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Justiz

Hannover: Kumpel getötet - Vollrausch führt ins Gefängnis

Sie lebten im sogenannten Polen-Lager zwischen Schrott und alten Möbeln. Ihre Unterkunft waren Baracken oder heruntergekommene Wohnwagen. Nun müssen Kazimierz K. (35) und Piotr W. (36) ihr Quartier an der Burgwedeler Straße (Bothfeld) gegen Gefängniszellen
eintauschen.

Hannover. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts verurteilte K. zu vier Jahren und drei Monaten und W. zu vier Jahren Gefängnis. Beide hatten nach Überzeugung des Gerichts ihren Kumpel „Malutki“ (36, polnisch für ,der Kleine‘) erschlagen – in der Nacht vom 6. auf den 7. August 2015.

Doch entgegen der Anklage wurden die Obdachlosen nicht wegen Totschlags verurteilt. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch schickt die beiden Polen wegen vorsätzlichen Vollrauschs ins Gefängnis. Sie waren also so betrunken, dass sie nicht wussten, was sie taten. Einen Tag nach der Tat hatte K. vier und W. 3,59 Promille. Beide wirkten in diesem Zustand noch „bewusstseinsklar“.

Doch da fängt es mit den Ungewissheiten an. „Wir wissen nicht, wie viele Promille Sie zur Tatzeit hatten“, sagte Rosenbusch. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil die genaue Tatzeit nicht feststeht. Auch warum der Lette sterben musste, bleibt ungewiss. „Wir kennen das Motiv nicht“, meinte der Richter. Ebenso wenig halfen die Zeugenaussagen weiter, weil jeder „irgendeine Geschichte erzählt“ habe. Die Angeklagten sagten, dass „Malecki“ ihr Freund gewesen sei. Sie könnten sich an die Sommernacht nicht mehr erinnern. Zwei Saufkumpane, die mit den Angeklagten und dem Opfer tranken, sind kurz nach der Tat verschwunden. Von ihnen liegen nur polizeiliche Aussagen vor.

Wohl selten dürfte Richter Rosenbusch ein Urteil mit so vielen ungeklärten Fragen gesprochen haben. „Wir wissen nicht wirklich, was passiert ist“, erklärte Rosenbusch. Was bleibt, ist die objektive Spurenlage. An den Tatwaffen, zwei Stuhlbeinen, fand sich die DNA der Angeklagten. Sie schliefen mit ihrem Kumpel in einem Wohnwagen. Darin waren die Blutspritzer und Hautpartikel des Opfers gleichmäßig verteilt. An den Schuhen und der Kleidung von K. und W. fanden sich Blutspritzer des Opfers.

Also haben sich die Angeklagten des vorsätzlichen Vollrausches schuldig gemacht. Höchststrafe fünf Jahre Gefängnis. Im Zustand der Schuldunfähigkeit haben sie eine Körperverletzung mit Todesfolge begangen. Die beiden Angeklagten sind schwere Alkoholiker. Schon morgens mussten sie weiter trinken, um ihren Pegel zu halten. Kazimierz K. berichtete dem psychiatrischen Gutachter, dass er auch Brennspiritus mit Parfüm getrunken habe. Zumindest, wenn er kein Geld für Wodka und Bier hatte. Eine Therapie für die Delinquenten schloss das Gericht wegen mangelnder Erfolgsaussichten aus. Rosenbusch: „Sie sprechen kein Deutsch.“


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