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Meine Stadt Hannover: „Hilfssheriff“ verteilte Bußgelder
Hannover Meine Stadt Hannover: „Hilfssheriff“ verteilte Bußgelder
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00:15 26.01.2016
Der 24-jährige Hannes G. wollte Radfahrer in der Fußgängerzone erpressen: Am Freitag wurde er wegen räuberischer Erpressung verurteilt.
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Hannover

Im Urteil erteilte Schöffenrichterin Maria Kleimann dem Angeklagten auch noch Party-Verbot: „Im März ist große Goa-Party in Hannover, da gehen Sie gefälligst nicht hin.“

Aber von Anfang an: Am 5. November 2015 hing der alkoholabhängige Hannes G. mit Punks in der Fußgängerzone ab. Als er einen Polizisten sah, der von Radfahrern Bußgelder
einnahm, weil sie in der Bahnhofstraße fuhren, hatte er eine verhängnisvolle Idee. Anstatt Leute anzubetteln, wollte er Radfahrern, sozusagen als „Hilfssheriff“, Geld abknöpfen. So verlangte er von seinem ersten Opfer (39) 7,50 Euro. „Der Angeklagte stellte sich mir in den Weg. Als er Geld forderte, sagte ich: Keine Chance.“ Dann habe der Mann seine Rolex gefordert. Auch da zeigte sich der 39-Jährige unnachgiebig,
ließ sich auch nicht von einem gezückten Teppichmesser beeindrucken und ging weiter.
Gute vier Stunden später erblickte das Opfer den Angeklagten wieder in der Nähe des Tatorts. Er informierte eine Polizeistreife, die gerade die Punks kontrollierte, von dem Vorfall um 13.40 Uhr.

Der Angeklagte zeigte sich komplett geständig: „Ich schäme mich zutiefst für meine Tat.“ Er wolle in Zukunft drogenfrei leben und arbeiten. Die Untersuchungshaft muss ihn beeindruckt haben. Hannes G. hat Fachabitur und eine Ausbildung als Lackierer. Doch seit Februar 2015 ist er obdachlos. Dem Psychiater Christian Riedemann erzählte er, dass er mit Leuten aus der Goa-Musikszene im Wald gelebt, Drogen genommen und getanzt habe. Mit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wegen einer „Soziopathie“ (Angst vor Menschen) habe er sich den Anforderungen des Arbeitsamtes entzogen.

Der Psychiater sagte, dass ohne Therapie weitere Straftaten zu erwarten seien. Insofern stand auch eine Unterbringung im Maßregelvollzug zur Debatte. Davon sah Richterin Kleimann ab. Sie machte Hannes G. aber eine ungewöhnliche Auflage. Bis zur stationären Therapie muss er der Richterin Briefe schreiben, in denen er seine gegenwärtige Situation beschreibt. Besser wäre es, wenn er da keine Partyerlebnisse schildert ...

Thomas Nagel

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