Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: Neuer Schulzoff im Landtag
Hannover Meine Stadt Hannover: Neuer Schulzoff im Landtag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:50 12.11.2015
Anzeige
Hannover

„Die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen ist miserabel, die Politik dieser Ministerin auch“, wetterte Björn Försterling (FDP) mit Blick auf Kultusminsterin Frauke Heiligenstadt (SPD). Seit der Regierungsübernahme 2012 habe Rot-Grün hunderte frei gewordene Stellen an Gymnasien nicht wieder besetzt: „Das sind fast 600 Stellen weniger.“ 2012 habe die Unterrichtsversorgung an Gymnasien noch bei rund 103 Prozent gelegen - das heißt, es gab rechnerisch mehr Lehrer als nötig.

Wie hoch dieser Wert jetzt ist, ist umstritten. Der Verband der Elternräte an Gymnasien geht davon aus, dass an rund jedem vierten Gymnasium nur 97 Prozent der Stunden erteilt werden können. FDP-Politiker Försterling unterstellt der Landesregierung, Gesamtschulen auf Kosten der Gymnasien mit Lehrern zu versorgen: „Sie sparen zu Lasten einer Schulform, die ihnen nicht passt.“

Ministerin Heiligenstadt wehrte sich vorm Landtag engagiert und deutlich selbstbewusster als nach dem verlorenen Prozess um die Lehrerarbeitszeit im Juni. Die Schülerzahlen in Niedersachsen seien in den vergangenen zehn Jahren stärker gesunken als die Zahl der Lehrer. Erst jetzt gebe es wegen der Flüchtlinge wieder mehr Kinder.

Heiligenstadt zur Opposition: „Sie betreiben hier nichts als Panikmache. Das hat mit der Realität nichts zu tun.“ Offizielle Daten über die Unterrichtsversorgung soll es im Dezember geben. Derzeit geht Heiligenstadt für Gymnasien von 99,5 Prozent aus. Um alle Pflichtstunden zu erteilen, würde außerdem eine Lehrerversorgung von 90 Prozent reichen, betonte die Ministerin.

Kai Seefried (CDU) sagte, die Ministerin „versagt bei der wichtigsten Aufgabe der Schulpolitik“. Seefried forderte ein Konzept für mehr Unterrichtsversorgung. Stefan Politze (SPD) reagierte verärgert auf die Attacken der Opposition: „Geht es bei ihnen auch mal eine Nummer kleiner?“ Dass die Unterrichtsversorgung an den Gymnasien derzeit unter 100 Prozent liege, liege an den Flüchtlingen: „Es ist logisch, dass wir auf 99 absinken, wenn mehr Menschen ins System kommen.“ Die Landesregierung werde „nachsteuern“.

Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte forderte die Einführung einer Vertretungsreserve. Selbst eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent bedeute „noch lange nicht, dass die volle Stundentafel erteilt werden kann“. Immer noch sei möglich, dass die nötigen Fachlehrer fehlen. „Wir fordern eine Reserve von mindestens fünf Prozent an jeder Schule. Jedes Unternehmen würde scheitern, das bei Ausfällen nicht auf Reserven zurückgreifen könnte“, sagte der Vorsitzende Manfred Busch.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige