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Meine Stadt Hannover: Ist der Zoo zu teuer?
Hannover Meine Stadt Hannover: Ist der Zoo zu teuer?
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00:17 16.12.2017
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Hannover

Andreas Casdorff ist seit 2013 Chef des Erlebnis-Zoos Hannover mit seinen rund 470 Mitarbeitern.

Herr Casdorff, Ende 2017 fehlen dem Zoo wohl gut zwei Millionen Euro in der Kasse. Grund sind rund 200.000 Besucher weniger, hieß es in der vergangenen Woche. Verliert der Zoo an Attraktivität?

Nein, das kann man so nicht sagen. Wir hatten für 2017 ein deutliches Wachstum geplant, aber leider haben uns Regen und Sturm in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir werden in diesem Jahr knapp über 100 000 Jahreskarten absetzen, das ist etwa ein Prozent mehr als 2016. Diese Zahl freut uns sehr, weil sie zeigt, wie konstant die Beliebtheit des Zoos ist. Allerdings hat das verregnete Jahr Einfluss auf die Be­suchshäufigkeit unserer Jahreskarteninhaber gehabt, die im Durchschnitt statt etwa sechs- nur rund fünfmal gekommen sind. Über Ta­geskarten kommen unterm Strich 50 000 Besucher weniger als ge­plant. Dies ist sicherlich auch auf die verspätete Eröffnung von Afi Mountain zurückzuführen, denn diese hatten wir eigentlich vor den Sommerferien geplant.

Also kein Attraktivitätsverlust, sondern schuld war der schlechte Sommer? Oder hat auch die Peta-Kampagne gegen den Zoo wegen der Elefantenhaltung Besucher gekostet?

Zuträglich waren die Vorwürfe sicherlich nicht, aber der Effekt ist nicht messbar. Der Risikofaktor Wetter war in diesem Jahr besonders spürbar, denn wir sind in einem ganz besonderen Maße da­von abhängig. Bei ordentlichen Temperaturen kommen an einem Wochenende im Sommerhalbjahr 16 000 bis 17 000 Besucher. Die Eintrittserlöse betragen dann durchaus 250 000 Euro. Haben wir nur zwei bis drei verregnete Wo­chenenden, ziehen die in der Regel 750 000 Euro weniger Erlöse nach sich. Die können wir dann kaum noch aufholen. Bei einem Super-Sommer wie 2014 sind aber auch Gewinne möglich.

Sind eventuell auch die Zoo-Preise ein Grund, dass weniger Besucher gekommen sind? Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern, zum Beispiel vier und acht Jahre alt, zahlt immerhin mehr als 80 Euro an der Tageskasse. Und 2018 soll noch eine Preisanhebung kommen.

Für die Preis-Diskussion haben wir Verständnis, denn 80 Euro sind erst einmal viel Geld für eine vierköpfige Familie. Unter den deutschen Zoos sind wir knapp führend bei den Preisen, das stimmt auch. Aber wir müssen auch beachten, dass wir seit fünf Jahren die Preise stabil gehalten haben. In diesem Winter senken wir die Preise sogar deutlich um bis zu fünf Euro. Im Sommer werden die Preise online günstiger und an der Kasse etwas teurer. In Summe heben wir die Preise also nicht an. Zudem machen wir an anderen Stellen Zugeständnisse, denn der Winter-Zoo kostet ab 16 Uhr keinen Eintritt mehr und der große Spielplatz ist ab 18 Uhr im Sommer frei zugänglich.

80 Euro an der Tageskasse sind dennoch viel Geld ...

Wir müssen die Diskussion auch anders führen. Wir müssen uns über die Wertigkeit eines Zoobesuchs unterhalten. Die Zoobesucher haben hohe Ansprüche und auch wir an uns selbst. In den vergangenen Jahren und auch zukünftig haben wir an vielen Stellen Investitionen. Die Wertigkeit des Zoos anzuerkennen, damit haben wir die größte Herausforderung, denke ich. Was schade ist, denn man bekommt ein Erlebnis für mehrere Stunden, eine artgerechte und attraktive Tierpräsentation, wie kommentierte Fütterungen und Tiershows. Dazu gibt es unsere Zooschule für Schüler, wir bieten verschiedene Angebote wie Vorträge zum Artenschutz oder über Tiere in freier Wildbahn. Vergleichen Sie andere Freizeitangebote in Hannover mit dem Zoo, so kommen da schon mal für zwei Stunden mehr als 24 Euro pro Person zusammen – während Sie im Zoo den ganzen Tag verbringen können.

Mit Ausnahme wohl der Tiershows wird sich eine Familie mit zwei Kindern bestimmt nicht für alle Angebote erwärmen, die Sie eben aufgezählt haben.

Wir erhöhen permanent die Attraktivität, 2018 komplettieren wir etwa Afi Mountain mit dem neuen Spielplatz, und es wird eine neue Yukon-Bay-Show geben. Und wer nur kurz vorbeischauen möchte, für den haben wir vor einiger Zeit das Feierabend-Ticket für einen kürzeren und damit günstigeren Zoobesuch ab 16.30 Uhr eingeführt.

Kommen wir noch mal zum Jahresverlust. Der Zoo will die gut zwei Millionen Euro aus seinen Rücklagen tragen. Wie groß ist denn das Finanzpolster?

Seit 2011 bekommen wir von der Region keine jährlichen Zuschüsse mehr. Dies ist übrigens ein großer Unterschied zu nahezu allen anderen Zoos in Deutschland. Dafür hatte die Region Hannover als Trägerin damals die Schulden des Zoos beglichen, und es wurde eine Rücklage in der Bilanz gebildet. Die liegt aktuell bei 29,5 Millionen Euro. Der Steuerzahler wird durch das aktuelle Minus also nicht belastet.

Was muss denn passieren, damit der Zoo aus den roten Zahlen kommt?
Bei dem Kostenblock unserer Einrichtung brauchen wir etwa 1,2 Millionen Besucher im Jahr. Der Zoo erwirtschaftet einen Umsatz von rund 26 Millionen Euro im Jahr etwa durch Eintrittsgelder, Merchandising, Gastronomie und Events. Dem stehen hohe Ausgaben für Personal, Energie, Betrieb und Instandhaltung gegenüber. Bei den Tieren und dem Futter können wir nicht sparen, das ist nun mal so. Wir sind in einem ganz hohen Maße vom Wetter abhängig. Aber wir versprechen uns von der fertiggestellten Themenwelt Afi Mountain viele Besucher im nächsten Jahr.

von Andreas Voigt

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