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VOLL LASER: Claus Brenner und Alexander Schlichting lassen von diesem Gerät Hannover dreidimensional erfassen.

VOLL LASER: Claus Brenner und Alexander Schlichting lassen von diesem Gerät Hannover dreidimensional erfassen.
© Sielski

Fakultäten-Serie

Hannover: Für Autonomes Fahren wird die Stadt mit dem Laser vermessen

Millionen und Millionen von Punkten – aus ihnen macht der Computer ein 3D-Modell der Stadt. Das geschieht nicht zum Vergnügen: Forscher der Universität Hannover wollen so dazu beitragen, dass Autonomes Fahren Realität wird.

Hannover. Mehr als 28 000 Studenten, 326 Professoren und neun Fakultäten – Hannover ist Universitätsstadt. In einer Serie stellt NP-Redakteur Sebastian Scherer verschiedene Institute vor. Und lässt die Professoren erklären, wie ihre Forschung die Welt ein Stückchen besser machen soll. In Folge 4 besucht Sebastian Scherer die Fakultät für Bauingenieurwesen und Geodäsie.

Es ist die Vorstellung des entspannten Reisens, des erholsamen statt stressigen Weges zur Arbeit: Irgendwann in der Zukunft sollen Autos nicht mehr von den Insassen gesteuert werden - sondern das Lenken und Navigieren selbst übernehmen. „Dabei müssen die Autos deutlich mehr können als nur links oder rechts abbiegen“, sagt Claus Brenner, Diplom-Informatiker und promovierter Ingenieur am Institut für Kartographie und Geoinformatik an der Universität Hannover.

Brenner forscht deshalb am Autonomen Fahren. Anders als Hersteller wie Tesla und Google schickt die Universität zwar keine selbstständig fahrenden Autos auf die Straße. Brenner und sein Team erforschen aber, wie die Modelle, die erprobt werden, sicherer unterwegs sein können. Das Geheimnis: Laser. Die Forscher fahren immer wieder Straßen ab, vermessen sie mit Lasertechnik. So entstehen mit jeder Fahrt genauer werdende digitale Abbildungen – die zur Orientierung dienen können. „Wir nehmen Hannover in 3D auf“ sagt Alexander Schlichting, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut.

Das ist aufwendig, nicht nur zeitlich. Denn bei den Aufnahmen entstehen enorme Datenmenge. Allein eine kleine Ecke, gerade 23 Kilometer in und um Badenstedt, ergibt bei dem Laserverfahren mal eben eine Milliarde einzelne Punkte, aus denen dann die 3D-Modelle entstehen. Dafür ist dann auch jede Fassadenvertiefung der Häuser, jede ungerade gelegte Fußwegplatte zu erkennen. „Wir müssen die Straßen mehrfach abfahren, um die Abweichungen auszugleichen“, sagt Professor Brenner. Denn immer gleich ist der Weg eines Messmobils nicht - egal ob durch äußere Einflüsse, etwa Radfahrer, denen man ausweicht, oder innere, weil man etwas weiter oder enger um die Kuve fährt.

Das Prinzip, an dem sich dann in der Navigation orientiert wird, ist einfach: Die Autos haben Sensoren, die die Umgebung scannen. Anhand von Laternen und Stangen in der Umgebung erkennen sie, wo sie sind. Das birgt aber auch Probleme: „Wenn jemand ein Verkehrsschild umgefahren hat, kann das Auto sich an diesem Punkt nicht mehr orientieren“, so Schlichting. Langfristig wird es ohnehin nur die Masse machen – „wenn jedes Auto die Daten erfasst und zur Verfügung stellt, kann so ein sicheres System entstehen“, so Brenner. Zumindest weitestgehend. Denn die größte Herausforderung, das wissen beide, ist nicht die Technik, sondern der Mensch: „Wie trainieren wir die Autos, dass sie auf einen verkehrsleitenden Polizisten reagieren? Und auf andere unwahrscheinliche, aber mögliche Situationen?“

Natürlich wird daran nicht nur in Hannover geforscht. „Aber wer es schafft, das zuverlässig hinzubekommen, der kann damit viel Geld verdienen.“ Die Automobilhersteller legten Wert darauf, möglichst Systeme zu entwickeln statt zuzukaufen, um so nicht dauerhaft Gebühren zahlen zu müssen. „Die Autokonzerne schauen interessiert auf unsere Arbeit.“ Die Absolventen des Master-Studeingangs „Navigation und Umweltrobotik“, in dem die Verfahren gelehrt werden, „haben entsprechend der Aktualität des Themas, beste Chancen haben bei namhaften Firmen unterzukommen“.

Von Sebastian Scherer

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  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
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     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
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