Navigation:

 
 © dpa

Schule

Hannover: Lehrer attackieren Ministerium

Philologenverband klagt über zahlreiche Abordnungen an Grundschulen.

Hannover.  Auch fünf Wo­chen nach Schulstart kehrt im Streit um die Abordnungen von Gymnasiallehrern an Grundschulen keine Ruhe ein. Gestern legte der Philologenverband Niedersachsen nach und warf dem Kultusministerium Chaos, Zahlenwirrwarr und mangelhafte Unterrichtsversorgung an Gymnasien vor.

„Wir bekommen täglich Briefe von betroffenen Lehrern und Eltern. Es muss endlich Schluss sein mit der Schönrednerei der Situation“, sagte Philologenchef Horst Audritz. Demnach hätten den Verband rund 200 Zuschriften aus den Gymnasien erreicht: „Ein Großteil der Meldungen kam aus Hannover sowie aus Braunschweig und Oldenburg.“ Der Verbandschef sprach von einer „besonderen Bedeutung der Inhalte“, die es verdient hätten, der „bisher getäuschten und falsch informierten Öffentlichkeit“ mitgeteilt zu werden. Ein Satz, der zeigt, welche Minusgrade das Verhältnis von Gymnasiallehrern und Ministerium erreicht hat – es herrscht Eiszeit.

„Wir müssen fast 150 Stunden abordnen. Damit werden etwa 25 Prozent des Kollegiums abgeordnet“, heißt es in einer Zuschrift. Oder: „Wir decken nicht wirklich Unterricht ab, sondern häufig Nachmittagsangebote oder Hausaufgabenhilfe.“ Verbandssprecherin Helga Olejnik: „Abordnungen hat es schon immer gegeben, aber diese Planlosigkeit und der fehlende Überblick sind beispiellos.“ Es sei schon empörend, wenn es durch die Abordnungen zu „hohen Unterrichtsausfällen an den Gymnasien“ komme – auch in Pflichtfächern. Denn, so Audritz, „auch Gymnasiasten haben ein Recht auf guten Unterricht“.

Zuletzt hatte das Ministerium mitgeteilt, dass es bislang mehr als 8300 Abordnungen von Lehrkräften mit 96 563 Stunden in diesem Schuljahr gebe. Zum 1. September gab es 421 Gymnasiallehrer, die zeitweise an Grundschulen zum Unterrichten abgeordnet wurden, zusammen 2133 Stunden. Audritz bezweifelt diese Zahlen, er geht von bis zu 1000 Gymnasiallehrern aus. Der Verbandschef fordert daher von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt: „Klarheit und Transparenz der Zahlen; Schluss mit der Schönrednerei und ein Ende von Maulkorbansagen.“ Die Behörden würden auf Schulleiter und Lehrer erheblichen Druck ausüben und ihnen kritische Äußerungen zu den Abordnungen verbieten, andere müssten bereits schriftlich Stellung nehmen, weil sie sich öffentlich geäußert hatten. Audritz: „Maulkörbe sind nicht statthaft!“

Sebastian Schumacher, Sprecher des Kultusministeriums, wies die Vorwürfe des Philologenverbandes zu­rück. Die Landesregierung habe versucht, möglichst viele Lehrer einzustellen, sich aber auf einem leergefegten Markt bewegen müssen. Da dies und andere Maßnahmen aber nicht ausgereicht hätten, seien Ab­ordnungen unvermeidlich gewesen. „Die Gymnasien haben die mit großem Ab­stand beste Unterrichtsversorgung der weiterführenden Schulen. Es gibt keinen sachlichen Grund, wieso nicht von Gymnasien abgeordnet werden sollte“, sagte Schumacher zur Kritik des Verbandes.

Von dem von Audritz er­wähnten Maulkorb des Ministeriums für Schulleiter sei ihm nichts bekannt. Schumacher: „Schulleitungen steht es offen, mit Medien zu sprechen.“

Von Britta Lüers


Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Kümmern Sie sich schon um Ihre Weihnachtseinkäufe?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok