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Prozess

Hannover: Mehr als Sieben Jahre für Vergewaltiger

Es war eine der schlimmsten Sexualverbrechen der vergangenen Jahre. Zwei Stunden peinigte Nori N. (27) sein Opfer im Ihme-Zentrum. Er demütigte sein Opfer mit Gewalt und Verhöhnungen. Die 18. Große Strafkammer des Landgerichts fand erstaunliche viele Umstände, die sich günstig für den Angeklagten auswirkten.

hannover. Nori N. (27) ist mit einer vergleichsweise milden Strafe davon gekommen. Für die Vergewaltigung im Ihme-Zentrum am 29. Juli 2015 wurde er am Montag zu sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. In der Strafe ist noch eine Verurteilung von einem Jahr und sieben Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung enthalten.

Richter Volker Löhr schilderte noch einmal den Ablauf des Verbrechens. Nachts gegen drei Uhr fiel Nori N. sein 20-Jähriges Opfer an. „Er zog sie in die Nische hinter einen Fahrstuhlschaft. Er entkleidete sein Opfer, vergewaltigte sie. Es zog sich lange hin.“ Fast zwei Stunden war die Frau in der Gewalt des Mannes. Er habe bemerkt, dass die Frau schwanger sei. Er strich ihr über den Bauch und sagte: „I Love You“ (Ich liebe Dich). Später hielt er ihr ein Handy hin und sagte: „Call The Police“ (Ruf die Polizei). Während der Vergewaltigung traktierte er sein Opfer mit den Fäusten. Immer wieder schlug er sie ins Gesicht. Gegen fünf Uhr konnte die Frau entkommen.

Für eine Vergewaltigung im besonders schweren Fall steht ein Strafmaß von fünf bis 15 Jahren. In der Urteilsbegründung der 18. Kammer des Landgerichts heißt es: „Der Angeklagte steht, auch wenn er nicht geständig ist, zu seiner Verantwortung.“ Er habe dem Opfer damit viel erspart. Nori N. hatte gesagt, dass er sich an die Vergewaltigung nicht mehr erinnern kann. Er sei zu betrunken und bekifft gewesen. Doch was hat er dem Opfer erspart? Die junge Frau musste aussagen. Für den Angeklagten wertete die Kammer auch, dass die Tat lange zurück liege. Nori N. wurde erst im Herbst 2016 in Belgien gefasst. Er sei auch nicht einschlägig vorbestraft, meinte Richter Löhr. In Witten (Nordrhein-Westfalen) wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er eine Frau verprügelt hatte ähnlich wie sein Opfer im Ihme-Zentrum. Dann wertete das Gericht die Fluchterfahrungen des Angeklagten als mildernden Umstand. In Libyen habe er sich in Gefangenschaft der IS befunden. Er habe sich erheblich selbst verletzt, um ins Krankenhaus zu kommen und von dort fliehen zu können. Ein Psychiater bescheinigte ihm eine posttraumatische Belastungsstörung.

Anwalt Philipp Kaiser meinte: „Mein Mandant ist psychisch krank.“ Er hatte eine Unterbringung in einer Entzugsklinik angeregt. Die Staatsanwältin hatte zehn Jahre und zwei Monate für den Angeklagten beantragt.

Von Thomas Nagel


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