dem „Paul und Paula“-Soundtrack, spielen sie als zweites Lied, ein früher Höhepunkt, hihi, „Alt wie ein Baum“ natürlich,. „Wenn ein Mensch lebt“ und „Hey, wir woll‘n die Eisbärn sehen“.
Man ist noch einmal zusammengekommen und feiert, was bleibt, was ist, was kommen mag. Es ist eine große Familie, man covert sich gegenseitig und besucht sich als Gastmusiker. Freundschaft!
Und doch ist noch Mauer in den Köpfen – aber vor allem ihr Fall: als Zeitenwende, nach der aus „denen da drüben“ ein neues Wir wurde. „Wir sind wir“ singen sie alle, bevor es in eine letzte Reprise von „Sternenstunden“ geht: „Auferstanden aus Ruinen dachten wir, wir hätten einen Traum vollbracht“. Ausgeträumt. Irgendwann ist Ende mit Legende. Aber nicht heute.

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