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Meine Stadt LKA sagt falschen Polizisten den Kampf an
Hannover Meine Stadt LKA sagt falschen Polizisten den Kampf an
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18:20 14.03.2019
Der sogenannte Enkeltrick ist nur eine Masche der Kriminellen. Quelle: dpa
Hannover

Es beginnt mit einem Anruf und endet im schlimmsten Fall im totalen finanziellen Ruin. Auch in Hannover fallen immer mehr ältere Menschen auf Trickbetrüger herein, die sich am Telefon als falsche Polizisten ausgeben, um an die Ersparnisse ihrer Opfer zu kommen. Vor dem Hintergrund der in Niedersachsen sprunghaft angestiegenen Zahlen stellte das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen am Donnerstag seine neue Präventionskampagne vor. Ein kleiner Papieraufsteller mit Verhaltensregeln neben dem Telefon soll Schlimmes verhindern.

Zahlen steigen weiter an

Die Entwicklung in den vergangenen Jahren ist alarmierend. Das belegen die Zahlen. Registrierte die Polizei im Jahr 2013 landesweit noch 49 Fälle und lediglich sieben vollendete Taten, waren es im vergangenen Jahr 4235 Taten, davon 97 vollendet. Die Schadenssumme schnellte im selben Zeitraum von 35 000 Euro (2013) auf satte 4,7 Millionen Euro (2018) nach oben. Was aus Sicht der Polizei besonders frustriert: „Die Täter nutzen skrupellos das Vertrauen der Bevölkerung in die Organisation Polizei aus. Das können und werden wir nicht hinnehmen“, stellte Friedo de Vries, Präsident des LKA, klar.

Falsche Polizisten am Telefon: Die Anzahl der Taten steigt beträchtlich. Quelle: Lill

Erst im Januar hatte ein Senior aus der Calenberger Neustadt Geld und Goldmünzen im Gesamtwert von rund 120 000 Euro aus seinem Bankschließfach geholt. Als er seine Ersparnisse zum Treffpunkt bringen wollte, wurde er überfallen. 110 000 Euro ergaunerten die Betrüger in einem weiteren Fall bei einem Paar älteren Paar aus Isernhagen. Die perfide Masche, mit der die Gauner an das Geld der Senioren kommen, variiert zwar, funktioniert aber immer nach dem gleichen Prinzip.

Tagelang unter Druck gesetzt

Angebliche Polizisten spielen ihren Opfern am Telefon vor, dass ihr Geld zu Hause oder auf der Bank nicht mehr sicher sei. Bargeld und Schmuck müssten zum Schutz vorübergehend an einen Beamten ausgehändigt werden. Dass weder der Anrufer noch die zweite Person Polizisten sind, merken die Opfer zu spät. Rita Salgmann, Leiterin Prävention beim LKA, räumte am Donnerstag mit dem Vorurteil auf, dass lediglich geistig abbauende Senioren den Gaunern auf dem Leim gehen. „Es gibt Opfer, die mitten im Leben stehen. Wir warnen davor zu sagen: Das kann mir nicht passieren.“ Denn so kriminell die Betrüger sind, so professionell und geschickt gehen sie bei den sogenannten Anbahnungsgesprächen vor. „Die Täter sind sprachgewandt und psychologisch geschult“, warnt LKA-Chef de Vries. Die Opfer werden oft über Tage immer wieder angerufen, gezielt Druck gesetzt und so zum Äußersten getrieben. Dabei spiele ihnen häufig die soziale Isolation der älteren Menschen in die Karten.

Falsche Polizisten am Telefon: Die Schadenshöhe explodiert. Quelle: Lill

Wie erfolgreich die Masche leider ist, verdeutlichte das LKA anhand von zwei Fällen. Eine 77-Jährige wurde über drei Wochen wiederholt angerufen. Am Ende brachten sie die Betrüger dazu, ihre Ersparnisse in drei Teilen in Höhe von insgesamt einer Million Euro zu übergeben. Und: Eine 86-Jährige löst bei der Bank nicht nur ihr Konto und ihre Immobilienfonds auf, sondern verkaufte am Ende sogar ihr Haus, um auch diesen Erlös zu übergeben – Schadenssumme: 290 000 Euro.

Callcenter sitzen oft im Ausland

Geldübergaben können zwar immer häufiger vereitelt werden, die Ermittlung der Drahtzieher gestaltet sich für die Behörden jedoch schwierig. Die überregional agierenden Gruppen rufen aus Callcentern im Ausland an – in der Regel aus der Türkei. Häufig taucht bei den Opfern dann sogar die Nummer 110 im Display auf. Aktuell sei es noch nicht möglich, bekannte gefälschte Nummern zu sperren. „Wir brauchen die Unterstützung der Justiz. Wenn in der Türkei ermittelt wird, ist der Rechtsweg eingeschränkt“, so de Vries. Umso mehr setze man daher auf Prävention. 50 000 Papieraufsteller neben dem Telefon, die über Ärzte, Menü-Bringdienste und Sozialverbände in Umlauf kommen, sollen die Senioren daran erinnern: Die Polizei ruft niemals unter der 110 an, fordert niemals Bargeld oder Wertsachen. Im Zweifel sollte man selbst die Polizei anrufen. „Jeder Hinweis“, so de Vries, „ist wichtig für uns und kann dabei helfen, den Betrügern das Handwerk zu legen.“

So melden sich falsche Polizisten

Wie läuft so ein Anruf eines falschen Polizisten ab, der Senioren um ihr Erspartes bringen will? Das LKA veröffentlichte gestern den Auszug aus einem Gespräch, das über eine überwachte Leitung geführt wurde.

Opfer: Hallo!

Anrufer: Oberkommissar Neumann mein Name, Spreche ich mit Hans-Joachim X?

Opfer: Ja?!

Anrufer: Unsere Beamten haben in der X-Straße gestern zwischen zwei und drei Uhr drei Täter festgenommen. Einer der Täter ist uns entwischt. Bei der Durchsuchung hat man eine Tasche festgestellt. In der Tasche befanden sich Schießwaffen, Einbruchswerkzeuge und ein Notizblock, in den man Ihre Daten festgestellt hat.

Opfer: Meine Daten?

Anrufer: Ja genau. Da stand: Hans-Joachim X, X-Straße4, älterer Herr, geboren am 5.11.36.

Opfer: Das bin ich.

Anrufer: Da stand hier was von hohen Wertgegenständen. Ich frag mal so: bekommen Sie Anrufe, wo Sie natürlich rangehen und sich keiner meldet?

Opfer: Ja, öfter mal.

Anrufer: Okay. Woher wissen die Täter den Bescheid von einem Schließfach oder einem Tresor?

Opfer: Nee, sowas habe ich ja gar nicht.

Von André Pichiri

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