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Meine Stadt Hannover: Ausstellung zu 40 Jahre Gorleben-Treck
Hannover Meine Stadt Hannover: Ausstellung zu 40 Jahre Gorleben-Treck
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15:44 08.01.2019
HISTORISCHER PROTEST: Museumsleiter Thomas Schwark wirbt mit einem Megaphone für die Sonderausstellung zum „Gorleben-Treck“. Quelle: Dröse
Hannover

Umbau und Sanierung verzögern sich, unansehnliche Gerüste bestimmen das Bild in Teilen des Historischen Museums noch für längere Zeit. Museumschef Thomas Schwark nimmt das pragmatisch. „Wir gehen mit den Beeinträchtigungen um“, sagte er am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz seines Hauses.

Beeinträchtigungen, die allerdings nicht ganz folgenlos blieben. So wurde die eigentlich bereits für 2018 geplante Sonderausstellung zu den internationalen Einflüssen auf den Bau der Herrenhäuser Gärten verschoben und verlegt. Sie startet nun am 17. März im Museum Schloss Herrenhausen. „Dabei geht es auch um Ästhetik“, so Kurator Andreas Urban. Was in dem Baustellen-Ambiente in der Pferdestraße kaum umzusetzen wäre.

Nach Ansicht Schwarks weniger wegen der Baustelle als wegen des extrem heißen Wetters hatte das Museum im vergangen Jahr einen Besucherrückgang zu verzeichnen, eben vor allem im Sommer. „Die Besucherzahlen haben dann aber im Winter kräftig angezogen, mit Beginn der Playmobil-Ausstellung sprunghaft.“ Wegen des großen Erfolgs wurde diese Ausstellung auch bis zum 28. April verlängert. Was einmal mehr die Bedeutung der Sonderausstellungen zeigt, mit denen das Museum immer wieder Artefakte der Vergangenheit mit Fragen der Gegenwart verknüpft. Auch 2019 wird es drei Sonderausstellungen geben, inklusive der Herrenhausen-Schau.

Gorleben: Trecker nach Hannover

Sein „guten Morgen“ zur Begrüßung rief Thomas Schwark zum Auftakt der Pressekonferenz durch ein rotes Megaphon. Nicht von ungefähr. Denn die vielleicht spannendste Ausstellung des Jahres beschäftigt sich mit dem lautstarken Protest gegen das Atommüllendlager und die damals geplante Wiederaufbereitungsanlage in Gorleben. Dessen Höhepunkt war der „Gorleben-Treck“, der in Hannover in die mit laut Veranstalter 100 000 Teilnehmern bis dahin größte Anti-Atom-Demo in Deutschland mündete. Das ist im März genau 40 Jahre her.

Seit 1977 verfolgte die damalige CDU-Landeregierung unter Ministerpräsident Ernst Albrecht das Ziel, Gorleben zu einer Art Atom-Dorf zu machen. „Doch er hatte die Rechnung ohne die Bevölkerung gemacht und großen Widerstand geerntet“, so Schwark. Anlässlich eines wissenschaftlichen Hearings zu dem Thema Ende März in Hannover kam es zu der spektakulären Protestaktion unter dem Motto „Albrecht wir kommen!“

Quelle: Gerhard Stoletzki, Gerhard, HMH

Am 25. März 1979 startete der Treck mit etwa 350 Traktoren in Gedelitz und erreichte nach etlichen Zwischenstationen am 31. März Hannover, mittlerweile auf 500 Traktoren angewachsen. Aus allen Himmelsrichtungen kamen weitere Demonstranten hinzu. Die Hauptkundgebung fand auf dem Klagesmarkt statt, damals noch nicht bebaut. Beflügelt worden war der Massenprotest wohl auch von dem Reaktorunfall in Harrisburg (USA), der sich am 28. März ereignet hatte. Im Zuge der Demonstration in Hannover wurde auch der große Stein am Weißekreuzplatz gegenüber dem Raschplatzpavillon abgelegt. „Ein Denkmal“, so Schwark. Das noch heute dort zu sehen ist, wenn auch nicht mehr das Original. Das wurde gestohlen.

Demo auf dem Klagesmarkt: Die Proteste gegen Gorleben von 1979 stehen im Museum im Mittelpunkt der Ausstellung „Trecker nach Hannover“, die am 27. März beginnt. Quelle: Gerhard Stoletzki, HMH

Der Protest zeigte Wirkung, der Plan einer Wiederaufbereitungsanlage verschwand in der Versenkung. Das Endlager aber war nicht vom Tisch, bis heute. So will die Ausstellung nicht nur mit Fotos, Dokumenten und Zeitzeugenberichten die Bewegung von damals beleuchten, sondern auch die aktuelle Diskussion. Auch das Wendland, dass sich nach 1979 als Kulturregion etabliert hat, etwa durch die „Kulturelle Landpartie“, wird berücksichtigt. Die Ausstellung läuft vom 27. März bis 28. Juli.

Wie sich Hannover wandelt

Die zweite große Sonderschau widmet sich unter dem Titel „Hannoverwandelt“ der fotografierten Zeitgeschichte der Jahre 1946 bis heute. Dabei wertet das Museum das eigene, etwa zwei Millionen Aufnahmen umfassende Bildarchiv aus. Darunter sind auch mehrere Nachlässe von Pressefotografen wie etwa Wilhelm Hauschild.

