Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover Messe nimmt 5G ins Visier
Hannover Meine Stadt Hannover Messe nimmt 5G ins Visier
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:23 28.03.2019
Die Hannover Messe hat 5G im Blick. Quelle: dpa
Hannover

Jochen Köckler ist schon auf Betriebstemperatur. „Jede Menge Adrenalin“ und ein „Countdown-Gefühl“ spüre er wenige Tage vor Beginn der Hannover-Messe (1. bis 5. April), sagte der Chef der Deutschen Messe AG am Mittwoch. Vor allem freue ihn, dass sich 6500 Aussteller für die größte Industrieschau der Welt in Hannover angemeldet haben. „Viel mehr passt hier auch nicht aufs Gelände“, so Köckler, „alle Hallen sind voll.“ Zentrale Themen der Messe – Motto: „Industrial Intelligence“ – sind die Potenziale von Künstlicher Intelligenz (KI) und des neuen Mobilfunkstandards 5G.

Aus Hannover komme in diesem Jahr das Signal, „dass Künstliche Intelligenz Einzug in die Fabriken hält“, sagte Köckler. Mehr als 100 Anwendungsbeispiele für maschinelles Lernen präsentieren die Aussteller, unter anderem wird gezeigt, wie die Zusammenarbeit von Robotern und Menschen verbessert werden kann – mit Robotern, die sich um den Kollegen Mensch herumorganisieren. „Die Künstliche Intelligenz ist das Herzstück von Industrie 4.0“, so der Messechef. Wie Professor Martin Ruskowski vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz betonte, werde der Mensch durch die KI allerdings nicht überflüssig. Die KI erzeuge keine künstlichen Menschen, „sondern soll unsere Fähigkeiten lediglich erweitern“. Künstliche Intelligenz könne zwar Daten erfassen, analysieren und auch Entscheidungen treffen und umsetzen. „Aber die Regeln und Vorgaben macht der Mensch. Es geht nicht ohne den Menschen in einem sehr flexiblen Umfeld.“ Die KI sei die Verbindung zwischen Mensch und Maschine.

5G für die Zukunft

Eine weitere Neuheit: Erstmals wird auf der Messe in Halle 16 ein 5G-Testfeld aufgebaut, in dem acht Beispiele für Anwendungen zu sehen sind, die alle miteinander vernetzt sind. „Wer mehr über Testfelder und erste Anwendungen von 5G in der Industrie wissen will, sollte die 5G-Arena besuchen“, erklärte Köckler. Nokia und Qualcomm errichten das Testfeld, in dem beispielsweise eine neuartige Form der Prozesskontrolle vorgeführt wird. Außerdem führt Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) aus Hannover vor, wie junge Menschen künftig in einer digitalen Gesellschaft lernen können. Und Bosch Rexroth präsentiert den Prototypen eines „intelligenten“ Bodens, der Roboter und Maschinen drahtlos direkt mit Energie und Daten versorgt – ein Vorgriff auf die kabellose Fabrik von morgen. Auch autonome Transportfahrzeuge hat das Unternehmen dabei, die ohne menschliche Unterstützung Komponenten an Arbeitsplätze liefern können.

Die Aussteller

Rund 6500 Aussteller haben sich zur Hannover Messe angemeldet, rund 60 Prozent kommen aus dem Ausland. Die meisten Aussteller schickt nach Deutschland (2600 Aussteller) China (1300), vor Italien (450) und der Türkei (180).

In diesem Jahr hat die Messe zwei neue Kongresse organisiert: In dem Format „Future of Work in Industry“ soll die Zukunft der Arbeit in einer digitalisierten Welt diskutiert werden, mit dabei sind VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und Philosoph Richard David Precht. Beim „Industrial Pioneer Summit“ wird unter anderem über Digitalisierung, KI und Mensch-Roboter-Kollaboration gesprochen

„Mit dem, was wir in der Halle zeigen, sind wir der Welt zwei Jahre voraus“, sagte dazu Nokia-Manager Thorsten Robrecht, „Das ist jetzt der große Durchbruch.“ Auch Rolf Najork, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, sagte: „Jetzt wird die Vision Realität.“ Er drängte auf eine schnelle Umsetzung des 5G-Netzes. „Sonst werden wir von Asien abgehängt.“

Diesjähriges Partnerland der Messe ist übrigens Schweden: Das skandinavische Land kommt mit 160 Ausstellern, die unter anderem erfolgreiche Kooperationsprojekte vorstellen wollen. Man wolle die Bedeutung von Zusammenarbeit als Innovationstreiber zeigen.

