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Meine Stadt Mäuseplage, kaputte Fenster, giftige Neonröhren: So arbeitet die Polizei
Hannover Meine Stadt Mäuseplage, kaputte Fenster, giftige Neonröhren: So arbeitet die Polizei
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10:57 14.03.2019
LKA: Im Gebäude an der Schützenstraße gab es Ungeziefer-Befall und Probleme mit Fenstern, die aus dem Rahmen fallen können. Quelle: Dröse
Hannover

Erst das Spezialeinsatzkommando (SEK), dann die Zentrale Polizeidirektion (ZPD) Niedersachsen und jetzt das Landeskriminalamt (LKA): Die Liste der vergammelten und maroden Polizeigebäude in Hannover wird immer länger. Auch im LKA-Dienstgebäude an der Schützenstraße (List) gab es schon Ungeziefer und auch dort haben die Beamten mit den Widrigkeiten einer heruntergekommenen Immobilie zu kämpfen: Fenster können nicht mehr gekippt werden, weil sie sonst aus den Rahmen fallen könnten.

Schon Anfang des Jahres hatte es eine Hiobsbotschaft aus der Polizei in Hannover gegeben: Giftige Stoffe aus alten Neonröhren bei der ZPD an der Tannenbergallee (List) waren ausgelaufen und hatten die Einsatzkleidung einer Hundertschaft kontaminiert. Davor hatten Ratten in den Diensträumen Am Welfenplatz (List) die Ausrüstung des SEK angefressen.

LKA: Kammerjäger im Einsatz

Ungeziefer-Befall hatten auch schon die Kollegen im LKA an der Schützenstraße. Gut ein Jahr ist es nach NP-Informationen her, dass es dort eine Mäuseplage gab. Sogar der Kammerjäger musste anrücken.

Betroffen war das Lagezentrum, das sich nur unweit der Kantine im LKA-Gebäude befindet. Die Beamten, die im 24-Stunden-Dienst arbeiten, hatten sich vor allem nachts über ein mysteriöses Rascheln gewundert. Eklig, was sie auf der Suche nach der Ursache entdeckten: „Es wurde Mäusekot gefunden“, so ein Insider.

Rattenköder auf dem Gelände

Zunächst sei versucht worden, die Nager mit Bordmitteln zu bekämpfen: „Man hat Fallen aufgestellt.“ Was aber nichts brachte. Schließlich löste ein Kammerjäger das Mäuse-Problem in der LKA-Liegenschaft. Es soll auch nicht der erste Ungeziefer-Befall auf dem Gelände an der Schützenstraße gewesen sein: Auf dem Grundstück sei immer noch ein (alter) Rattenköder ausgelegt.

Rattenköder auf LKA-Grundstück. Quelle: privat

Ein weiteres Problem in dem Bau sind die Fenster. Sie sind undicht. „Es zieht. Über Energie-Effizienz braucht man gar nicht zu reden“, sagt der Insider. Teilweise seien die Griffe abgebaut und Fenster lassen sich nicht mehr kippen – eine Maßnahme zur Unfallverhütung. Auslöser dafür war, dass einem Fensterputzer beim Reinigen eine Scheibe samt Rahmen auf die Finger gefallen sei.

Die Polizei in Niedersachsen muss an vielen Orten in regelrechten Bruchbuden arbeiten, die dringend sanierungsbedürftig sind. Doch Geld, um die Liegenschaften auf Vordermann zu bringen, ist nicht da: Auf 127 Millionen Euro beliefen sich am Stichtag 31. Dezember 2018 laut Landesregierung die Kosten für die Bauunterhaltung aller Polizeigebäude in Niedersachsen. Gerade einmal fünf bis sieben Millionen kann Innenminister Boris Pistorius (SPD) 2019 aber nur ausgeben. Allein 28,4 Millionen Euro wären für die Zentrale Polizeidirektion in Hannover zur Gebäudesanierung nötig.

Vorwürfe an Innenminister Pistorius

Und so verfallen landauf, landab Diensträume immer weiter. Wenn doch saniert wird, dann nur aus Gründen der Gefahrenabwehr oder zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Die FDP-Landtagsfraktion macht Pistorius heftige Vorwürfe: „Er mutet den Beamten Arbeitsbedingungen zu, die nicht tragbar sind“, schimpft Innenexperte Christoph Oetjen. Fraktionschef Stefan Birkner verlangt von Pistorius eine „ordnungsgemäße Unterhaltung und Sanierung der Liegenschaften. Für eine mittelfristige Planung müssen entsprechend Haushaltsmittel bereitgestellt werden“.

Von Britta Mahrholz