Etwa 80 daraus ausgewählte Fotos sollen den Wandel der Stadt und ihrer Menschen in diesen Jahren beleuchten. Darunter sind Fotos vom Besuch Queen Elizabeths ebenso wie vom Bau des Ihme-Zentrums, von der ersten Europa-Wahl 1979 und von der Expo 2000. „Wir wollen prüfen, was einen geprägt hat, und was nur eine kurzfristige Modeerscheinung war“, erklärte Kurator Andreas Fahl.

Doch nicht nur Profi-Fotos werden zu sehen sein. Auch Besucher sollen die Möglichkeit erhalten, sich etwa mit eigenen Bildern einzubringen. „Wir hoffen auf Input von außen, den wir auch für unsere neue Daueraustellung nutzen können“, so Fahl.

Mit rund 80 Fotografien will das Historische Museum in seiner Sonderausstellung in der zweiten Jahreshälfte den Wandel von Stadt und Menschen in Hannover dokumentiere. Zu sehen ist etwa der Besuch Queen Elizabeths II, der Bau des Ihme-Zentrums, die Expo 2000 aber auch das Motorradrennen in der Eilenriede.

Wo die Wurzeln der Herrenhäuser Gärten liegen

Die dritte große Sonderschau wird wie erwähnt nicht im Historischen Museum, sondern im Museum Schloss Herrenhausen zu sehen sein. Dort ist sie eigentlich auch am richtigen Platz, denn schließlich geht es bei ihr um die Herrenhäuser Gärten und ihre Inspirationsquellen.

Grundlage ist eine umfangreiche Materialsammlung des Architekten und Bauforschers Karl Albrecht Haupt (1852 – 1932), der auf seinen zahlreichen Reisen sehr viele Bücher und Druckgrafiken gesammelt hatte. Kurz vor seinem Tod vermachte er der hannoverschen Hochschule seine aus 16 000 Blättern bestehende Sammlung, die seitdem weitgehend unbeachtet in der heutigen Technischen Informationsbibliothek (TIB) vor sich hin schlummerte.

Erst jetzt wurde es durch Initiative des Historischen Museums und der Akquirierung von Forschungsgeldern möglich, diese Sammlung zu erfassen, zu erschließen und mit Hilfe von Restaurationsexperten der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim für eine Ausstellung aufzubereiten.

Der Päpstliche Garten in Rom: Die Ausstellung Herrenhausen und Europa zeigt solche Druckgrafiken vom 17. März an im Schlossmuseum Herrenhausen. Quelle: TIB

„Die Druckgrafiken sind hochspannend“, verspricht Kurator Andreas Urban. „Durch sie sind viele zentrale Gärten dokumentiert.“ Gärten in Italien, Frankreich und den Niederlanden, die als Vorbild für Herrenhausen gedient haben dürften. So werden typische Elemente etwa der französischen Gartenkunst deutlich, wie die Fontänen oder das reflektierende Wasser, die sich dann später im hannoverschen Barockgarten wiederfinden.

Die Sammlung belegt dadurch auch ein Netzwerk europäischer Gartenkünstler, die ihre Ideen in der ganzen Welt verbreiteten. Wobei Hannover auch nicht Endstation war, denn dank Sophie Charlotte von Hannover, Königin in Preußen, wurde die Gartenanlage des spätere Schlosses Charlottenburg nach hannoverschem Vorbild gebaut.

Blick auf die Tuillerien: Die Ausstellung Herrenhausen und Europa zeigt solche Druckgrafiken vom 17. März an im Schlossmuseum Herrenhausen. Quelle: TIB

Die Ausstellung „Herrenhausen und Europa. Ein Gartennetzwerk“ läuft vom 17. März 2019 bis 12. Januar 2020 im Museum Schloss Herrenhausen.Begleitend erscheint eine 144 Seiten starke Publikation mit zahlreichen Abbildungen zum Preis von 15 Euro.

Der Sound von Heimat

Keine Ausstellung aber eine ganz besondere Aktion bietet das Historische Museum mit dem Projekt „Wie klingt Heimat?“ Damit wollen die Museumspädagogen der gerade aktuell wieder aufgeflammten Diskussion um den Heimatbegriff einen neuen, bislang wenig beachteten Aspekt hinzufügen. Denn Heimat ist zu allererst ein Gefühl, meist verbunden mit Bildern. Aber auch mit Tönen?

Zusammen mit dem Musikzentrum Hannover, dem Klangkünstler Lukas Dolphin und der Kulturvermittlerin Friederike Bill sollen mit Hannoveranern unterschiedlichster Herkunft und unterschiedlichsten Alters jeweilige Vorstellungen von Heimat vertont und zu Klangcollagen verarbeitet werden. Die sollen dann im Sommer an verschiedenen Orten in der Stadt in Form einer Klanginstallation zu sehen und vor allem zu hören sein. Ein durchaus innovativer Ansatz, der einem Heimatmuseum, wie das Historische Museum im Kern eines ist, in einer Unesco-City-of-Music gut zu Gesicht steht.

Von Andreas Krasselt

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