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Meine Stadt Hannover: Mutter tritt kleinen Sohn
Hannover Meine Stadt Hannover: Mutter tritt kleinen Sohn
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00:16 08.06.2017
Vor dem Jugendschöffengericht muss sich eine 20-jährige Mutter verantworten, die ihre Kinder misshandelt haben soll. Quelle: dpa
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Hannover

 Die Sonnenbrille ins blonde Haar gesteckt. Das ärmellose, orangene Adidas-Shirt hat einen weiten Ausschnitt. Angelina B. (20) sieht aus, als ginge sie zur nächsten Strandparty. Doch der Eindruck trügt. Die zweifache Mutter sitzt wegen Kindesmisshandlung vor der Jugendschöffenrichterin Maria Kleimann. „Ich habe meinen Sohn nicht getreten. Ich weiß, wie es ihm mit seiner Epilepsie geht.“ Das Kind war zur Tatzeit zwei Jahre alt. Dass sie ihre Tochter (1) weggeschubst habe, das räumte die junge Frau ein.

Das Gericht verurteilte Angelina B. wegen gefährlicher Körperverletzung zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit. „Auf Grund Ihrer Depressionen waren Sie nicht ganz steuerungsfähig“, erklärte Kleimann.

Angelina B. stammt aus desolaten Familienverhältnissen. Vater Alkoholiker, Mutter depressiv. Sie war 16, als sie das erste Mal schwanger wurde. Der zweite Freund ist drogenabhängig und kriminell. Er ist der Vater der Tochter. „Mein Sohn hat viel mitbekommen in dieser Beziehung. Mein Ex-Freund hat mich gewürgt. Er hat mir eine Luftdruck-Pistole an den Kopf gehalten“, erzählt sie unter Tränen.

Das Kind gilt als traumatisiert, ist oft aggressiv. Nach der Trennung zog Angelina B. auf Weisung des Familiengerichts in eine Mutter-Kind-Einrichtung. Dort kam es am 13. September 2016 zur Beinah-Katastrophe. „Wie aus dem Nichts hat sie dem Jungen ins Gesicht getreten“, erzählte eine Betreuerin (30). Zuvor hatte die Angeklagte schon in der Wohnung randaliert. Warum? Daran könne sie nicht mehr erinnern. Der Junge trug Prellungen und Hämatome von dem Tritt davon. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass es zu Gewalt gegen die Kinder gekommen sei, so die Betreuerin. Damals war die Mutter wegen ihrer Depressionen noch nicht in Behandlung. Nach dem Vorfall verzichtete die Angeklagte auf die Kinder: „Es ist besser für sie, so wie es jetzt ist.“

Von Thomas Nagel

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