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Meine Stadt Hannover: Bio-Gärtnern im Modellgarten
Hannover Meine Stadt Hannover: Bio-Gärtnern im Modellgarten
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15:21 15.08.2018
Kita-Kinder arbeiten im Modellgarten des BUND-Projekts Universum Kleingarten an einem Hochbeet. Quelle: Krasselt
Hannover

Vier Kinder sitzen unter dem Sonnensegel und malen voller Begeisterung zwei Holzbretter an. Drei andere warten. Auch sie dürfen gleich ran, zwei weitere Bretter müssen bemalt werden. Schließlich hat ein Hochbeet vier Seiten.

Die Sieben gehören zur Schlauer-Fuchs-Gruppe der Zachäus-Kita, einer von zwei Kitas der Zachäus-Gemeinde, die mit dem Projekt Universum Kleingarten des BUND zusammenarbeiten. Denn dieses Projekt, im vergangenen Jahr in der Kolonie Steintormasch erfolgreich gestartet, ist nicht nur um drei weitere Kolonien erweitert worden, gemeinsam mit den Hobbygärtnern haben die Naturschutzexperten auch einen Modellgarten in der Kolonie Herrenhausen-Burg angelegt. Der eben nicht nur Erwachsenen Einblicke ins Öko-Gärtnern vermitteln will, sondern auch Kinder dafür begeistern möchte.

Das Projekt Universum Kleingarten

Ziel des BUND-Projekts Universum Kleingarten ist die Ökologisierung der Kleingärten. Hobbygärtner sollen sich an die Ur­sprungsidee der Kolonien erinnern: jeweils ein Drittel der Fläche als Ziergarten, für die Erholung, aber auch für den Obst- und Gemüseanbau ganz klassisch für den Eigenbedarf. Und dies natürlich auf biologischer Basis ohne chemische Keule mit alten Sorten, Kompostierung und Humusaufbau.

Begonnen wurde das Projekt erfolgreich 2017 in der Gartenkolonie Vereinigte Steintormasch. Unterstützt und fachkundig beraten werden die Kleingärtner, die sich daran beteiligen, von Mitarbeitern des BUND. „Viele haben Blut geleckt“, freut sich BUND-Sprecherin An­drea Preißler-Abou El Fadil, „vier Teilnehmer haben sich sogar zur Fachberater-Ausbildung angemeldet. Das Projekt bringt wirklich was.“

In diesem Jahr neu als Partner dazugekommen sind drei weitere Vereine: Herrenhausen-Burg, Burgland und Langefeld. „Es entwickelt sich“, so Preißler, „wir wollen verstärkt auch Eltern und Kinder ansprechen.“ Dafür gut geeignet dürfte der neue Modellgarten des Projekts in der Kolonie Herrenhausen-Burg sein.

Im nächsten Jahr hofft der BUND auch, wieder einen größeren Verein als Partner hinzugewinnen zu können. Die Zusammenarbeit mit dem Bezirksverband funktioniere sehr gut, betonte Preißler: „Wir wollen ein Leuchtturmprojekt für ganz Niedersachsen werden.“

Mehrere der Kita-Kinder kennen das Gärtnern schon, da ihre Eltern Schrebergärten haben. „Ich durfte schon einmal beim Rasen mähen helfen“, sagt ein Fünfjähriger stolz. Ein Mädchen freut sich schon auf die nächsten Schritte: „Luftzwiebeln und Ringelblumen will ich pflanzen“, sagt sie.

Kleine Blumen, eine Sonne und vor allem viele kleine Händeabdrücke zieren mittlerweile die Bretter, welche die Wände des geplanten Hochbeets abgeben sollen. Für die Erzieherinnen Karin Steinmetz und Stefanie Klein ist das BUND-Projekt eine tolle Sache. „Wir legen in unserer Kita ohnehin viel Wert auf gesunde Ernährung“, sagt Klein. „Es gibt bei uns Rote-Beete- oder Sellerie-Salat, wir backen Brot aus selbst gemahlenem Mehl.“ Und künftig dürfte das ein oder andere selbst gezogene Gemüse den Speisenplan bereichern.

Zugegeben, groß wird das Hochbeet nicht werden. Dazu sind die Hände ja auch noch zu klein. In einem ersten Beet, von einer anderen Kita-Gruppe angelegt, aber wachsen Erbsen, Möhren, Mangold und Snack-Paprika hervorragend. Das wird im zweiten Beet nicht anders sein.

