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Meine Stadt Hannovers Hochschulen erhalten enorme Förderung
Hannover Meine Stadt Hannovers Hochschulen erhalten enorme Förderung
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21:27 28.09.2018
MHH und Leibniz-Uni hoffen auf Forschungsmillionen Quelle: dpa/Montage
Hannover

Hannover sei bescheiden hieß es am Freitag, klein sogar. „Aber in manchen Dingen sind wir einfach Weltspitze“, jubelte Professor Karsten Danzmann, Leiter des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik. Und er sprach damit aus, was wohl viele an der MHH und der Leibniz Universität im Moment fühlen: Jede Menge Stolz. Der Grund für die berechtigte Sektlaune: Vier Forschergruppen aus Hannover bekommen den Zuschlag für eine begehrte Spitzenförderung von Bund und Ländern bei den Exzellenzclustern. Die Exzellenzkommission in Bonn hat vier von fünf Anträge genehmigt. Neben einer sicheren Förderung (drei bis 10 Millionen Euro pro Jahr und Cluster) für die kommenden sieben Jahre, können beide Hochschulen darüber hinaus jetzt auch einen Antrag als sogenannter Exzellenzverbund stellen. Im Erfolgsfall würde das eine weitere Förderung von bis zu 28 Millionen Euro jährlich bedeuten.

Die vier geförderten Exzellenzcluster sind „PhoenixD“ und „QuantumFroniers“ der Leibniz-Universität sowie „Hearing4all“ und der „Resist“ der MHH (siehe unten). Auch diese große Anzahl kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, denn mit Berlin und Bonn gibt es nur zwei der 19 Städte, die bundesweit mit mehr Clustern punkten konnten. Hannover habe damit nicht nur in der deutschen Hochschullandschaft ein Ausrufungszeichen gesetzt.

Blick in die Zukunft: Karsten Danzmann und seine Kollegen von„Quantum Frontier“wollen Zeit und Raumneu vermessen.

Quantum Frontier

Physikalische Konzepte für die Messtechnik von morgen erforschen Physiker, Ingenieure und Naturwissenschaftler im interdisziplinären Netzwerk Quantum Frontiers. Ziel ist es, mit Hilfe der Quanten- und Nanowissenschaften immer präzisere Messverfahren zu entwickleln.

Physikalische Grundeinheiten wie Masse oder Zeit sollen so noch exakter definiert werden. Die entwickelten Technologien sind für kilometergroße Gravitationswellendetektoren genauso relevant wir für nanoskopische Licht-Emitter. Die Ergebnisse wirken sich auf viele Bereiche des täglichen Lebens aus – die Navigation und Erdbeobachtung, die Zeitsynchronisation, die Kryptographie oder die Materialentwicklung.

Partner der Leibniz Universität sind unter anderem das Max-Planck-Institut, die TU Braunschweig und das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation der Uni Bremen.

Laut niedersächsischem Wissenschaftsministerium prägt das Konsortium die Forschungslandschaft in diesem Feld, das sich so gut entwickelt, wie wahrscheinlich nirgends sonst in der Welt.

Lange ausruhen will man sich auf diesen Lorbeeren allerdings nicht. „Der Erfolg bringt Arbeit mit sich“, weiß Uni-Präsident Volker Epping. Denn mit dem Erfolg der Exzellenzcluster ist der Weg frei für einen gemeinsamen Antrag auf Förderung als Exzellenzverbund von MHH und Leibniz Universität. Voraussetzung dafür war die Bewilligung von insgesamt mindestens drei Exzellenzclustern. Der Antrag dafür muss im Dezember 2018 eingereicht werden. Sollten MHH und die Uni im Juli 2019 dann eine von elf Exzellenz-Universitäten werden, spielen sie sozusagen in der Champions-League der Förder-Töpfe: „Die Förderung wäre dann dauerhaft“, erklärt Epping. „Das ist unser Ziel.“

Augenmass: Professor Uwe Morgner von „PhoenixD“ forscht an optischen Präszisionsgeräten. Quelle: Schaarschmidt

PhoenixD

Ihre Forschung hat ein großes wirtschaftliches Potenzial: Das Cluster PhoenixD erforscht optische Systeme, die unter anderem für die Entwicklung hochpräziser aber konstengünstiger Kameras eingesetzt werden, oder aber den Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft minimieren können. Im Team arbeiten Wissenschaftler aus Maschinenbau, Physik, Elekrotechnik oder Informatik zusammen. Auch Optik für den medizinischen Bereich ist im Fokus.

