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Meine Stadt Hannover: Letzter Gast verlässt Maritim-Hotel
Hannover Meine Stadt Hannover: Letzter Gast verlässt Maritim-Hotel
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00:17 20.12.2015
ALLES GEPACKT:Im Ballsaal des Maritim-Hotelslagern 700 Umzugskisten. Darin: Akten, die nun ins Archivkommen. Fotos: Dröse
Hannover

Am 30. Dezember werden die Schlüssel an den neuen Eigentümer übergeben werden: die Intown-Gruppe aus Berlin, die bereits das Ihme-Zentrum gekauft hatte. In zwei Jahren will der Investor das Hotel umbauen, geplant ist eine Fassade mit viel Glas. Bis dahin wird das Maritim zur Flüchtlingsunterkunft: Ab Januar werden mehr als 500 Asylbewerber das Hotel bewohnen - mindestens für ein Jahr.

Die großen Erfolgsjahre des Grand Hotel, das bei der Eröffnung 1965 noch „Intercontinental“ hieß und erst 30 Jahre später ein Teil der Maritim-Kette wurde, liegen lange zurück. Insgesamt verfügte das Hotel über 285 Zimmer, das günstigste kostete 70 Euro, die 180 Quadratmeter große Präsidentensuite bis zu 1600 Euro die Nacht. Zuletzt arbeiteten nur noch 55 Mitarbeiter in dem Betonklotz, das zwar einen erstklassigen Standort mit Blick auf das Neue Rathaus hat, jedoch außen wie innen als sanierungsbedürftig galt. Zudem litt das Hotel unter Auslastungsproblemen. Rund 55 000 Übernachtungen waren es nur noch jährlich.

„In den 1970er Jahren waren hier die absoluten Glanzjahre. Damals gehörten über 200 Mitarbeiter zum Team, ständig waren Politiker und Superstars zu Gast“, sagte Hoteldirektor Oliver Risse (47). Ein Gast ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: Bundespräsident Richard von Weizsäcker: „Eine beeindruckende Persönlichkeit und ein Mensch, zu dem man nur hinaufschauen konnte.“

Beeindruckend auch die Atmosphäre, die am letzten Arbeitstag im Grand Hotel herrschte. Lachen statt Tränen. Warmer Rückblick statt Verbitterung. Zumindest nach außen. Und das, obwohl alle Mitarbeiter am Ende des Tages ihre Kündigung in den Händen hielten. Risse: „Aber wir haben uns bemüht, alle Angestellten sozial abzufangen. Alle 14 Azubis wechseln in das Maritim-Hotel am Airport, und mit ihnen viele andere Kollegen. Ich selber auch.“ Dennoch sei das Aus des Haus bewegend, so der Direktor: „Mein Herz blutet.“ Küchenchef Gerd Clövers (61) geht nach 16 Jahren im Maritim in Ruhestand. Er bekochte viele Promis, an Prinz Edward denkt er noch heute: „Der wollte nachts eine Banane haben. Wir hatten alles da, nur keine Banane. Ich habe mein Team losgeschickt, bis sie in einer Bar eine fanden.“

40 Gäste, die meisten von ihnen Stammgäste, waren in der letzten Nacht im Grand Hotel. Risse: „Beim Auschecken flossen auch Tränen.“ Das Personal behielt die Fassung. Auch Empfangsdirektorin Martina Liepke (52): „Bis der letzte Gast geht, ist das ein Tag wie jeder andere.“ Liepke hat noch keinen neuen Job. Doch gestern lachte auch sie. „Den Besuch von Putin 2013 werde ich nie vergessen.“ Sein einwöchiger Aufenthalt mit seiner 150-köpfigen Delegation kostete einen hohen sechsstelligen Betrag. Liepke: „Erst wollten sie in Dollar bezahlen. Als ich sagte, dass wir nur Euro nehmen, kamen die Männer eine Stunde später mit zwei Edekatüten zurück. Darin war das Geld.“

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