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Meine Stadt Hannover: Lüpertz-Fenster bald Fall für das Gericht?
Hannover Meine Stadt Hannover: Lüpertz-Fenster bald Fall für das Gericht?
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06:00 09.10.2018
Reinhard Scheibe zeigt, wo das neue Fenster hinkommen soll. Quelle: Foto: von Ditfurth
Hannover

Der Streit um das Lüpertz-Fenster für die Marktkirche wird vermutlich juristisch ausgetragen werden. „Nachdem das Gespräch mit Georg Bissen am Freitag für uns negativ ausgegangen ist, gibt es nur die Möglichkeit, das gerichtlich klären zu lassen“, sagte Reinhard Scheibe, Vorsitzender des Kirchenvorstands der Marktkirchengemeinde, gestern zur NP. „Es gibt bei uns keine erkennbare Tendenz, das Projekt aufzugeben.“

Als Erbe des Architekten Dieter Oesterlen hält dessen Stiefsohn Bissen das Urheberrecht an der baulichen Gestaltung der Kirche. Diese Gestaltung sieht er durch den Einbau des Kunst-Fensters gefährdet, da das von dem renommierten Künstler Markus Lüpertz gestaltete und von Alt-Kanzler Gerhard Schröder gestiftete Reformationsfenster die Atmosphäre des Kirchenraums beeinträchtige.

Ist der Basta-Kanzler einverstanden?

Zwei Wege hält Kirchenvorstand Scheibe für möglich, das Projekt auch ohne Bissens Einwilligung zu realisieren: „Wir können versuchen, über eine Feststellungsklage klären zu lassen, dass wir als Eigentümer höherer Rechte hätten“, so Scheibe. Alternativ könnte die Gemeinde allerdings auch Nägel mit Köpfen machen. „Wir könnten die Produktion in Auftrag geben und sehen, ob Bissen seinerseits gerichtliche Schritte einlegen würde.“

Ein solches Vorgehen müsste dann allerdings mit dem Stifter abgeklärt werden. Ob der als Basta-Kanzler bekannte Schröder mit einem derart rigiden Vorpreschen einverstanden wäre, ist unklar. Er habe aber klar signalisiert, an dem Projekt festhalten zu wollen, betonte Scheibe.

Kritik aus der Gemeinde, die Mitglieder über die Fensterpläne nicht ausreichend informiert zu haben, weist Scheibe deutlich zurück. „Es hat Informationsveranstaltungen gegeben. Die Kirchenordnung sieht aber vor, dass der Kirchenvorstand darüber zu entscheiden hat.“ Es gebe zwar das Instrument der Gemeindeversammlung, die könne aber nur Empfehlungen verabschieden. Insbesondere der Hotelier Veit Pagel hatte scharf gegen den Entwurf protestiert.

„Völlig klar, dass das nicht jedem gefällt.“

„Es handelt sich bei dem Entwurf um moderne Kunst, das Werk eines zeitgenössischen Künstlers“, sagte Scheibe. Da sei es völlig klar, dass dies nicht jedem gefalle. „Moderne Kunst ist seit Jahrhunderten umstritten.“ Beispielsweise enthält das Motiv einige Fliegen, die in der christlichen Ikonografie oft für das Böse stehen.

Über das weitere Vorgehen muss nun der Kirchenvorstand entscheiden. „Ich versuche gerade, einen Termin für eine außerordentliche Sitzung zu finden“, sagte Scheibe. Er sei zuversichtlich, dass ein Treffen innerhalb der nächsten 14 Tage zu organisieren sei.

Von Andreas Krasselt

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