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STARKES TEAM: Katrin und RobertEngelmann mit ihren beiden Kindern Sophie und Tom.

STARKES TEAM: Katrin und Robert Engelmann mit ihren beiden Kindern Sophie und Tom.© Frank Wilde

Welt-Frühchen-Tag

Hannover: Mit 485 Gramm ins Leben

Wenn sie auf die Welt kommen, sind sie winzigklein. Mittlerweile hilft modernste Technik, damit sie eine gute Überlebenschance haben. Zum heutigen Welt-Frühchen-Tag hat die NP eine Familie besucht, die den harten Kampf um eine Handvoll Leben gewonnen hat. Mit nur 485 Gramm kam Sophie auf die Welt und wog damit weniger als zwei Pakete Butter.

Hannover. Als Sophie am 26. März vor drei Jahren in der Medizinischen Hochschule Hannover geboren wurde, war sie eigentlich nicht lebensfähig. Geboren in der 24. Schwangerschaftswoche (SSW) und damit vier Monate vor dem errechneten Geburtstermin. Im Medizindeutsch heißen Kinder wie Sophie extreme Frühchen. Bei einer Länge von 28 Zentimetern brachte das Mädchen nur 485 Gramm auf die Waage. Und damit weniger als zwei Pakete Butter.

Sophie war das erste Kind von Katrin (35) und Robert (34) Engelmann aus Barsinghausen. „Bis zur 20. Schwangerschaftswoche war alles gut“, erinnert sich die 35-Jährige, „dann bekam ich von einem Tag auf den nächsten eine schwere Schwangerschaftsgestose.“ Fünf Tage vor Sophies Geburt kam Katrin Engelmann in die MHH. Sie selbst sei da noch optimistisch gewesen, dass „ich dichter an den Geburtstermin rankomme. Aber den Glauben haben mir die Ärzte sofort genommen, gesagt, es gehe höchstens noch ein paar Tage gut.“ Als der Schwangeren nachts „das Blut nur noch aus der Nase schoss“, war klar: Es ist so weit. Die Lungenreifespritze hatte sie da längst erhalten, um ihrer ungeborenen Tochter überhaupt eine Überlebenschance zu geben. In den letzten 15 Jahren hat sich die Frühchenmedizin enorm verbessert, schildert der hannoversche Neonatologe Clemens Behrens (siehe Interview): „Zwar gibt es extreme Frühgeburten wie etwa Sophie immer seltener, aber wenn doch, gelingt es uns immer häufiger, das Überleben dieser Kinder zu sichern.“ So überlebten 2012 in Deutschland schon 44 Kinder, die vor der 23. Schwangerschaftswoche geboren wurden. Behrens: „Eine Garantie gibt es aber nie. Die Risiken sind anfangs enorm.“

Und so hat Katrin Engelmann blanke Angst gefühlt, als sie für den Kaiserschnitt in den OP geschoben wurde: „Aber nicht Angst, dass mir was passieren könnte, sondern um mein Baby.“ Sie fügt hinzu: „Aber so ist das wohl, wenn man plötzlich Mama wird. Da liebt man einen kleinen Menschen mehr als sich selbst.“

Nach der Geburt kam das Frühchen sofort in einen Inkubator. Station 69, Zimmer vier, Frühchenabteilung: „Sie haben sie uns noch nicht mal gezeigt, es ging einfach um Sekunden, weil Sophie ja nicht selber atmen konnte.“ Ein Schock sei es gewesen, als sie ihre Tochter Stunden später zum ersten Mal gesehen habe: „Ich habe mehr Schläuche und Kabel als mein Kind gesehen.“ Die Monate, die folgten, nennt Katrin Engelmann noch immer die „härtesten ihres Lebens“. Jeden Tag habe sie nach ihrer eigenen Entlassung aus der Klinik mehr als zwölf Stunden am Inkubator ihres Kindes verbracht, oft zusammen mit ihrem Mann. „Für uns Eltern war es traurig und unglaublich hart, Sophie da so liegen zu sehen. Aber bis heute imponiert mir ihr Kämpfergeist. Sie hatte so einen harten Start ins Leben und hat doch immer gekämpft und war tapfer. Da konnten wir Eltern gar nicht aufgeben“, sagt die 35-Jährige.

13 Wochen lang musste sie rund um die Uhr beatmet werden, die Magensonde entfernten ihr die Ärzte erst kurz vor der Entlassung Ende Juli. Knapp drei Kilo wog sie bei ihrer Entlassung - bei einer Länge von 46 Zentimetern. Bis dahin war es ein weiter Weg: Mehrfach schwebte das Frühchen in akuter Lebensjahr, erlitt gleich zweimal eine schwere Lungenblutung oder lag völlig ohne Sauerstoff da, weil es sich selbst extubiert hatte. „Und die Sauerstoffsättigung ihres Bluts war sowieso die meiste Zeit richtig schlecht. Sophie hieß auf der Station deshalb nur Klingelkönigin, weil ihre Alarmglocke pausenlos schrillte“, erinnert sich ihre Mutter - und erzählt dann das: „Stellen Sie sich vor, dass wir unser Kind erst an seinem 29. Lebenstag zum ersten Mal auf dem Arm hatten. Das wäre vorher gar nicht gegangen, weil Sophie viel zu schwach und instabil war.“ Zierlich war Sophie auch da noch mit ihren 610 Gramm. Und doch: Das erste Kuscheln, das auch als Känguru-Methode in der Frühchen-Pflege bekannt ist, sei ein Wendepunkt gewesen, so Katrin Engelmann: „Von da an nahm Sophie endlich kontinuierlich zu. Die Ärzte haben uns das Kuscheln förmlich verordnet.“

Über dreieinhalb Jahre liegt dieser Frühstart ins Leben nun zurück. Katrin Engelmann hat vor einem halben Jahr Sohn Tom zur Welt gebracht. Auch er kam zu früh, „aber nur fünf Wochen“. Während sich die Ärzte anfangs mit Prognosen zurückhielten, sind sie heute „mehr als zufrieden“ mit Sophies Entwicklung. Klein ist das blonde Mädchen mit dem langen Pferdeschwanz, das Tanzen so liebt, noch immer - und wird es wohl auch immer bleiben. 91 Zentimeter und zehn Kilo. „Das passt eher zu einer Zweijährigen“, weiß ihre Mutter. Doch wichtiger sei, „dass unser Kind körperlich und geistig topfit ist. Selbst ihre Lungen - und die sind bei Frühchen eigentlich immer Grund zur Sorge.“ Nur zwei Dinge lassen vermuten, dass dieses Mädchen schon einen ziemlich langen Weg hinter sich hat. „Sie ist mit dem Essen sehr wählerisch, mag es nicht stückig. Und sie sucht ständig Schutz bei Erwachsenen, ob im Kindergarten oder zu Hause. Das liegt wohl daran, dass sie viel zu früh aus dem geschützten Mutterleib gerissen wurde. Aber das schaffen wir auch noch.“


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