Navigation:
Vor Gericht

Vor Gericht
 © picture alliance / dpa

Justiz

Hannover: Mann wegen Schächtens vor Gericht

Hat ein Mann ohne triftigen Grund fünf Schafe gequält? Die Entscheidung hierüber ist vertagt worden.

Hannover - . Ein Prozess wegen Schächtens ist vor dem Amtsgericht Hannover nach dem Auftakt am Dienstag vertagt worden, hat das heikle Thema aber gleichzeitig in den Fokus gerückt. Das Gericht konnte zunächst nicht klären, ob der Angeklagte Schafe mit einem Hammer so betäubt hat, dass sie beim Schächten nicht unnötig leiden mussten.

Der Vorwurf: Der 59 Jahre alte Mann aus der Türkei soll im September 2016 mehrere Tiere in einem Innenhof in Hannover geschächtet haben - ohne Betäubung und ohne Genehmigung. Vor Gericht gab er an, die Schafe mit einem gezielten Hammerschlag zwischen die Augen bewusstlos gemacht und dann den Schnitt am Hals der Tiere angesetzt zu haben.

In Deutschland darf man Tiere nicht ohne Betäubung töten - das ist im Tierschutzgesetz so festgelegt. Auch das Schächten ohne Genehmigung ist verboten. Für das Töten von Wirbeltieren ohne vernünftigen Grund kann eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren verhängt werden.

Prozesse wegen Schächtens gibt es nach Angaben des Amtsgerichts Hannover nur „sehr selten“. Auch der Deutsche Fleischer-Verband hält das Schächten eher für eine Randerscheinung in Deutschland. „Unsere Handwerksbetriebe erhalten meiner Erfahrung nach so gut wie keine Anfragen nach Fleisch von Tieren, die rituell geschlachtet wurden“, sagt Gero Jentzsch, Pressesprecher des Deutschen Fleischer-Verbands. Zumal die Metzgereien und Fleischereien vor allem Schweinefleisch verarbeiteten, was wiederum gläubige Muslime nicht verzehren.

Viele Muslime halten sich bei ihren Speiseplan daran, das zu essen, was halal ist - also nach islamischem Recht erlaubt. Für halal produziertes Fleisch muss das Tier nicht unbedingt ohne Betäubung geschlachtet worden sein, betont das Agrarministerium Niedersachsen.

Der Verzehr von Blut ist im Islam nicht gestattet, zudem müssen die Tiere unversehrt sein, also nicht schon vor dem Schlachten tot. Ausbluten können auch Tierkörper, die betäubt sind, erklärt Rolf Piepmeier. Er betreibt einen Schlachthof in Elsfleth, der sich auf das Schlachten nach islamischen Vorgaben spezialisiert hat.

„Auch wir Töten die Tiere erst, nachdem sie mit einem Elektroschock betäubt wurden - ohne Betäubung ist das gar nicht erlaubt“, beschreibt Piepmeier. Trotzdem sei es manchmal schwer, das den Kunden begreiflich zu machen, gibt der Metzger zu. Für das Piepmeier-Fleisch fahren die Kunden weit: Im Umkreis von rund 300 Kilometern ist es nach eigenen Angaben der einzige Schlachthof dieser Art.

Im Koran stünde zwar nichts von Betäuben, aber früher habe es auch noch nicht dieselben Möglichkeiten gegeben wie heute - etwa eine schonende Betäubung mit Elektroschock, sagt Piepmeier. Auch Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer begrüßt, dass viele Muslime die Betäubung als „konsequente Weiterentwicklung der traditionellen Schlachtvorgaben“ verstehen würden, die es ihnen ermögliche, „das im Islam ebenfalls festgeschriebene Gebot der Milde und Barmherzigkeit gegenüber dem Schlachttier zu beachten.“

Von jansen.vera


Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Was halten Sie von den Obike-Leihfahrrädern in Hannovers City?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok