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Meine Stadt Nordstadt: Vermieter schmeißt Familie raus
Hannover Meine Stadt Nordstadt: Vermieter schmeißt Familie raus
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14:53 11.02.2019
Feuchtgebiet Wohnzimmer: Die Wasserschäden sind nicht zu übersehen – Mieter Hermann Kanne ist niedergeschlagen. Quelle: Wilde
Hannover

Die Kannes kämpfen weiter: Die fünfköpfige Familie aus der Nordstadt wehrt sich noch immer gegen die neuen Vermieter, die sie aus der Wohnung klagen wollen, in der die Kannes bereits seit mehr als 30 Jahren wohnen (NP berichtete).

„Wir wollen ja auch raus“, betont Familienvater Hermann Kanne. Auch wenn es ihm schwer falle, da sich auch das Ladengeschäft des Tonanlagenbauers im Erdgeschoss des Hauses befinde. So konnte Kanne sich immer gut um seinen an Muskeldystrophie und Asperger-Syndrom leidenden Sohn kümmern, während seine Frau bei der Arbeit war.

Die Wohnungssuche ist kompliziert und der Eigentümer macht Druck

Doch die Suche nach Ersatz gestaltet sich äußerst schwierig. „Wir haben schon verschiedene Wohnungen besichtigt, aber immer Absagen bekommen“, sagt Kanne. Das Einkommen der Familie sei zu gering, heißt es dann. Auch eine neue Ladenfläche hat Kanne deshalb noch nicht bekommen. Er ist verzweifelt: „Wir brauchen mehr Zeit.“

Doch die will ihm der neue Vermieter, die Kellmann Immobilien GmbH aus Stendal, nicht einräumen. Ein Angebot seitens der Kannes, die Wohnung bis zum 31. März zu räumen, wurde abgelehnt. Der Vermieter erwartete, dass die Familie zum 31. Januar auszieht. „Er geht vor wie ein Bulldozer“, so Kanne niedergeschlagen.

Seitdem habe der Vermieter noch nichts von sich hören lassen. Er bereite wohl eine Räumungsklage vor. Da die Vermieter für die Räumlichkeiten Eigenbedarf angemeldet haben, bleibt Familie Kanne kaum noch Spielraum. Sie hoffen, dass ein Richter womöglich einen Härtefall erkennt – und ihnen etwas mehr Zeit für die Wohnungssuche verschaffen kann.

Der Eigentümer macht der Familie das Leben zur Hölle

Erst einmal hat der Familienvater noch eine Anzeige aus Stendal bekommen: wegen Sachbeschädigung an der Heizung im Haus. Dabei stellte sich die Situation laut Kanne ganz anders dar: Der Vermieter habe einen Wassereinbruch provoziert. Literweise pladderte daraufhin das Heizungswasser durch die Decke.

Selbst ein Gutachter, der zufälligerweise zum Zeitpunkt des Einbruchs in der Wohnung war, hält in seinem Gutachten fest, dass der Fehler beim Vermieter und dessen neu eingestelltem Hausmeister liege.

Daraufhin verschimmelte die Decke, die Tapete mussten zum Teil notdürftig abgerissen werden. Von dem gemütlichen Wohnzimmer der Kannes war nicht mehr viel übrig.

Dann folgte der nächste Rückschlag: Vom Vermieter beauftragte Handwerker sollten die Schäden in der Wohnung reparieren. Doch sie machten es noch schlimmer. „Sie haben die verschimmelte Tapete trocken abgekratzt“, berichtet Hermann Kanne. Daraufhin habe sich der ungesunde Feinstaub in der ganzen Wohnung verteilt. Schutzfolien von den Möbeln hätten die Handwerker sogar entfernt.

Solch ein Vorgehen scheint System zu haben. Erst am Sonnabend demonstrierten Mietrechtsaktivisten vor der Niederlassung eines Immobilienunternehmens gegen unnötige Modernisierungen, höhere Mieten und Druck auf die Mieter.

Auf Anfragen der NP per Mail und Telefon zu einer Stellungnahme hat der Vermieter nicht reagiert.

Von Janik Marx

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