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Meine Stadt Hannover: Jugendliche fordern BMX Parcours
Hannover Meine Stadt Hannover: Jugendliche fordern BMX Parcours
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00:16 23.09.2016
SIE WOLLEN MEHR: Die BMX-Fahrer haben ihren Parcours an der Podbi selbst aufgebaut. Sie fordern, dass die Stadt mehr für die Jugendlichen macht. Quelle: Behrens
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Hannover

Andy Müller (18) fährt fast jeden Tag zum Jugendsportzentrum an der Podbielskistraße. Hinter dem Gebäude hat sich der 18-Jährige mit anderen BMXern im Frühjahr einen provisorischen Parcours aufgebaut, zuvor musste die alte marode Anlage abgerissen werden. Aus Bauholz zimmerten die Jugendlichen den neuen Parcours: „Nichts für die Ewigkeit, in spätestens drei Jahren vergammelt das.“ Müller und seine BMX-Freunde sagen: „Hannover braucht einen richtigen BMX-Park, der rund um die Uhr nutzbar ist. Entweder hier hinter dem Jugendsportzentrum oder an einem anderen Ort in der Stadt.“ Die Jugendlichen haben Angebote eingeholt und einen Entwurf kreiert. Kosten: rund 166 000 Euro.

Und er wäre der erste in ganz Niedersachsen, berichten die BMXer. „Der nächste Parcours ist in Bielefeld“, weiß Gianluca Aversa (17) - und fügt hinzu: „Momentan kommen sogar Leute aus anderen Städten her zum Fahren. Wenn wir einen richtigen Park hätten, wäre das erst recht ein Magnet - und zwar deutschlandweit. Doch die Verantwortlichen betrachten uns immer noch als Randgruppensportart.“ Dabei sei der Bedarf nach BMX- und Skate-Anlagen gestiegen, sagt Jan Biskup, Sozialpädagoge im Jugendsportzentrum.

Die Jugendlichen sind enttäuscht von Verwaltung und Politik: „Es ist, als würden wir in deren Köpfen gar nicht existieren. Spiel- und Bolzplätze gibt es in der Stadt wie Sand am Meer, aber uns will keiner haben.“ Auch Sozialpädagoge Biskup kritisiert: „Es ist alles wichtiger als die Freizeitgestaltung der Jugendlichen. Diese jungen Menschen wollen wahrgenommen werden, aber Jugend hat auch in Hannover keine Lobby!“

Henning Hofmann (SPD), Bezirksbürgermeister von Buchholz-Kleefeld, haben die BMXer längst überzeugt: „Ich bin Feuer und Flamme. Hannover würde sich mit einem BMX-Park ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal schaffen, eine Leuchtturmfunktion übernehmen.“ Hofmann sieht die Verwaltung am Zug: „Die müssen zwei bis drei Gänge hochschalten, damit das Projekt in naher Zukunft Realität wird.“

Was sagt die Stadt? Die Verwaltung weist darauf hin, dass Hannover „in der Angebotsvielfalt im bundesweiten Vergleich gut“ aufgestellt sei. Zudem gebe es einen Beirat zur Förderung von Jugendkulturen, der aus acht Jugendlichen besteht.

„Die Jugend hat keine Lobby in Deutschland“

Er zählt zu Deutschlands bekanntesten Jugendforschern: Klaus Hurrelmann (72), Professor an der Hertie School of Governance in Berlin, im Interview.

Wird der Jugend heutzutage noch genug Raum gegeben?
Nein, vor allem in Großstädten ist das ein größer werdendes Problem. Dort nehmen Bauten und Verkehr immer mehr Platz ein. Räume, die etwa von Jugendlichen erschlossen werden könnten, bleiben auf der Strecke.

Reichen Jugendzentren aus?
Traditionelle Jugendzentren stoßen bei den jungen Menschen nicht mehr auf das Interesse wie früher. Das hängt mit veränderten Bedürfnissen zusammen, aber auch mit der Zunahme von Ganztagsschulen. Dort gibt es am Nachmittag die Angebote, die es eben früher in Jugendzentren gab. Wenn man das dort schon hat, sucht man in seiner Freizeit nach anderen Dingen.

Ist es falsch, wenn Kommunen an Angeboten für die Jugend sparen?
Ja! Das ist fahrlässig und kurzfristig gedacht. Dabei sind es machbare Projekte. Sie sind aber unbeliebt, weil BMX- und Skate-Anlagen Lärm machen können. Der Protest der Anwohner ist meist groß, der Atem der Politiker zu kurz. Leider hat die Jugend keine Lobby in Deutschland! Man kann auch sagen: Deutschland ist jugendentwöhnt. Das muss sich dringend ändern.

Warum?
Weil es zum Jugendalter dazugehört, sich zu entfalten, zu bewegen, Spaß zu haben und Sport zu machen. Und es bereichert zudem auch eine Stadt und die gesamte Gesellschaft.

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