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Sehbehinderte

Hannover: Mit dem akustischen Blick einkaufen

Einkaufen – für die allermeisten Menschen lästiger Alltag, für Menschen, die stark sehbehindert oder sogar erblindet sind, eine riesige Herausforderung. Wie ihnen geholfen werden kann, zeigt die Idee einer Hannoveranerin.

Hannover. Nudeln, Waschmittel und Aufschnitt in den Einkaufswagen zu legen, gehört für jeden zum Alltag – vermeintlich. Denn manche Menschen stellt der selbstständige Einkauf im Supermarkt vor nahezu unlösbare Probleme. Wie soll ein Sehbehinderter erkennen, ob er gerade eine Packung Soßenbinder oder Puderzucker in der Hand hält? „Das funktioniert einfach nicht“, weiß Meike Seidel, „Blinde gehen entweder in Begleitung einkaufen oder lassen sich was mitbringen.“ Die Studentin des Design-Centers der Hochschule Hannover hat im Rahmen ihrer Master-Arbeit eine Idee zur Lösung entwickelt – und dafür den Newcomer-Innovationspreis Altenpflege 2015 gewonnen.

Sonic View (akustischer Blick) ist ein Armband, das beim Greifen der Produkte auf die Handfläche gezogen wird. Ein eingebauter Infrarot-Scanner kann die Produkte durch „ein aufgedrucktes, filigranes Punktmuster“ erkennen. Dieser gelesene Code wird per Bluetooth zu einer App und schließlich auf Kopfhörer übertragen. „So werden Hersteller, Füllmenge, Nährwerte und weitere Informationen auditiv erfahrbar sein“, sagt die 32-Jährige.

Bereits für ihren Bachelor als Innenarchitektin hat sich Seidel mit sehbehinderten Menschen auseinandergesetzt: „Ich habe einen inklusiven Wohnkomplex geplant und bei der Recherche gemerkt, dass Blinde im Alltag oft nicht so berücksichtigt werden.“ Auch über ein Leitsystem für die zahlreichen Gänge im Supermarkt hatte Seidel nachgedacht, sich im Rahmen des Studiums aber auf Sonic View konzentriert.

Auf die Grundidee brachte sie ihr heute fünfjähriger Sohn, der sich mit einem auditiven Lernsystem Bücher über Bauernhöfe oder das Leben im Wald vorlesen ließ. Zunächst dachte Seidel bei der Umsetzung an einen Handschuh, später auch an einen Ring. „Aber ich bin keine Produktdesignerin, sondern Architektin“, sagt die junge Mutter.

Kommilitone Vladimir Maier half ihr, ihre Idee zu visualisieren. Es folgten Tage und Nächte mit vielen Skizzen, bis das Bild eines Armbandes mit Magnetverschluss entstand. Seit einem halben Jahr arbeitet die Studentin an der Idee und entwickelt sie immer weiter. „Sovi bietet schon große Möglichkeiten, auch im Bereich von Fahrplänen oder Etiketten“, sagt Seidel. Beim Einkaufen hat sie auch andere Menschen im Blick: „Es kann auch Allergikern helfen, oder Sportlern.“ In der App sollen sich daher persönliche Profile anlegen lassen.

Die Idee steht, die Umsetzung bisher noch nicht. „Ein Prototyp ist extrem teuer“, sagt Seidel, „aber die Idee habe ich jetzt erst mal schützen lassen.“ Nach der Abgabe der Master-Arbeit möchte sie Investoren abklappern, um ein Pilotprojekt in Hannover einrichten zu können.


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