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Meine Stadt Hannover: Lange Haftstrafe für Trickbetrüger
Hannover Meine Stadt Hannover: Lange Haftstrafe für Trickbetrüger
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00:17 01.06.2018
Hannover

Auf den zweiten Blick ist die hohe Strafe sehr nachvollziehbar. Denn Hikmet D. hatte bis 2017 eine sechsjährige Haftstrafe wegen ähnlicher Delikte abgesessen. „Sie waren nur ein Jahr in Freiheit. Sie haben eine außerordentliche Rückfallgeschwindigkeit“, sagte Richter Stephan Joseph.

Die drei Komplizen von Hikmet D. wurden im Landgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie hatten keine Vorstrafen. Richter Joseph rügte am Dienstag vor allem das „taktische Verhalten“ des Hauptangeklagten. Zuerst habe er vor dem Haftrichter ein Teilgeständnis abgelegt und sogar die Nennung von Namen der Hintermänner in Aussicht gestellt. „Doch im Prozess kam nichts“, so der Richter.

Die Angeklagten wurden wegen gewerbsmäßigen Betruges verurteilt. Sie waren die „Abholer“. Die Masche der Trickbetrüger: Ein Call-Center in der Türkei wählt willkürlich Namen aus. Dabei werden Personen ausgewählt, die hohen Alters sein könnten. Es gibt einen Anruf. In diesem Fall gaben sich die Anrufer als „Staatsanwalt Rosenbusch“ oder als Polizisten aus.

Am Telefon erzählte der Betrüger etwas von Einbrechern und Dieben, die auf das Geld der angerufenen Senioren aus seien. War die Masche erfolgreich, kam Hikmet D. ins Spiel. Er mietete Auto, organisierte Komplizen, die die Beute abholten. Dabei trat Hülya B. (29) als Geldwäscherin auf. Sie überwies die Beute in die Türkei. „Sie haben den Apparat vorgehalten und waren deshalb eine ganz wesentliche Person in diesem Geschäft“, erklärte Richter Joseph.

Ein Opfer war Anna Lohse (85, Name geändert) aus Laatzen. Sie hob am 30. Juni 2017 rund 6500 Euro von ihrem Konto ab und legte es in einen Papierkorb. Bei einem Opfer in Nordhorn erbeuteten die Angeklagten 65 000 Euro. Alles innerhalb weniger Wochen.Richter Joseph meinte, dass Hikmet D. in dem Prozess Chancen vertan hatte. Deshalb die hohe Strafe. Die Staatsanwältin hatte fünf Jahre gefordert. Der Angeklagte habe ein Drogenproblem vorgetäuscht, um in eine therapeutische Anstalt zu kommen. Doch für eine Suchtmittelabhängigkeit habe es keinerlei Hinweise gegeben.

Erneut haben falsche Polizisten zugeschlagen

Erneut haben falsche Polizisten zugeschlagen. Der Fall der 69-jährigen Hildesheimerin zeigt dabei deutliche Parallelen zu ähnlichen Vorfällen aus Hannover auf.

Die Seniorin wurde um mehrere zehntausend Euro, ein Sparbuch und mehrere Goldbarren gebracht. Die Frau erhielt am Montagabend einen Anruf. Der angebliche Polizist berichtete ihr, dass gegen eine rumänische Bande ermittelt wird, die ältere Menschen ausrauben würde. Angeblich sollte sie das nächste Opfer werden. Deshalb sollte sie ihr Vermögen in einem Gebüsch deponieren. Das tat die Frau.

Vor wenigen Tagen erbeuteten Unbekannte 99 000 Euro von einem 80-Jährigen aus Hemmingen. Hier hatte sich ein „Kommissar Bach“ gemeldet, erzählte dem Senior von Ermittlungen gegen einen Bankangestellten, weil dieser Falschgeld in Umlauf bringe. Um diesen zu überführen, sei die Mithilfe des 80-Jährigen notwendig. Deshalb sollte er auch eine größere Summe Bargeld an einen Kollegen von „Kommissar Bach“ übergeben.

Von Thomas Nagel

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