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Meine Stadt Hannover: Kommen Körperteile bald aus dem 3D-Drucker
Hannover Meine Stadt Hannover: Kommen Körperteile bald aus dem 3D-Drucker
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00:16 17.04.2017
VIELE VISIONEN: Professor Thomas Scheper zeigt ein Herz aus dem 3D-Drucker – irgendwannsollen solche Kunst-Körperteile genutzt werden könne. Quelle: Fotos: Wilde
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Hannover


Das Drucken der Körperteile ist überhaupt kein Problem mehr, weltweit wurden bereits verschiedenste produziert. Dafür wird das zu ersetzende Körperteil vermessen und ein genaues 3D-Abbild geschaffen. Ein dafür genutztes Material ist ist Polymilchsäure -– die bioverträglich ist. Ideal wären aber körpereigene Materialien wie Kollagen. An der Herstellung solcher Druckmaterialien arbeitet das Team. „Die gedruckten Teile kommen aber noch nicht direkt in den Körper – sondern erst in den Bioreaktor“, sagt Blume. Darin befinden sich menschliche Zellen, die das gedruckte Teil quasi besiedeln und, je nach Einsatzort, langfristig auch ersetzen können. „So entstehen für den Menschen verträgliche Strukturen aus seinen eigenen Zellen.“

Möglich ist dabei laut Scheper eigentlich alles. Gefäße ließen sich genauso herstellen wie eine Halsschlagader. Die Zellen stammen aus dem Menschen, der das Implantat mal bekommen soll, „so ist das Infektionsrisiko geringer als bei tierischen Quellen.“ Die Zellen werden aus etwas Fettgewebe isoliert, „aus ihnen kann dann theoretisch jedes Organ werden – es sind Stammzellen, es ist alles daraus machbar, Knochen, Knorpel, Muskeln.“

In einem Bioreaktor finden sich dann für die Zellen und das Körperteil ideale Voraussetzungen, um sich zu verbinden. Scheper erklärt, „wenn etwa für die Bypass-OP ein Gefäß gebraucht wird, drucken wir das und packen es in den Reaktor.“ Dort werde es dann von den Zellen besiedelt, sie wachsen in den künstlich erschaffenen Schlauch ein. „Wenn es genug sind, kann der Schlauch in den Menschen gesetzt werden, dort wird er dann weiter integriert - irgendwann ließe es sich gar nicht mehr nachweisen, dass er irgendwann etwas anderes gewesen ist als Teil des Menschen.“ In dem Reaktor werden zudem die Druckverhältnisse simuliert – würde das Körperteil unter den realen Bedingungen gebogen und man hätte es nicht vorbereitet, wäre das problematisch. „Stellen Sie sich vor ein Fußballer bräuchte neue Bände, die müssen ja auf Dehnung vorbereitet sein.“

Cornelia Blume berichtet von der Vision, zu der die Forschung führen soll: „Irgendwann könnte neben jedem OP so ein Reaktor stehen. Es würde ermittelt werden, was der Patient in seinem Fall benötigt, das entsprechende Körperteil produziert und dann nach wenigen Tagen oder Wochen eingesetzt werden.“ Der Traum: „Irgendwann aus Fettgewebe Hirn zu machen.“ Rein logisch ist das möglich, es fehlt nur noch an den Rahmenbedingungen.

Für Scheper liegt in der Forschung die Zukunft, zeitgleich erwartet sie auch mehr Fairness für den Patienten: „Bei Organspenden ist die Frage: Wer bekommt was. Hier kann einfach passend ‚bestellt’ werden.“ Gleichzeitig müsse auch Vorsicht walten – die Uni begleitet das Projekt auf mehreren Ebenen, auch der ethischen: „Wir wollen erfahren, wie die Menschen diese Technik sehen, ob sie ihnen Angst macht.“ Involviert seien auch Medizinische und Tierärztliche Hochschule. Die gemeinsame Arbeit ist wichtig, weltweit wird an den verschiedenen Verfahren geforscht, von Blasen bis Haut alles hergestellt. Der Zahn war nur der Anfang.

Von Sebastian Scherer

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