Projektmitarbeiter Jan Heeren zeigt das erste, von Kindern gebaute und bepflanzte Hochbeet. Quelle: Foto: Krasselt

Das Highlight für die Kinder aber ist der Wildnis-Pfad, der leider gerade von eifrigen Helfern der Nachbargärten etwas verkleinert wurde. Durch das Dickicht konnten die Kinder auf einem dunklen, abenteuerlichen Pfad unter verschiedenen Büschen und Bäumen herumkriechen, vorbei an unterschiedlichen Wildkräutern, oder sich in einer Höhle verstecken.

Am Ende des Pfades schließlich liegt der „Essbare Dschungel“, aus dem derzeit insbesondere die hohen Maishalme herausragen. Hier zeigen die Experten des BUND, was man an Gemüse im Kleingarten ziehen kann – und wie schön das aussieht. Die kräftigsten Farbakzente kommen vom Amaranth, unter dem Mais sind erste Kürbisse zu sehen. Der Mangold wächst kräftig, und essbare Blühpflanzen wie Cosmea und Tagetes geben den optischen Kick.

Eigentlich hätten noch Bohnen dazu kommen sollen, wie bei einem südamerikanischen Milpa-Beet, das als anschauliches Beispiel für gelungene Mischkulturen seit einem Jahr vor dem Vereinsheim der Kolonie Steintormasch zu sehen ist. „Die Bohnen haben wir aber wohl zu spät gesetzt“, sagt Jan Heeren, der das BUND-Projekt als Landschaftsgärtner betreut. „Die hatten vermutlich Probleme mit der Hitze.“

Der Modellgarten im Fliederweg 78 der Kolonie Herrenhausen-Burg ist „Knall auf Fall“ entstanden, wie Projektmitarbeiterin Anke Bischoff berichtet. Der Garten sei am 19. Mai erstmals besichtigt worden. Er hatte viele Jahre lang leer gestanden und war entsprechend verwildert. Das bot zwar auch die Chance, nicht nur den Kindern ein bisschen Wildnis zu zeigen. Dennoch musste er erstmal in weiten Teilen gelichtet werden, um überhaupt etwas anpflanzen zu können. Am 23. Mai rodetet der Gemeinschaftsdienst der Kolonie das Gestrüpp, am 29. Mai wurde das erste Beet angelegt. Anfang Juli begann die Kooperation mit den Kindergärten der Zachäus-Gemeinde. Und am Mittwoch, dem 15. August, wurde nun von den Kindern das zweite Hochbeet in Angriff genommen. Eine Woche später soll gepflanzt werden, wahrscheinlich Rote Beete, Salat und Kohlrabi.

Der Modellgarten ist offen und jederzeit zu besichtigen. Darüber hinaus bietet der BUND auch hier regelmäßig Informationsveranstaltungen und Aktionen an.

Projektveranstaltungen

Im Rahmen des Projekts Universum Kleingarten lädt der BUND regelmäßig zu Veranstaltungen ein. Hier die September-Termine:

Am Sonnabend, dem 1. September, findet der Workshop „Wintergemüse, Zwischenkulturen, Gründünger“ statt. Um 11 Uhr im Kleingartenverein Vereinigte Steintormasch, Garten in der Kolonie Rosendorf, Asternweg 66, sowie von 14 bis 16 Uhr im Modellgarten in der Kolonie Herrenhausen Burg im dortigen Fliederweg 78.

Am Sonnabend, dem 22. September, gibt es von 14 bis 17 Uhr im Vereinsheim der Kolonie Burgland, Lotte-Burghardt-Weg 32, einen Vortrag mit Workshop zum Thema Saatguterhaltung und Saatgutgewinnung. Die Veranstaltung wird am Sonntag, 23. September, im Expo-Haus, dem Vereinsheim der Kolonie Steintormasch, In der Steintormasch 5, wiederholt. Die Uhrzeit bleibt gleich.

Ebenfalls am Sonntag, dem 23. September, werden im Modellgarten im Rahmen eines Kinder- und Familienworkshops von 14 bis 17 Uhr eine Wurm-Wanderkiste und eine Wurmfarm gebaut. Thema: Vom Regen- und Kompostwurm bis zur fruchtbaren Erde – ein organischer Kreislauf.

Von Andreas Krasselt

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