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Meine Stadt Ist der Mai zu schön für die Natur?
Hannover Meine Stadt Ist der Mai zu schön für die Natur?
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19:29 25.05.2018
Sylvia Vogler (41) in der Gärtnerei Gehlhaar giest Sommerblumen. Quelle: Heusel
Hannover

Wer will sich schon über dieses sonnige Wetter beschweren. Schließlich gab es so viel Sonne seit gefühlter Ewigkeit nicht mehr. Doch naturgemäß freuen sich nicht alle über die anhaltende Trockenheit.

Die verschwindend geringen Niederschlagsmengen im Monat Mai machen besonders der Natur schwer zu schaffen: Die Sonnen dörrt die Pflanzen aus. Landwirte und Gärtnerein müssen schon früh im Jahr einen hohen Aufwand betreiben, um ihre Pflanzen zu schützen. Die Stadtwerke erleben schon im Mai Spitzenwerte bei der Wassernachfrage.

Ungewöhnliche starke Belastung für Pflanzen

Hartmut Meyer vom Erdbeer-Hof Gleidingen beschreibt die Problematik: „Durch die hohe Lichtintensität und die Verdunstungsrate gibt es ungewöhnlich starke Belastungen für die Pflanzen.“ Das betreffe von der Erdbeere bis zur Zuckerrübe alle landwirtschaftlichen Produkte. Droht die Trockenheit den Erdbeeren zuzusetzen, setzt Meyer Tröpfchenbewässerung auf seinen Feldern ein. Damit könne auf wassersparende Weise kurzfristig Abhilfe geschaffen werden. Dennoch ist das Bewässern teuer – deswegen hofft Hartmut Meyer auf baldigen Niederschlag. Allerdings erklärt er auch, dass kurze, heftige Regenschauer mehr schaden als helfen: „Wir haben keine gleitenden Übergänge mehr und schlittern von einem Extrem ins andere.“ Der Boden habe nach so langer Trockenzeit bei Starkregen gar keine Zeit, sich anzupassen und das Wasser aufzunehmen. Meyer betont: „Die Natur freut sich über moderaten Niederschlag.“

Daran schließt sich Uwe Gehlhaar, Geschäftsführer der Baumschule Gehlhaar an: „Es müsste mal einen Tag langsam regnen.“ Nur dann könnten seine Pflanzen das Regenwasser auch verarbeiten. Derzeit wendet das Unternehmen rund 200 Euro Mehrkosten pro Tag auf, um die Pflanzen angemessen bewässern zu können: „Dafür brauche ich zwei bis drei Leute mehr“, erklärt Gehlhaar. Rund acht bis zehn Stunden sind seine Mitarbeiter jeden Tag zusätzlich mit Gießen beschäftigt.

Erhöhter Wasserverbrauch

Öffentliches Grün sei laut der Stadt bislang noch nicht geschädigt worden. „Lediglich Rasenflächen zeigen die ersten Trockenheitsanzeichen, was sich aber nach den nächsten Regenfällen wieder reguliert“, teilte die Stadt mit. Jedoch seien Jungpflanzen gefährdet und müssten zusätzlich bewässert werden.

Der erhöhte Wasserverbrauch macht sich auch bei den Stadtwerken bemerkbar: Am Dienstag wurde mit 150 055 Kubikmetern der bisherige Jahreshöchststand an verbrauchtem Wasser gemessen. Mittwoch und Donnerstag reihten sich als zweit- und dritthöchste Verbrauchswerte dahinter ein. Zum Vergleich: Der Höchstwert des gesamten Vorjahres betrug 153 100 Kubikmeter – und wurde jetzt schon fasst übertroffen. Mit einer Entspannung rechnet man angesichts der Wetterprognose derzeit nicht, Enercity betont aber: „Die Wasserwerke sind darauf vorbereitet, um bei Bedarf über die bisherigen Planzahlen hinausgehende Mengen zur Verfügung stellen zu können.“ Dafür werden sogenannte Wasserhochbehälter genutzt.

Statt Regen erwartet uns nun das heißeste Wochenende des Jahres. Landwirt Hartmut Meyer äußert einen Wunsch: „Nachts Regen und tagsüber Sonne.“ Dann könnten auch endlich seine Pflanzen mal wieder durchatmen. Und damit wären wohl auch alle anderen einverstanden.

Zu wenig Regen, viel Sonne

2,4 Liter – so wenig regnete es bislang im Mai 2018 pro Quadratmeter. An nur zwei Tagen kam es überhaupt zu Niederschlägen. Das ist erschreckend wenig, kamen doch im Jahr zuvor im Mai noch 31,6 Liter pro Quadratmeter zusammen. Landwirten, Forstschützern und Gartenbetrieben macht das sehr trockene Wetter zu schaffen: „Auch der April ist schon deutlich trockener gewesen als im Durchschnitt der vergangenen Jahre“, sagt Meteorologe Dominik Jung. Demnach fiel schon im April nur rund die Hälfte des erwarteten Niederschlags vom Himmel.

Wenig Regen bedeutet natürlich auch: mehr Sonne. Die Statistik zählt 223,4 Sonnenstunden auf – der Mai wird damit zu einem echten Wonnemonat. Im Vorjahr waren es nur 137,5 Stunden – eine Steigerung um über 60 Prozent in 2018.

Doch wann bekommen Felder und Wälder wieder etwas Regen ab? „Kommenden Dienstag und Mittwoch gibt es Potenzial für Schauer und Gewitter“, prophezeit Jung. Doch die kurzen und heftigen Regenschauer helfen der Natur nicht. Außerdem betont Jung: „Es ist ein Glücksspiel, ob es überhaupt zu Niederschlag kommt.“ Denn die Schauerwolken können ebenso gut an Hannover vorbeiziehen oder nur lokal für Feuchtigkeit sorgen.

Janik Marx

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