Microsoft zur Hannover Messe

Deutschland hat nach Einschätzung von Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek zur digitalen Aufholjagd in Sachen Künstliche Intelligenz und Cloud-Computing angesetzt. Das werde sich auch auf der Hannover Messe in der kommenden Woche zeigen. Die Messe sei „Gradmesser für den Aufbruch der Industrie ins digitale Zeitalter“, sagte Bendiek der Deutschen Presse-Agentur. Es sei für Unternehmen jedoch noch nie so wichtig wie heute gewesen, dabei auf Partnerschaften zu setzen. „Kein Unternehmen wird die Herausforderungen der digitalen Transformation allein bewältigen können“, betonte Bendiek.

Beispielhaft beschreite derzeit die Automobilindustrie neue Wege und knüpfe Partnerschaften auch mit Wettbewerbern, sagte Bendiek. Durch Entwicklungen wie den Elektro-Antrieb oder autonomes Fahren sei der Druck in der Branche natürlich groß. „Das treibt aber auch das Nachdenken an.“ Dieser Trend sei auch bereits im produzierenden Gewerbe erkennbar. „Die klassische Alleingangs-Mentalität ist passe.“ Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) denke etwa schon über gemeinsame digitale Produktions-Plattformen nach. Auch Kooperationen mit strategischen Technologiepartnern stünden im Fokus.

Bendiek kritisierte, die Aufbruchstimmung etwa bei Künstlicher Intelligenz in der Politik sei „bedauerlicherweise in der Halbherzigkeit gelandet“. Ursprünglich hatte die Bundesregierung das Thema Künstlicher Intelligenz zum wichtigsten Zukunftsprojekt deklariert, das bis 2025 mit drei Milliarden Euro unterstützt werden sollte. Im aktuellen Haushaltsentwurf sei diese Summe jedoch auf ein Drittel eingedampft worden, sagte Bendiek. „Das ist ein Signal in die völlig falsche Richtung.“ Das Rennen um einen weltweit führenden Platz bei KI gewinne Deutschland „nicht mit Sparsamkeit und Inkonsistenz, sondern mit Initiative und Innovationen“.

Auf der Hannover Messe wird Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Microsoft will gemeinsam mit 30 Partnerunternehmen, darunter Osram, Zeiss, Electrolux, Vaillant oder Siemens Gamesa beispielhaft zeigen, wie intelligente Fertigung aussehen kann. So demonstriert etwa die TU München hochsensible Roboter mit Tastsinn, die ihre Informationen austauschen und voneinander lernen können. Osram bringt intelligente und vernetzte Lichttechnologie mit, die etwa erkennt, ob sich in einem Raum jemand befindet und entsprechend das Licht steuert. Und ein Spektrometer von Zeiss analysiert bei der Lebensmittelherstellung automatisch den Wareneingang und steuert entsprechend die Produktionsprozesse.

Von Inken Hägermann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Erstmals werben Karstadt und Kaufhof mit einem gemeinsamen Prospekt um Kunden. Doch trotz großer Preisnachlässe herrscht im Kaufhof an der Marktkirche Leere.

28.03.2019

Wird gegen einen Beamten der Zentralen Polizeidirektion Hannover wegen des Verdachts der sexueller Belästigung ein Verfahren eingeleitet? Während die Staatsanwaltschaft den Fall weiterhin prüft, glaubt der Anwalt an die Unschuld seines Mandanten.

27.03.2019

Jazz an Himmelfahrt: Mezzoforte und MF Robots sind Ende Mai die Top-Stars von Deutschlands größtem Open-Air-Festival auf dem Trammplatz vor dem Rathaus in Hannover. Jedes Jahr kommen rund 35000 Jazzfans und feiern ausgelassen. Verlängert hat Enercity seine Hauptsponsorenschaft um weitere drei Jahre.

27.03.2019