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So voll wird es in Hannovers Innenstadt sonntags nun seltener.

Verkaufsoffene Sonntage

Hannover: Neue Grenzen fürs Sonntagsshopping

In Hannover müssen sich Stadt, Tourismus-Marketing und Einzelhandel Gedanken machen, wie sie künftig die verkaufsoffenen Sonntage regeln wollen. Die 
Gewerkschaft Verdi freut sich über das entsprechende Urteil dazu und fordert nun alle Akteure auf, sich entsprechend zu verhalten – und ausstehende, 
bereits genehmigte Verkaufssonntage zu streichen. Das Land will sich das Gesetz nochmal genauer anschauen.

Hannover. Die Überraschung war bei Stadt, Gewerkschaft und Einzelhandel gleichermaßen groß: Nur vier verkaufsoffene Sonntage für die gesamte Stadt sind erlaubt – und nicht vier für jeden Stadtteil oder pro Antragsteller. Das, so besagt es ein Verwaltungsgerichtsurteil vom Donnerstag, erlaubt das entsprechende Gesetz des Landes nicht. Was die einen freut und andere entsetzt, zwingt alle dazu, die Lage zu überdenken und eine tragfähige Lösung zu finden.

Die Stadt Hannover ist „der Auffassung, das Gesetz bislang korrekt interpretiert zu
haben“. Nach dem Urteil sei 
nun das Land gefragt, die Sache klar zu regeln und dabei „explizite Regelungen für große Städte zu erwägen“, erklärt Stadt-Sprecher Dennis Dix. Ansonsten würden Großstädte, deren Stadtteile manchen Kleinstädten entsprechen, wie kleine Kommunen nur viermal jährlich eine Sonntagsöffnung zulassen dürfen. Ob die Stadt in die nächste Instanz geht, „wird noch geprüft. Wir müssen die Urteilsbegründung abwarten“.

Die Gewerkschaft Verdi hatte gegen die genehmigten Sonntagsöffnungen in Hannover geklagt, das Urteil sei aus ihrer Sicht „überraschend deutlich und positiv“ ausgefallen, sagte Verdi-Fachsekretärin Sabine Gatz. Verdi will nun „alle Antragsteller und alle niedersächsischen Kommunen, die es bisher ähnlich handhaben wie Hannover“, anschreiben, auf das Urteil hinweisen und künftig entsprechendes Verhalten anmahnen, so Gatz weiter. Damit seien etwa Ikea im Expo-Park, Möbel-Staude, Sofa-Loft und Poco aufgefordert, ihre Anträge für die in diesem Jahr noch anstehenden Sonntagsöffnungen zurückzunehmen. „Wir werden die nicht gleich alle verklagen, behalten uns aber rechtliche Schritte vor“, sagt Gatz. Auch die Betriebsräte in den Unternehmen hätten jetzt die Möglichkeit, auf die neue Situation zu reagieren und getroffene Vereinbarungen zu ändern – und so eventuell die Sonntage zu kippen. Die bisherige Praxis hätte in diesem Jahr laut Gatz dazu geführt, dass von 46 möglichen Sonntagen an zwölf Sonntagen Geschäfte hätten
offen haben können – statt der vom Gesetz erlaubten
vier Sonntage. Die Stadt müsse nun „ein Verfahren finden, wie sie das regelt“, sagt die Verdi-Frau.

Ulrich Thiemann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Hannover-Hildesheim, glaubt, dass die gekippten zwei verkaufsoffenen Sonntage manche Einkaufsplanung in den Familien über den Haufen werfen und ihnen „Probleme bereiten“. Auch die Beschäftigten im Einzelhandel seien nicht alle glücklich: „So ein Sonntag ist ja ganz attraktiv – viele Einzelhändler haben mehr Meldungen für Sonntagsarbeit, als sie Mitarbeiter einsetzen können.“ Die Händler werde es „nicht umbringen, aber es wird Spuren hinterlassen“.

Walter Treppmacher, Chef der Buchhandlung Decius, findet es „sinnvoll, das im Stadtgebiet auf vier Sonntage zu begrenzen. Mancherorts ist das schon inflationär – und heftig für die Mitarbeiter und ihre Familien!“ Mit seinem Geschäft war er selbst selten dabei. Matthias Baller, Chef vom Mövenpick am Kröpcke, ist „todtraurig – uns fehlen jetzt zwei umsatzstarke Tage!“. Ähnlich Sportscheck-Vize Stefan Behrens: „Wir hatten erst zwei Sonntage geöffnet – die jetzt fehlenden zwei bedeuten einen Umsatzverlust im hohen fünfstelligen Bereich!“

Guido Langemann, Handelsexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK), sieht in dem Urteil „nur eine Botschaft: Das wird dem Handel in Hannover nicht guttun!“ Sonntags machen Online-Anbieter den größten Umsatz, da wäre es wichtig, „hier Paroli zu bieten, mit einem echten Einkaufserlebnis“. Zudem stelle man Hannover so auf eine Stufe mit dem Zentrum eines Ortes mit 6000 Einwohnern, in dem es keinen innerörtlichen Wettbewerb gebe. Künftig, fürchtet Langemann, werden an stadtweit einheitlichen offenen Sonntagen äußere Stadtteile die Verlierer sein: „Die Leute werden doch überwiegend ins Zentrum streben.“ Ralph Hübner


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