Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: Neuer Kurs im Wohnungsbau
Hannover Meine Stadt Hannover: Neuer Kurs im Wohnungsbau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 18.09.2015
Die SPD kann sich nun doch wieder bis zu 2000 Wohnungen auf dem Gelände der Wasserstadt vorstellen. Foto: Dröse
Anzeige
Hannover

Die Lage hat sich verändert. Es fallen Sätze, die vor ein paar Monaten noch undenkbar gewesen wären. „Wir müssen sicherlich auch die Standards überprüfen“, sagt Ewald Nagel, der baupolitische Sprecher der SPD, angesichts der zunehmenden Wohnungsknappheit in Hannover. Er kann sich zum Beispiel eine Reduzierung der energetischen Vorgaben vorstellen, die die Stadt bei Bauprojekten macht.

Nagel findet sogar, dass man sich „trauen sollte, an die Wasserstadt höher ranzugehen“. Zuletzt hatte die Stadt nach monatelanger Bürgerbeteiligung als Kompromiss 1600 bis 1800 Wohneinheiten vorgeschlagen. Nun will sich Nagel wieder an den 2000 orientieren, die heftige Anliegerproteste ausgelöst hatten. „Man sollte die Ursprungszahl nicht leichtfertig aus den Augen verlieren“, findet der SPD-Mann und verweist auf die steigenden Flüchtlingszahlen. Allein bis Ende Januar wird die Stadt wohl 3800 zusätzlich unterbringen müssen.

Zumindest, was die Wasserstadt betrifft, wollen die Grünen den neuen Kurs der SPD jedoch nicht mittragen. Deren Stadtverband hat jetzt sogar noch einmal ein neues Positionspapier vorgelegt, das den Vorschlag der Stadt noch einmal unterbietet. Geht es nach den Grünen, soll es auf dem Gelände nur 1400 bis 1550 Wohnungen geben. Auch an energetischen Standards wollen die Grünen nicht rütteln. „Ich glaube nicht, dass sich so die Fertigungszahlen erhöhen ließen“, sagt Michael Dette, baupolitischer Sprecher der Grünen im Rat.

Anders die CDU. Angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt forderte diese einen Krisengipfel von Stadt, Wohnungswirtschaft und Politik. „Wir müssen diskutieren, wo die Anforderungen der Stadt vielleicht zu hoch sind“, sagt CDU-Bauexperte Felix Blaschzyk.

Matthias Günther, Leiter des hannoverschen Pestel-Instituts, das für ganz Deutschland pro Jahr einen Bedarf von 400  000 neuen Wohnungen prognostiziert hat, fordert, „dass wir nicht lange diskutieren, sondern bauen“. Aus seiner Sicht „hat sich die Situation in Hannover verschärft“. Deshalb brauche die Stadt gerade Sozialwohnungen mit Mietpreisbindung von 5,40 Euro pro Quadratmeter sowie bezahlbare Wohnungen bis 7,20 Euro pro Quadratmeter.

Ein Ziel, dem steigende Baupreise entgegenstehen. Deshalb ist es auch aus Sicht von Stadtbaurat Uwe Bodemann „richtig zu fragen, ob wir in Deutschland zu hohe Baustandards haben“. Auf vieles habe die Kommune keinen Einfluss. „Wir sollten als Stadt aber von Fall zu Fall abwägen, welche Ansprüche wir darüber hinaus an Bauvorhaben stellen“, so Bodemann. Ein Krisengipfel wird aus seiner Sicht jedoch „nicht benötigt“. Man arbeite bereits in Abstimmung mit der Wohnungswirtschaft an einem „Bündnis für Wohnen“, um gemeinsame Strategien zu entwickeln. Christian Bohnenkamp

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige