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Meine Stadt Hannover: Komatrinken im Maschpark
Hannover Meine Stadt Hannover: Komatrinken im Maschpark
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00:16 28.05.2017
HANNOVER: Am Maschsee und im Maschpark treffen sich Tausende – vorrangig zum Trinken. Immer wieder muss die Polizei eingreifen, mehrheitlich bleibt es aber bei friedlichen Saufspielen. Entsprechend bergab gehts im Lauf des Tages mit Artikulation und Stehvermögen.  Quelle: Christian Behrens
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Hannover, HANNOVER

 Idylle am Wasser. Aus Hildesheim, Hannover, Springe sind Freunde an den Silbersee (Langenhagen) gereist. „Die meisten Orte sind uns zu nervig“, sagt Anne Marie (24), während Benjamin (31) am Grill Würstchen wendet. Klar gibts Bier, „aber alles entspannt hier.“ Etwas weiter haben sich einige Dutzend junge Menschen getroffen, trinken, quatschen. Entspannt.

Szenenwechsel, 16.30 Uhr, Maschpark. Vorm Rathaus tanzen Menschen zu Swing-Musik. dahinter ballern aus vielen improvisierten Anlagen dicke Bässe für Tausende Trinker. Eine etwa 20 Jahre alte Frau erbricht, binnen Minuten sind mindestens sieben Leute durch die Lache getorkelt. Vier Polizisten sitzen auf einem jungen Mann, der vorher wohl geprügelt haben soll. Keine zehn Minuten vorher saßen andere Beamten auf einem anderen Mann, gleicher Grund. Dazwischen stützen drei Freunde einen mit Krücken – offenbar gebrochener Fuß – ausgestatteten Kerl. Der sich wohl vorher hätte überlegen sollen, dass er so sternhagelvoll mit solch Verletzung nicht mehr vorankommt. Vielleicht hat er die vermeintlich lustigen Sprüche auf Bierbäuche verpackenden T-Shirts zu ernst genommen. Solche wie: „Wer nicht kotzt, ist nicht am Limit“ und „Der Klügere kippt nach.“ Ein Heranwachsender beschwert sich bei seinem Kumpel über die vielen anwesenden Frauen: „Was machen denn die Bitches hier? Überall Bitches ey.“ Bitch bedeutet Hündin auf Englisch, wird aber heute vorwiegend frauenverachtend benutzt.

Vatertag in Hannover, das ist im Bereich Maschsee und Maschpark vor allem die gelebte Legitimation, sich den ganzen Tag so gut wie (oder gleich ganz) ins Koma zu saufen. Dass einige ihre Bollerwagen aufwendig gestalten – daran werden sich viele Passanten nicht erinnern. „Bloß nicht veröffentlichen“, sagt einer, der dem NP-Fotografen ins Bild läuft. „Ich bin krankgeschrieben!“ Heute werden bestimmt einige jener ausfallen, die gestern schon um 17 Uhr kaum wissen, wie sie heißen. Und das sind Hunderte.

Vielleicht machen es einige von ihnen nächstes Jahr doch eher wie Jan (19), Murice (20) und Dennis (20) aus Misburg. Die Grillen mit dem Grill von einer Tante Burger und trinken ein paar Bier. Und sehen auch nachmittags noch aus, als würden sie den Freitag noch erleben.

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Polizei hat viel zu tun

 Gegen 19 Uhr hatte die Polizei gestern noch keine besonderen Vorkommnisse zu vermelden – aber ein „erhöhtes Einsatzaufkommen, das zieht aber vor allem in den Abendstunden jedes Jahr immer heftig an“, sagte eine diensthabende Beamtin auf Anfrage. Schnapsleichen, Ohrfeigen, Körperletzungen – „das Übliche eben.“ Für die Polizei ist Himmelfahrt jedes Jahr Schwerpunkteinsatz.

Eine genaue Auswertung der Einsätze wird die Behörde heute veröffentlichen. An mehreren bekannten Treffpunkten – etwa Steinhuder Meer, Silbersee, Hufeisensee – herrschte ein Alkoholverbot. Nachmittags wurde an vielen der Orten trotzdem getrunken. Ein Beamter erklärt: „Wir lassen die Leute hier ein Bier zur Bratwurst trinken, behalten uns aber vor, einzugreifen, wenn es ausufert.“

Vergangenes Jahr hatte sich ein 17-Jähriger 2,87 Promille angesoffen, im Bereich Maschsee-/park hatte die Polizei zudem 2016 insgesamt 54 Strafverfahren eingeleitet, das Jahr davor waren es 20 gewesen.

Von Sebastian Scherer

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