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Meine Stadt Hannover: Neun Monate Haft nach Neonazi-Attacke
Hannover Meine Stadt Hannover: Neun Monate Haft nach Neonazi-Attacke
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00:17 28.11.2015
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Hannover

Richter Burkard Littger stellte fest, die Zeugin habe ein erhebliches Maß an Zivilcourage gezeigt: „Wir möchten uns nicht vorstellen, wie die Auseinandersetzung sonst ausgegangen wäre.“ Beschimpft hatte der Täter auch die Ärztin – wofür er sich jetzt entschuldigte.

Zuvor hatten vier Zeugen die Attacke vom 2. Fe-bruar geschildert. Patrick I. und sein Bekannter waren aus Richtung Hauptbahnhof gekommen, hatten kurz vorm Platz der Weltausstellungen Passanten angepöbelt und gegen die Gitter einer Baustelle getreten und waren dann dem dunkelhäutigen Mann mit den Rastalocken über den Weg gelaufen. Den verbalen Attacken „Affe“, „Schwarzer Neger“ und „Wenn du Deutschland nicht willst, was willst du hier?“ seien ein Schlag ins Gesicht und mindestens ein Tritt gefolgt, sagten drei Zeugen aus. Als sich die Ärztin einschaltete, habe das Opfer flüchten können. Die Täter dann auch.

Polizisten spürten die Täter in einer Kneipe auf. Patrick I.s Atemalkoholmessung ergab 1,89 Promille. Angetrunken habe er keinesfalls gewirkt, versicherten die Beamten. Die Zeugen erkannten ihn auf Fotos wieder.
Wegen Fluchtgefahr saß der
33-Jährige (Hauptschulabschluss in Haft gemacht, keine Arbeit, zwei Kinder, von deren Mutter getrennt) seit dem 5. 10. in Untersuchungshaft. Mit Handschellen wurde er zu seinem Platz im Saal geführt. Unter den Zuhörern saß seine Freundin. Sie weinte oft.

Alkohol, Gewalt und zuerst die Hooligan-, dann die Neonazi-Szene haben das Leben von Patrick I. geprägt, erfuhren alle. Das Vorstrafenregisters des glatzköpfigen Mannes mit den Tattoos auf der linken Hand ist lang. Immer wieder tauchen Verurteilungen wegen Körperverletzung oder des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen auf, außerdem eine Vergewaltigung. 2003 hatte er mit damals 22 Jahren eine Krankenschwester gewürgt, missbraucht und zu ertränken versucht. Seine Strafe dafür: siebeneinhalb Jahre.

Während der Bewährungszeit sei Patrick I. von einem NPD-Funktionär betreut worden, sagte ein Polizist aus. Kaum war diese Zeit vorbei, habe der Neonazi wieder in der rechten Szene mitgemischt. Anders als sein Anwalt Manfred Döbel sah das Gericht seine Sozialprognose nicht günstig.

Der Verteidiger forderte sechs bis acht Monate Haft auf Bewährung, der Staatsanwalt zehn ohne. Das Gericht setzte zwar den Haftbefehl aus, wandte beim Urteil aber einen, so der Richter, selten genutzten Paragrafen an. Keine Bewährung, weil „die Verteidigung der Rechtsordnung die Strafe gebietet“. Man dürfe keinen Menschen angreifen, weil er anderer Hautfarbe sei.

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