„Wir wollen die Herstellung der Optik revolutionieren“, sagt Professor Uwe Morgner von der Leibniz-Universität. Mit der Förderung seien jetzt neue Professuren und Gebäude möglich. Sogar eine eigene Fakultät könnte gegründet werden. „Wir haben große Pläne und freuen uns über die Möglichkeiten“, so Morgner.

Partner im Cluster sind neben der Leibniz Universität, die TU Braunschweig, das Laser Zentrum Hannover, das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt Braunschweig.

Der Fokus des Konzepts für die Bewerbung liege dabei auf der Hand, erklärt MHH-Präsident Christopher Baum. „Gesundheit und Technologie lautet dabei das Motto.“ Die Zusammenarbeit der beiden Institutionen sei, nicht von oben diktiert, sondern seit den 1970er-Jahren gewachsen. Ein Beispiel sei das Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung (NIFE) genauso wie andere interdisziplinäre Projekte und nicht zuletzt die aktuellen Cluster.

Die Abwehr steht: Doktorandin Bizunesh Alamirew aus Äthiopien erforscht im Projekt „Resist“ Infektionen bei Patienten mit schwachem Immunsystem. Quelle: Kutter

Resist

Warum sind manche Menschen besonders anfällig für Infektionen? Dieser Frage widmen sich Forscher des Exzellenzclusters Resist – und zwar auf Weltnivau, wie Beobachter urteilen.

Der Ansatz der Forschungsgruppe: Kommt man den Gründen für von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägten Abwehrschwächen auf die Spur, lassen sich künftig bessere Diagnosen stellen und wirkungsvollere Therapien entwickeln, die individuell abgestimmt sind. Auch neue Vorsorgemaßnahmen können so entwickelt werden.

Besonders interessiert ist das Team von „Resist“ daran, die Kommunikation von Erreger und Wirt besser zu verstehen.

Beteiligte Partner im Cluster sind: Die MHH, das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig, Twincore Hannover, die Tierärztliche Hochschule Hannover, Centre or Structural Systems Biology Hamburg.

Darauf wolle man aufbauen, die Zusammenarbeit auf allen Ebenen noch mehr institutionalisieren, den Standort für internationale Spitzenwissenschaftler noch interessanter machen. „Es geht künftig noch mehr darum, den Mehrwert der Zusammenarbeit herauszuarbeiten“, so der MHH-Präsident. „Nah an der Öffentlichkeit, der Bevölkerung und auch im Austausch mit der Wirtschaft.“

Keine weitere Förderung hat übrigens der MHH-Forschungsverbund „Rebirth“ zu regenerativer Medizin erhalten. Bereits zweimal wurde Rebirth zuvor gefördert. Das Projekt werde nun in anderer Form im Regelbetrieb weitergeführt, so Baum. Auch Uni-Präsident Epping betont: „Es gibt für die Projekte immer einen Plan B, falls es mit der Förderung doch nicht klappt.“

OHRSACHE: Professor Thomas Lenarz und das Team von Hearing4all forscht daran, Gehörlosen und Schwerhörigen zu helfen.

Hearing4all

Eingeschränktes Hören wieder herstellen – daran arbeitet das Cluster Hearing4all bereits seit sechs Jahren. Und zwar mit einer Vielzahl an Technologien, wie etwa „intelligenten“ vernetzten Hörgeräten, ebenso wie Implantaten im Mittelhirn oder elektronischen Prothesen im Innenohr. Sogar die Entwicklung von Apps, mit denen man seine Hörfähigkeit selbst testen kann, gehören zum Portfolio.

Ein großer Teil der Forschung beschäftigt sich übrigens mit einem scheinbar fachfremden Thema: „Zwischen Demenz und Hörverlust besteht ein enger Zusammenhang“, so Cluster-Sprecher Thomas Lenarz. Deshalb bekämpfe man auch Demenz prophylaktisch.

Ein Projekt der unmittelbaren Zukunft sei die Entwicklung einer Hörklinik, die unter ihrem Dach alles von Vor- bis Nachsorge birgt. In den nächsten fünf Jahren soll es entstehen. Auch ein Deutsches Gesundheitszentrum für Schwerhörigkeit unter der Führung des Clusters sei ein Ziel.

Partner sind unter anderem die MHH, die Uni Oldenburg, die Leibniz Universität sowie das Frauenhofer Institut.

Von Simon Polreich

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